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Mittwoch, 20. September 2017 17° 3

Gillamoos

Redewettstreit im Zeichen der Asyldebatte

Die Parteien lieferten sich auf dem Gillamoos den traditionellen Redewettstreit. An einem Thema kam diesmal keiner vorbei.

  • Markus Söder trat beim Politischen Gillamoos für die CSU ans Rednerpult. Foto: Pieknik
  • Wolfgang Kubicki sparte die bayerische Politik in seiner Rede aus. Foto: Pieknik

Abensberg.Angesicht der Ankunft von mehr als 20 000 Flüchtlingen alleine am Wochenende in München haben die Parteien beim Politischen Frühschoppen auf dem Gillamoos in Abensberg über die richtige Asylpolitik gestritten. Keiner der Spitzenvertreter der Parteien kam heuer an diesem Thema vorbei.

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) würdigte in seiner Rede in Abensberg die immense Hilfsbereitschaft für die in Deutschland ankommenden Flüchtlinge. Gleichzeitig betonte er, dass es so nicht weitergehen könne. „Hilfe ja, aber wir können nicht alle Probleme der Welt als Deutschland und Bayern lösen, das wäre dann auch zu viel“, sagte Söder am Montag. „Asylrecht heißt nicht dauerhaftes Einwanderungsrecht aus allen Teilen der Welt.“ Bei aller Hilfe für den Moment müsse auch darauf geachtet werden, das eigene Land und die Menschen hierzulande nicht zu überfordern.

Söder lobte in dem Zusammenhang die Koalitionsbeschlüsse zur Flüchtlingspolitik aus der vergangenen Nacht. Beispielsweise sei es richtig, auf das Taschengeld für Flüchtlinge zu verzichten und stattdessen auf Sachleistungen setzen zu wollen. Dagegen kritisierte Söder das Agieren der Europäischen Union: „Hätte man sich lieber um die Flüchtlinge gekümmert als um die Maut – das wäre besser gewesen.“

„Die Chancen erkennen“

Ralf Stegner (SPD) übte Kritik am Begriff des Asylmissbrauchs. Foto: Pieknik

Für die SPD trat der stellvertretende Bundesvorsitzende Ralf Stegner ans Rednerpult. Er übte Kritik an der CSU: „Auch die CSU spricht von Asylmissbrauch.“ Es dürften jedoch keine Argumente gesucht werden, damit Flüchtlinge zu Menschen zweiter Klasse werden. Eine Politik gegen die Menschen werde es mit der SPD nicht geben.

Stegner äußerte sich begeistert, dass die Menschen in München derzeit mit großer Mitmenschlichkeit und Gastfreundschaft auf die Tausenden Flüchtlinge am Hauptbahnhof reagieren. Deutschland brauche Zuwanderung für den eigenen Wohlstand, betonte Stegner. „Wir sollten nicht nur Angst schüren, sondern die Chancen erkennen.“ So solle auch für Menschen aus dem Balkan Zugang zum Arbeitsmarkt gesucht werden.

Der Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, ging in seiner Rede die bayerische Staatsregierung scharf an. Er warf der CSU in der Flüchtlingskrise politische Brandstiftung vor. Ob Asylpolitik oder Ausländermaut, Mittelstands- oder Handelspolitik: „Wir könnens besser“ lautete seine Botschaft, die im vollen Weißbierstadl mal mehr, mal weniger Beifall fand.

Rote Karte für Fremdenhass

Die langjährige Parteivorsitzende der Grünen, Claudia Roth, zeigte in Abensberg Fremdenhaß die Rote Karte. Roth forderte beim Politischen Frühschoppen gemeinsame Konzepte für eine europäische Einwanderungspolitik. Die 60-Jährige geißelte sowohl die CSU-Granden Seehofer und „Dr. A.D.“ Anderas Scheuer wie auch Ungarns Regierungschef Orban für deren Haltung gegenüber den Flüchtlingen.

Schon zum zweiten Mal präsentierten die Liberalen auf dem Politischen Gillamoos mit Wolfgang Kubicki ein echtes Nordlicht als Redner. Er wetterte gegen den Mindestlohn und aus seiner Sicht unsinnige Bürokratismen, kam außerdem auf die Themen Bildungspolitik und Griechenland zu sprechen. Die bayerische Politik sparte Kubicki zwar aus, Unterhaltungswert hatte die Rede trotzdem. „Ich bin stolz auf mein Land“, sagt der Liberale angesichts der großen Hilfsbereitschaft in Deutschland für die Flüchtlinge.

Einer stahl der Polit-Prominenz auch heuer wieder die Schau: Kabarettist Wolfgang Krebs war heuer zum neunten Mal als Edmund Stoiber auf dem Gillamoos – und brachte die Zuhörer mit seinen Gags wie immer zum Johlen.

Alles rund um den Gillamoos finden Sie in unserem MZ-Spezial.

Politischer Gillamoos 2015: Die besten Zitate
Trotz der Kälte ließen sich einige Gäste die Freude am Gillamoos auch am Montag nicht nehmen. Video: VPDO

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