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Samstag, 16. Dezember 2017 10

Konsum

An Weihnachten bleibt zu – oder?

Obwohl der 24. Dezember ein Sonntag ist, könnten Geschäfte öffnen. Die Einzelhändler im Landkreis Kelheim halten wenig davon.
von Benjamin Neumaier

Verkaufsoffener Sonntag an Heiligabend? Das sehen viele Menschen kritisch – Kunden wie Geschäftsinhaber. Foto: Paul Zinken/dpa

Kelheim.24. Dezember, morgens. Die Festtage stehen an. Höchste Zeit, letzte Vorbereitungen zu treffen. Also ab in den Supermarkt oder ins Einkaufszentrum. Letzte Geschenke eintüten und Nahrungsmittel einkaufen, als ob es kein Morgen gäbe. Dann an der Kassenschlange, die sich gefühlt bis ins nächste Geschäft zieht, warten und letztlich gestresst nach Hause kommen. So oder so ähnlich ist es Jahr für Jahr an Weihnachten. Nun fällt Heiligabend dieses Jahr auf einen Sonntag – erschwerte Bedingungen für Last-Minute-Einkäufe. Scheinbar ein Problem, das besonders in den sozialen Medien diskutiert wird.

Ver.di ruft zu Boykott auf

Eingebrockt hat diesen Sturm im Glühweinglas mitunter die Gewerkschaft ver.di. Einmal in sieben Jahren fällt Weihnachten auf einen Sonntag und schon sollen die Geschäfte aufmachen? „Niemals“, sagt ver.di und ihr bundesweiter Aufruf zum Boykott solcher Geschäfte wurde auch im Landkreis Kelheim unzählige Male geteilt und mit Empörung quittiert.

Unsere Nachfrage stößt bei Optiker Simon Jäkel, im Vorstand des Stadtmarketings Kelheim, auf Verblüffung: „Ich bin kein Befürworter. Weihnachten soll ein Tag für die Familie sein – gerade wenn es auf einen Sonntag fällt. Ich darf aber doch gar nicht öffnen– es ist schließlich kein verkaufsoffener Sonntag.“

Stimmen bei Facebook

  • Frage:

    Wir haben unsere User auf Facebook gefragt: „Weihnachten fällt heuer auf einen Sonntag – dennoch dürften Lebensmittler, Metzger und Bäcker öffnen. Was haltet ihr von einem verkaufsoffenen Sonntag an Heiligabend?“

  • Reaktionen:

    „Völliger Quatsch! Man hat sechs Tage am Stück vorher Zeit, einzukaufen!“ (Carmen); „Ich gehe an Heiligabend sicher nicht einkaufen, egal welcher Wochentag. Hab ich auch die letzten Jahre nicht. Wenn die Mehrheit der Leute das ebenfalls machen würde, würden wir diese Diskussion gar nicht führen...“ (Barbara); „Andere Leute müssen da auch arbeiten. Find nichts Schlimmes dran“ (Tom); „Wer nicht für drei Tage im Voraus einkaufen kann, soll an den Feiertagen essen gehen.“ (Stephan); „Ich halte gar nix davon. Besonders, da wir als Verkäuferinnen auch mal in den Genuss kämen, Heiligabend frei zu haben.“ (Monika); Hätte nix gegen einen verkaufsoffenen Heiligabend. (Manuel)

Warum also dann der Boykott-Aufruf der Gewerkschaft? Pressesprecher Hans Sterr vom ver.di-Landesverband in München: „Es ist tatsächlich so, dass das Ladenschlussgesetz in Bayern ziemlich rigide ist und eine Öffnung an einem Weihnachtssonntag grundsätzlich nicht zulässt.“ Nun agiere ver.di aber deutschlandweit und „weil es Bundesländer gibt, in denen an diesem Sonntag tatsächlich die Läden aufmachen können, macht der Aufruf durchaus Sinn“, sagt Sterr. Im Grunde betreffe die Sache Bayern nicht, fügt er hinzu. Rein theoretisch sei es aber möglich, dass eine Kommune den Weihnachtssonntag zu einem der vier verkaufsoffenen Sonntage erklärt. „Das könnte man mit dem Weihnachtsmarkt als Traditionsveranstaltung koppeln, wie das Gesetz es verlangt. Aber ich kenne keine einzige Gemeinde, die das getan hat.“

Ausnahmen von der Regel

Dennoch gibt es Ausnahmen von der Regel: Wer drei Stunden lang öffnen darf, das sind neben Weihnachtsbaumverkäufern die, die das immer dürfen – die Lebensmittler, die Bäcker, die Metzger. Die haben sonntags eine Ausnahmegenehmigung. Das Stimmungsbild ist hier im Landkreis Kelheim weitestgehend einheitlich. „Wir lassen zu“, sagt Metzger Otto Bachhuber aus Abensberg. „Unsere Angestellten sollen an Weihnachten Ruhe haben.“ In der Metzgerei Meier in Reißing sieht man es ähnlich: „Vor Weihnachten ist bei uns die Hölle los, da wird genug gearbeitet. Außerdem muss es mal drin sein, drei Tage zu überbrücken.“

Wir wollen Ihre Meinung wissen:

Auch Frank Kirschner vom Edeka in Neustadt lässt die Türen an Weihnachten geschlossen: „Das wäre doch Schwachsinn. Ich müsste sämtliche andere Waren außer Lebensmittel aus den Regalen nehmen oder diese mit Plane abkleben. Außerdem: Wenn es schon mal die Möglichkeit gibt, den Mitarbeitern im Einzelhandel ein langes Wochenende zu gönnen, dann möchte ich das auch tun.“ Zu bleiben auch die Pforten des Kelheimer Einkaufszentrums: „Ohne Ausnahme“, wie Center-Manager Rudi Studenik sagt. „Angestellte und Inhaber sollen nicht auch noch an Weihnachten arbeiten.“ Eine Öffnung überlegt hat Yillmaz Tezcanli vom Rewe-Markt in Kelheim, sich aber dagegen entschieden: „Wir haben an verkaufsoffenen Sonntagen vier Mal im Jahr geöffnet – das reicht. Wer öffnen darf und das auch will, der soll es machen. Es ist eine persönliche Entscheidung.“

Kommentar

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Die fiel so bei zwei Bäckern im Landkreis. Der Bärenbäck aus Saal hat alle seine Filialen – in Saal, Essing, Ihrlerstein, Langquaid und Hienheim – an Heiligabend geöffnet. „Und das gerne“, sagt Chefin Tanja Neumann. „Wir haben jeden Sonntag im Jahr geöffnet, da macht der Weihnachtssonntag für uns keinen Unterschied. Es geht dabei meistens sowieso nur um Vorbestellungen, nur der ein oder andere verläuft sich einfach so zu uns. Es ist nur ein halber Tag und beeinträchtigt Weihnachten nicht – das sehen auch unsere Mitarbeiter so.“ Die Mitarbeiter haben beim Bäcker Gabelsberger in Abensberg frei, nur die Familie steht an Weihnachten in der Backstube und im Abensberger Laden – alle anderen Filialen haben geschlossen. „Das hat sich so eingebürgert“, sagt Florian Gabelsberger. „Es ist ein gut besuchter, aber auch sehr stressiger Tag. Der Weihnachtsabend ist bei uns aber immer kurz – nach dem Abendessen geht es dann schnell ins Bett. Leider.“

Diesen Stress wünscht Dekan Monsignore Johannes Hofmann niemandem: „So eine Diskussion hätte es noch vor ein paar Jahren nicht gegeben. Natürlich ist es auf den ersten Blick praktisch, auch an Weihnachten einkaufen zu können, aber das ist nicht wirklich so: Im Gegenteil, es schafft Hektik –und die haben wir doch im Alltag schon mehr als genug. Außerdem gibt es an Weihnachten genügend Menschen, die in Pflegeberufen, im Krankenhaus oder bei Polizei und Feuerwehr arbeiten müssen. Da sollte doch eigentlich jeder, der die Möglichkeit hat, die Zeit nutzen, um runterzukommen – und das Weihnachtsfest in Ruhe und Besinnlichkeit feiern.“

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