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Kelheim
Dienstag, 12. Dezember 2017 5

Aktion

Die Depression ist kein Tabu-Thema

Die Mut-Tour quer durch Deutschland soll für einen offenen Umgang mit Depressionen sorgen. Auch in Kelheim ist das ein Thema.
Von Lisa Pfeffer

Eine Personen hat einen Smiley vor dem Gesicht: Er steht für Betroffenen die ihre Erkrankung nicht nach außen tragen können. Foto: Pfeffer

Kelheim.Sie nehmen das „D-Wort“ unverkrampft in den Mund und wollen eine Botschaft nach außen tragen: „Depression ist eine Erkrankung, mit der die Gesellschaft offener umgehen muss.“ Um dieses Zeichen zu setzen, bewegen sich seit dem 10. Juli depressionserfahrene und -unerfahrene Menschen in Sechser-Teams durch ganz Deutschland. Zwei Tandemteams, ein Wander- und ein Kajakteam legten im Abenteuermodus 3270 Kilometer zurück. Das „Ehemaligen-Team“, das mit Tandem-Rädern unterwegs ist, machte am Mittwoch Halt in Kelheim.

„Wir sind vor einer Woche in Fulda losgefahren heute erreichen wir noch Regensburg“, erzählt Teamführer Lukas König, als er mit seinen fünf Begleitern vor dem Kelheimer Rathaus eintrifft. Sie alle kommen aus den verschiedensten Ecken: Bremen, Leipzig oder Freising beispielsweise. Mit der Mut-Tour, wie die Aktion offiziell heißt, wollen sie das Thema Depression in die Welt hinaus tragen und mit Vorurteilen aufräumen.

„Wir sind keine Trauerklöße“

Die Teammitglieder können aus Erfahrung berichten: „Für Außenstehende ist die Krankheit oft schwer zu verstehen. Da heißt es dann, Depressive wären faul oder würden sich nicht zusammenreißen“, sagt Sarina Krebs. Diese Vorurteile in der Gesellschaft stören die Betroffenen am meisten – und mit ihnen wollen sie aufräumen. „Wir sind keine Trauerklöße. Allein diese Traurigkeit beschreibt es nicht“, sagt König. Die Perspektive sei, einmal in einer Gesellschaft zu leben, in der sowohl Betroffene als auch nicht-betroffene Personen schamfrei mit psychischen Erkrankungen umgehen können. „Das Burn-Out ist meiner Meinung nach auch nichts anderes als eine Belastungsdepression. Aber man sucht eben andere Namen dafür. Mit Arbeit verbunden ist eine Depression gleich leichter akzeptiert“, sagt König. Doch er findet: „Das kann nicht der richtige Weg sein.“ Stattdessen sollte man die Akzeptanz und das Verständnis in der Gesellschaft erhöhen.

Der Name ist Programm: Die Tour durch Deutschland soll Mut machen. Foto: Pfeffer

Daniela Schötz, Psychologin beim Caritas-Verband in Kelheim, teilt diese Erfahrungen: „Leute können sich nicht vorstellen, wie man sich nicht in der Lage fühlen kann, die Zähne zu putzen oder andere Kleinigkeiten zu machen.“ Für solche alltäglichen Dinge fehle aber vielen Depressiven die Energie. Daher hieße es in der Gesellschaft oft, Erkrankte wären „faul.“

Überdurchschnittlich viele Fälle

Mindestens ein Viertel der Bevölkerung wird im Leben einmal vor Depressionen stehen – das wurde in verschiedenen ärztlichen Studien festgestellt. Und gerade die Caritas in Kelheim hat ein besonders hohes Aufkommen: „Die Hälfte der Menschen, die zu uns kommen, leidet an Depressionen. Das ist schon überdurchschnittlich viel“, sagt Schötz. Sie findet die Mut-Tour eine „super Aktion“ – es sei wichtig, „dass das Thema ins Bewusstsein der Menschen gerufen wird“.

Betroffene können sich jederzeit an Beratungsstellen wenden. „Hauptsache, man tut was“, sagt die Psychologin. Denn selbst könne man sich nur schwer helfen, deshalb sollte man keine Scheu vor Beratung haben.

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Symptome und Anlaufstellen

  • Typische Symptome einer Depression:

    Gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, Ängste, geringes Selbstwertgefühl, innere Unruhe, Grübelneigung, Schuldgefühle, Schlafstörungen oder stark erhöhtes Schlafbedürfnis, innere Leere, Appetitlosigkeit, tiefe Verzweiflung

  • Behandlung:

    Wenn mehrere der Anzeichen länger als 14 Tage anhalten, könnte es sich um eine Depression handeln. Die Krankheit muss behandelt werden. Sie hat nichts mit Charakterschwäche zu tun und die Betroffenen trifft keine Schuld an ihrer Erkrankung.

  • Caritas-Verband Kelheim:

    Pfarrhofgasse 1, 93309 Kelheim, 09441 500726

  • Landratsamt – Beratung bei seelischen Krisen:

    Hemauerstraße 48a, 93309 Kelheim, 09441 2076015

  • KISS Regensburg:

    Landshuterstraße 19, 93047 Regensburg, 0941 599388610

  • Sozialpsychiatrischer Dienst der Diakonie:

    Prüfeninger Straße 53, 93047 Regensburg, 0941 2977112

  • Telefonseelsorge:

    0800 1110111

  • Info Depression:

    0800 3344533

  • Online:

    www.deutsche-depressionshilfe.de

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