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Kelheim
Sonntag, 19. November 2017 7

Kommune

Das Kloster in Biburg ist verkauft

Vor kurzem unterzeichneten der Investor aus Mühldorf und Bürgermeister Zachmayer den Vertrag. Geplant sind Eigentumswohnungen
Von Walter Dennstedt

  • Die Gemeinde Biburg. Ortsbildprägend ist die romanische Kirche mit den umliegenden Klostergebäuden. Luftbild: Dr. Satzl
  • Das Kloster hat eine bewegte Geschichte. Es geht aufs 12. Jahrhundert zurück.Foto: Archiv MZ

Biburg. Das Kloster in Biburg ist verkauft. Das bestätigte am Mittwochvormittag Bürgermeister Thomas Zachmayer im Gespräch mit unserem Medienhaus. Ein Investor aus Mühldorf am Inn (Oberbayern) erhielt den Zuschlag, nachdem er sich bereits Anfang des Jahres gemeldet und nicht nur reges Interesse, sondern auch die nötige Liquidität mitbrachte, um das Großprojekt zu stemmen.

Zur Vorgeschichte: Vor knapp acht Jahren schien es so, als gäbe es ein Konzept für das Kloster. Damals zogen dort Privatleute eine sogenannte Kunstpension auf, wollten unter anderem Kurse geben. Allerdings war das Projekt nicht von Erfolg gekrönt. Um die Planungshoheit über das wichtige Gebäude im Ortskern zu behalten, entschloss sich die Kommune in der Folge, die alten Mauern zu erwerben, eine durchaus umstrittene Entscheidung.

Meist fehlte die Liquidität

Nachdem weder der Freistaat Bayern noch die Diözese Regensburg signalisierten, Mittel für eine wie auch immer geartete Nutzung lockerzumachen, musste man nach anderweitigen Lösungen suchen, sagte Zachmayer. Er habe versucht, private Investoren zu finden. Es habe davon einige gegeben, aber meist sei es an der Liquidität gescheitert, zudem, so deutete Zachmayer an, hätten einige Verhandlungspartner versucht, das Gebäude für einen Anerkennungspreis, sprich für den sprichwörtlichen Apfel und Ei, zu bekommen.

Mit dem Investor aus Oberbayern, der Mühldorfer Firma, die bereits seit 25 Jahren auf dem Mark sei und erfolgreich vergleichbare Projekte unter anderem in Leipzig gestemmt habe, habe man nun augenscheinlich den richtigen Partner gefunden.

Bereits Anfang des Jahres wurde der Kontakt hergestellt, es gab mehrere Besichtigungstermine in den Gebäuden, die nach jetzigem Baustand 8300 Quadratmeter Geschossflächen bieten, mithin je nach Zuschnitt der Wohnungen, Platz für rund 100 Einheiten. „Wir brauchten jemand, der das Kloster saniert und nutzt“, sagt Zachmayer, denn die Gemeinde sei nicht in der Lage, dies allein zustemmen.

Dabei schlagen zwei Herzen in der Brust Zachmayers, wie er unumwunden eingesteht: Als „Idealist“ hätte er gerne eine Mischnutzung durch das Berufsbildungswerk Abensberg, das jetzt einen Teil des Gebäudes bewohnt, und eine kulturelle Nutzung gehabt, indes, als Bürgermeister sehe er, dass die Voraussetzungen dafür nicht gegeben seien: „Das können wir nicht stemmen“. Und auch ein Millionär, der sich mit einem derartigen Komplex verwirklichen wolle, sei eben für Biburg nicht zu finden gewesen, scherzte Zachmayer. Da sei die Lage halt auch zu weit ab von Zentren um damit das eigene Renommee zu polieren.

Bislang nutzt nicht nur das Berufsbildungswerk die Gebäude, sondern auch der rege Tanz- und Theaterverein Biburg (TuT). Der hat im Gegensatz zum BBW keinen Mietvertrag und sei mittlerweile über die neuen Besitzverhältnisse informiert, teilte Zachmayer mit. Das Berufsbildungswerk Abensberg habe er ebenfalls informiert. Hier gibt es einen Mietvertrag, der auf den neuen Besitzer übergeht. Und der werde sich mit dem Berufsbildungswerk absprechen, teilte Zachmayer mit.

Es sei zwar nicht schön, dass der Theaterverein vorerst keine Bleibe mehr habe, indes, man habe von Anfang darauf hingewiesen, dass er bei einer anderweitigen Nutzung weichen müsse. Und die Theatermenschen haben zwar einiges hergerichtet, ebenfalls das Berufsbildungswerk als Mieter, indes, es seien kosmetische Reparaturen und keine Generalsanierung.

Das Gebäude ist in die Jahre gekommen, auf die Gemeinde wären in jüngster Zukunft wohl Belastungen zugekommen. Das war unter anderem Tenor bei der jüngsten Bürgerversammlung in Biburg, bei der Zachmayer bereits angedeutet hatte, dass sich eine Lösung für die Nutzung ergeben könnte.

Parkhaus geplant

Über den Kaufpreis schweigt Zachmayer. Hier habe man Stillschweigen vereinbart. Der Kauf sei zudem in nichtöffentlicher Sitzung des Gemeinderats beraten worden. Der Beschluss, dem Investor aus Oberbayern den Zuschlag zu geben, sei einstimmig erfolgt, teilte Zachmayer weiter mit.

Bereits Anfang des Jahres war mit em Investor ein Optionsvertrag geschlossen worden, dass die Gemeinde niemand anderem das Kloster verkauft. Zachmayer wies darauf hin, dass die Gebäude denkmalgeschützt sind. Hier habe es wohl schon Abstimmungsverhandlungen mit dem Denkmalschutz gegeben, so dass der Investor auch von dieser Seite eventuell Zuwendungen bekommt, um die Vorgaben einzuhalten. Die Planungen sehen unter anderem vor, die Fläche der ehemaligen Abfüllhalle für ein Parkhaus zu nutzen, weil parken am Eberhardplatz nicht möglich sei, sagte Zachmayer.

Nicht verkauft wurde übrigens der Klosterweiher. Der bleibt weiterhin im Besitz der Gemeinde.

Bewegte Vergangenheit

  • Die Entstehung:

    Graf Heinrich I. von Sittling und seine Gattin Bertha, Tochter des Grafen Eberhard I. von Ratzenhofen, genannt die „Selige Bertha“, übergaben bei Verteilung ihres Erbes die ihnen gehörende Burg Biburg, welche ursprünglich das Heiratsgut von Bertha war, an ihre beiden jüngeren Söhne Konrad und Arbeo. Das Brüderpaar schenkte, nach Wunsch ihrer Mutter Bertha, die Burg Biburg im Jahre 1125 der Domkirche zu Bamberg, verbunden mit der Auflage, dort ein Kloster zu errichten. So gilt die „Selige Bertha“ als Stifterin des Klosters.

  • Bau:

    Im Jahr 1125 wurde mit dem Bau der Kirche begonnen, im Jahr 1133 gesegnet. Bis zum Jahr 1140 war der Klosterkomplex soweit fertig, dass ihn die Bischöfe Heinrich von Regensburg und Egilbert von Bamberg zu Ehren „Unserer Lieben Frau“ weihten. Erster Abt wurde Eberhard von Sittling und Biburg, ein weiterer Sohn der „Seligen Bertha“, der vorher als Mönch in Prüfening gewirkt hatte. Sein älterer Bruder Ulrich wurde als Vogt des Klosters bestellt. Ursprünglich war es als Doppelkloster, das heißt sowohl als Männer- als auch als Frauenkloster erbaut. Im Jahr 1278 brannte das Kloster nieder, das Frauenkloster wurde nicht mehr aufgebaut.

  • Wirren der Reformation:

    Nach dem Brand und wohl daraus folgenden wirtschaftlichen Problemen verkaufte Abt Heinrich IV. Ende des 13. Jahrhunderts die Güter des Klosters. Daraufhin erholte es sich, errang gegen 1400 eine neue Blüte. In den Wirren der Reformation verließen die Mönche das Kloster. 1555 wurde das leerstehende Kloster aufgelassen, die Anlage kam unter Verwaltung des Landesherrn. Im Jahr 1589 erhielten Jesuiten aus Ingolstadt die Gebäude, 1781 übernahm der Malteserorden die Anlage. 1808 wurde das Kloster säkularisiert und Eigentum des Staats.

  • dt / Quelle: Wikipedia

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