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Montag, 18. Dezember 2017 3

Motorsport

Abensberg baut eigenes Speedway-Team auf

MSC startet mit jungen Piloten in den Bayerncup. Im Trainingslager in Italien durften Youngsters von Martin Smolinski lernen.
Von Alexander Reichmann und Martin Rutrecht

Auf die drei Maschinen, die Smolinski im Trainingslager in Italien dabei hatte, können die jungen Piloten nicht zurückgreifen. Aber zum Teil haben sie selbst schon zwei Untersätze. Fotos: Sybille Hack

Abensberg.Große Speedway-Rennen mit Stars aus der Weltspitze sehen Abensberg und Neustadt alljährlich. Mit eigenen Cracks ist es aber nicht weit her, bislang. Der MSC Abensberg stellt nun für die Saison 2017 ein junges Team auf, auch mit Lokalmatadoren. Die Truppe wird im Bayerncup, einer ADAC-Nachwuchsserie, antreten. In einem Trainingslager in der Partnerstadt Lonigo erhielten die jungen Fahrer schon mal den ersten Schliff.

„Eine eigene Mannschaft war schon immer ein Traum.“

Sascha Dörner

„Eine eigene Mannschaft im Verein zu haben, das war schon immer ein Traum“, sagt Sascha Dörner, Sport- und Rennleiter im MSC. Jetzt erfüllt sich dieser Traum. Abensbergs Rasselband tritt in fünf Stationen – unter anderem „dahoam“ und in Neustadt – gegen MSC Olching, AMC Haunstetten und AC Landshut an. Der Bayerncup ist eine Serie für bayerische Nachwuchspiloten (125 bis 500 ccm), initiiert vom Abensberger Wolfgang Glas und gefördert vom früh verstorbenen Max Salinger vom MSC Neustadt.

Schauer-Schwestern sind dabei – eine als Mechanikerin

Nach der vergangenen Saison hatte sich der MSC Pfaffenhofen aus der Serie zurückgezogen. Der 42-jährige Dörner, mittlerweile auch mit Aufgaben im DMSB (Deutscher Motorsportbund) und im ADAC mit dem Bayerncup („eine Herzensangelegenheit“) betraut, wollte die jungen Fahrer nicht auf dem Trockenen sitzen lassen. In Abstimmung mit der MSC-Vorstandschaft wurde beschlossen, ein Team an den Start zu schicken.

Mit Liegestützen wärmten sich die Fahrer im Camp fürs Training auf.

„Wir mussten für unsere Mannschaft keine Fahrer von anderen Vereinen abwerben“, betont er. Neben einigen Pfaffenhofener Piloten, die durch den Rückzug ihres Klubs frei sind, steigen Maxi Troidl, der schon länger Mitglied beim MSC Abensberg ist, und Lokalmatadorin Alexandra Schauer, die aus Olching zurück in ihre Heimatstadt wechselt, ein. Ihre Schwester Annalena hat mit Speedway aufgehört – „aber als Mechanikerin ist sie voller Elan dabei“, so Dörner. Als zweites Mädel tritt Sara Fischer an.

Als Teammanager und Betreuer wird der Abensberger Stefan Ertl fungieren. Derzeit ist er auf Sponsorensuche. „Man braucht solche Leute, die Lust haben, sich zu engagieren, nur dann kann man so etwas machen“, sagt Dörner.

Holländer reist mit ins Camp

Eingeschworen hat sich die Truppe bereits bei einem Trainingslager in Lonigo, der Abensberger Partnerstadt in Italien. „Wir waren jetzt zum vierten Mal dort, mit insgesamt 21 jungen Fahrern“, berichtet der MSC-Rennleiter. Sogar Anfragen aus den Niederlanden seien eingetroffen. „Wir mussten drei Leuten aus Holland absagen. Das Camp soll nicht ausufern, sonst stimmt die Qualität nicht mehr.“ Ein junger Niederländer durfte aber mit. „Man muss sich das vorstellen: Der Bursche fährt mit seinen Eltern unzählige Kilometer, um mit uns in Italien zu trainieren.“

Am letzten Tag in Lonigo schüttete es.

Schlappe 1200 Kilometer nahm der 13-jährige Tom Finger aus Bad Zwischenahn bei Oldenburg auf sich. „Er war zum dritten Mal dabei und gehört schon zur MSC-Familie.“ Der junge Mann soll daher auch im Bayerncup ab und an starten. Tom brauste mit Vater und eigenem Mechaniker nach Lonigo. „Teils haben die jungen Fahrer zwei Speedway-Maschinen an Bord. Die leben voll für dieses Hobby.“ Von 1500 bis 5000 Euro kann man für ein Motorrad ausgeben.

Die Anziehungskraft des Camps geht auch auf den Star der Veranstaltung zurück: Deutschlands bester Fahrer Martin Smolinski (selbst MSC-Mitglied) reist jedes Jahr mit in den Süden. „Er nutzt die drei Tage für sein eigenes Training. Aber in der Hauptsache ist er für unsere jungen Teilnehmer da, geht wie ein Kumpel auf die Kinder zu und macht jeden Quatsch mit.“ So pumpte „Smoli“ wie andere Teilnehmer Liegestützen, weil sie zu spät zur Theorieeinheit kamen.

Das große Vorbild für alle ist natürlich Martin Smolinski. Archivfoto: zfi

Für die Seminarblöcke am Vormittag ist die Speedway-Legende Georg Hack – der Landshuter fuhr 1982 das WM-Finale im Coliseum von Los Angeles mit – der profunde Mann. „Die Teilnehmer hängen an seinen Lippen“, so Dörner. Besonders groß werden die Ohren, wenn Hack (67) abends im Hotel seine Geschichten von früher auspackt: „Für sein Abschiedsrennen in Landshut wurde er von einem Hubschrauber an einem Seil ins Stadion runter gelassen.“ Hack und Smolinski „machen alles unentgeltlich, sonst könnten wir das Trainingslager nie so aufziehen“, ergänzt Dörner.

Die jungen Fahrer fallen ins Bett

In die perfekten Bedingungen fügen sich auch die Gastgeber mit ihrer Speedway-Bahn. „Wir fühlen uns wie in unserem Wohnzimmer. Wir kriegen vom Motorsportclub Lonigo die Schlüssel, dürfen den Presseraum für die Theorie nutzen und ab 14 Uhr stehen uns drei Mann als Bahndienst zur Verfügung, wenn es auf die Piste geht.“ Abends musste man die jungen Piloten – der Jüngste neun, der Älteste 18 Jahre – nicht ins Bett schicken, sie fielen selbst hinein. „Nach dem zweiten Tag wurden ihnen die Arme schon lang“, schmunzelt Dörner.

Mit diesem Team – links und rechts die Betreuer – startet der MSC Abensberg in den Bayerncup.

Die Erwachsenen hätten an der Hotelbar ein wenig länger über Speedway gefachsimpelt. Den ersten Heimtermin im Bayerncup hatte man mit dem 29. April in Neustadt schon im Blick. Und Sascha Dörner umriss seine Wünsche für die Zukunft: „Ein Podestplatz für unsere Truppe in dieser Saison wäre super – und als Idee schwebt mir ein Endlauf von Bayerncup und norddeutscher Serie vor.“

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