Kelheim 04.07.2010, 21:12 Uhr

Volksentscheid: Kelheim unter dem Bayerntrend

Knapp 55 Prozent der Landkreisbürger sagen „Ja“ zur Verschärfung der Regelungen in der Gastronomie.

Die Raucher müssen ihre Kippen ausdrücken.

Die Raucher müssen ihre Kippen ausdrücken.

Landkreis. 22 940 Stimmen oder 54,68 Prozent für ein striktes Rauchverbot in der Gastronomie, 19015 oder 45,32 Prozent dagegen: So las sich Sonntagabend das Ergebnis des Volksentscheids „Echter Nichtraucherschutz“ im Landkreis Kelheim. In einzelnen Gemeinden waren die Befürworter zwar leicht in der Minderheit, doch insgesamt gab es am eindeutigen Votum nichts zu zündeln.

Peter-Michael Schmalz, Koordinator des ÖDP-Volksbegehrens auf Landkreis-Ebene, wollte von einem „Tag des Jubels“ nichts wissen. „Es ist ein toller Erfolg, aber ich vermag nichts Sensationelles zu erkennen, wenn etwas umgesetzt wird, was eine Selbstverständlichkeit sein sollte.“ 3300 Tote pro Jahr in Deutschland durch Passivrauchen sprächen für sich.

Wirtin Christine Schweiger vom Klostergasthof Weltenburg bezeichnete den Ausgang dagegen als „Katastrophe“. „Begonnen hat alles mit einem Gesetz, das keine klare Linie vorgab. Jetzt stehen wir vor einem riesen Debakel.“ Welcher Stammtisch, welche Kartlerrunde würde noch „z’sammgeh’n, wenn die Leut’ immer wieder zum Rauchen vor die Tür müssen“. „Wir leben von den Einheimischen, und die werden wenig Lust zum Wirtshaussitz’n mit Durchgangsverkehr verspüren.“ Überdies sei wenig gewonnen, weil die Gäste „dann vor der Tür zum Küchenfenster des Nachbarn reinrauchen“.

„Das Volk hat entschieden und somit passt’s“, sagte Max Sturm, Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes im Landkreis. „Jetzt gilt gleiches Recht für alle – oder soll ich sagen: kein Recht für Raucher?“ Er als Betreiber eines Speiselokals könne mit einer Verschärfung leben. „Aber als Sprecher vieler Dorfwirte bin ich nicht froh darüber. So etwas wie Stammtische geht komplett verloren.“ Auch Sturm fragt sich, wie das strikte Rauchverbot kontrolliert werden soll. „Wir hätten dringendere Sachen, um die man sich kümmern müsste.“

 

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Freitag 3. September 2010
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