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Freitag, 15. Dezember 2017 6

Historie

Auge in Auge mit der Siegesgöttin

Sanierung der Befreiungshalle dauert noch ein knappes Jahr, der Großteil der Arbeiten ist erledigt. Es geht schon um Details.
von Benjamin Neumaier

Sanierungsleiter Dr. Michael Pfanner inspiziert eine der 34 Victorien in der Befreiungshalle. Foto: Neumaier

Kelheim.Auge in Auge stehen sie sich gegenüber, mustern sich scheinbar gegenseitig, „beschnuppern“ sich. Ein kleines Tätscheln hier, ein beinahe zärtliches Streicheln über die Wange dort – und dennoch hat dieses so sanft wirkende Schauspiel etwas von David gegen Goliath. Denn auf der einen Seite steht auf einem Gerüst Dr. Michael Pfanner, Leiter das Sanierung der Befreiungshalle, auf der anderen Seite eine der 34 Victorien – und die Siegesgöttin misst mit ihren 3,30 Metern Körperhöhe wohl annähernd doppelt so viel, wie Pfanner.

Budget wurde 2016 erhöht

„Diese Standbilder sind von einer schier unglaublichen Präzision“, sagt Pfanner, während er die Statuen eingehend untersucht. Knapp ein Jahr vor dem avisierten Ende der Sanierungsarbeiten am Kelheimer Wahrzeichen widmet sich der gelernte Steinbildhauer, Restaurator und studierte Klassische Archäologe schon den Details „seiner Baustelle“. Besonders haben es ihm die Schilde, die die Siegesgöttinen halten, angetan. „Ich will herausfinden, ob die einst mit Blattgold überzogen waren. Wenn dem so war, dann werde ich mal beim Ministerium nachhaken, ob wir nicht noch ein bisschen Geld übrig haben, um das wieder so zu machen“, sagt Pfanner mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Dafür wäre dann wohl eine Budgeterhöhung nötig. Wie schon Mitte 2016, als die Mittel um 1,8 Millionen Euro aufgestockt wurden. Von 5,3 auf 7,14 Millionen Euro. Begründet wird die Preissteigerung mit gestiegenen Lohnkosten – 808 300 Euro –, baulich bedingte Ausführungsänderungen – 901 700 Euro – und gestiegenen Baunebenkosten – 130 000 Euro. Cordula Mauß, Pressesprecherin der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung geht nun aber davon aus, „dass die Kosten voraussichtlich im bereits bekannten Rahmen bleiben“.

Das wurde bisher gemacht

  • 2012:

    Durch eine neue Be- und Entlüftung des Dachraums, steuerbare Fensterlüftung und Korrosionsanstrich der Dachkonstruktion wurde in eineinhalb Jahren Bauzeit die Basis für eine langfristig schadenfreie Bausubstanz geschaffen. Baukosten: rund 2,2 Millionen Euro.

  • 2015:

    Im Mai 2015 lief die Sanierung der Befreiungshalle an. Als erstes stand die Reinigung der Fassade und Kolossalfiguren mit Wasser auf dem Plan, dann folgte Feinarbeit mit Bürsten, Mikrostrahlgeräten oder Heißdampf. Zuerst wurde die West, dann die Ostseite gereinigt.

  • 2016/17:

    Bereits Ende 2015 wurde neben Ausbesserungen an der Fassade mit Farben experimentiert. Das Aufbringen mittels Hand und Pinsel wurde dann, Achse für Achse, 2016 und 2017 umgesetzt. Im November 2016 war die Kelheim zugewandte fertig, erst kürzlich auch die zweite Hälfte.

  • 2016/17:

    2016/17 stand die Säuberung des Bodenbelags am Sockel sowie die Sanierung der Kolossalstatuen an. Die wurden wie andere Naturstein-Elemente mit schützendem Silikonharz eingestrichen. Bis Ende 2017 soll auch der obere Umgang saniert und wieder begehbar sein.

  • 2018:

    2018 wird noch der Sockel sowie die große Freitreppe saniert. „Es werden nur noch Natursteinarbeiten erledigt, die voraussichtlich im Herbst 2018 abgeschlossen sind“, sagte Cordula Mauß von der Bayerischen Schlösser und Seenverwaltung. Fotos: dpa/nb/hu

Und auch was den geplanten Fertigstellungstermin der 2012 mit der Rekonstruktion des Daches begonnenen Baumaßnahme angeht, ist sie guter Dinge: „Die Farbfassung ist fertiggestellt und nun werden noch Natursteinarbeiten erledigt, die voraussichtlich im Herbst 2018 abgeschlossen werden. Bislang sind wir also im Zeitplan und optimistisch, dass dies auch so bleibt.“

Damit war laut Dr. Pfanner nicht unbedingt zu rechnen: „Ich hätte nie erwartet, dass alles so problemlos abläuft. Alleine das ständige Auf- und Abbauen der Gerüste und die Fassadensanierung, war ein Mammutaufgabe, bei der mehrere Firmen Hand in Hand arbeiten und funktionieren mussten. Dass das so einwandfrei klappt, habe ich selten erlebt.“

Die Gerüste stehen jetzt nur noch im unteren Bereich. Die Fernwirkung der Befreiungshalle ist nicht mehr beeinträchtigt. Das freut vor allem Befreiungshallen-Verwalter Bertin Schels: „Wir hatten während der Eingerüstung einen massiven Einbruch an Gästezahlen. Wir liegen 2017 wohl bei rund 90 000 Besuchern. Hauptgrund war, dass die Leute die Halle komplett sehen wollen – viele sind wieder gegangen oder erst gar nicht gekommen.“ Normal seinen Besucherzahlen von gut 150 000 Menschen pro Jahr. „Die werden wir zwar 2018 noch nicht wieder ganz erreichen, aber ich erwarte einen massiven Anstieg“, sagt Schels. Der dürfte auch dadurch befeuert werden, dass der obere Rundgang bald wieder zugänglich ist.

Eine spezielle Unterkonstruktion

Das bestätigt Cordula Mauß: „Bereits Ende 2018 wird der obere Umgang wieder begehbar sein. Dann können unsere Besucher wieder die Aussicht genießen.“ Die wandeln dann auf vier Zentimeter starken, naturbelassenen Eichenbohlen, die die Firma „Denkmalbau Mühlhausen“ seit zwei Wochen auf einem speziell konstruierten Unterbau verlegt, um das Gefälle des Dachs auszugleichen. „30 Jahre sollen die schon halten“, sagt Vorarbeiter Tom Klopfer. „Eiche ist widerstandsfähig.“ Spätestens an Weihnachten wollen die Arbeiter fertig sein.

Der Rundgang der Befreiungshalle ist bald wieder begehbar. Foto: Neumaier

Bis Herbst 2018 stehen dann nur noch die Natursteinarbeiten an Sockel und Freitreppe an. „Dann können unsere Besucher die Befreiungshalle endlich wieder in voller Pracht bewundern“, freut sich Schels. Und wer weiß, vielleicht bekommen die Besucher dann auch vergoldete Schilde zu sehen.

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