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Montag, 5. Dezember 2016 2

Vorzeige-Dame

Deutscher Judo-Star trainiert mit Mädels

Nationalkader-Athletin Viola Wächter, die in Abensberg groß wurde, leitet 50 Kinder mit Leidenschaft an – trotz Verletzung.
Von Wolfgang Abeltshauser

Die 29-jährige Viola Wächter sammelte schon einige Podestplätze bei großen Turnieren. Ihre Erfahrung gibt sie weiter. Fotos: Abeltshauser

Abensberg.Es ist kurz vor 9.30 Uhr in der Abensberger Judohalle. Es wuselt nur so auf der Matte. Auf der Tribüne sitzen erwartungsvolle Eltern, neben der Matte bespricht sich eine Gruppe Betreuer. So wie es eben oft ist bei den Judoka des zigmaligen deutschen Meisters und mehrmaligen Europapokalsiegers. Und doch ist etwas anders als sonst. Denn es tummeln sich nur 9- bis 14-jährige Mädchen in der Josef-Stanglmeier-Halle. Und am Mattenrand steht nicht irgendeine Trainerin. Es ist Viola Wächter – eine der besten Kämpferinnen aus Deutschland.

„Gerade bei den Mädchen brechen viele in diesem Alter ab“, berichtet die Sportlerin aus München. Das ist der Grund, warum der Deutsche Judobund eine Aktion für Mädchen ins Leben gerufen hat. „Ippon Girls“ heißt die, bekannte weibliche Judo-Gesichter sollen Mädchen und jungen Frauen den Spaß am Judo vermitteln. Motivation ist hier das große Stichwort.

„Die Aktion ist mir eine Herzensangelegenheit.“

Viola Wächter

In der ganzen Bundesrepublik gibt es Veranstaltungen. Dieses Wochenende ist die Judo-Hochburg Abensberg an der Reihe. Die Sache ist Wächter eine Herzensanliegen. Deshalb ist sie trotz Verletzung in die Stanglmeier-Halle gekommen. Ein Muskelbündelriss hindert sie derzeit daran, selbst auf der Matte aktiv zu werden.

Die rund 50 Mädchen aus ganz Bayern sind mittlerweile soweit. Alle stehen auf der Matte parat, ihnen gegenüber Viola Wächter und ihre Mitstreiter. Helene Weinmann vom Gastgeber ist dabei und die Bundesligakämpferin Heike Gewehr. Und weil Wächter wegen der Verletzung ihre Lieblingstechniken selbst nicht exakt vorführen kann, hat sie ihren früheren Trainer Franz Dausch und ihren Freund – einen portugiesischen Nationalkämpfer – auch noch mitgebracht.

Die Abensberger Judo-Halle gehörte diesmal den Mädchen.

Allerdings: Bevor es ans Judo geht, heißt es erst einmal aufwärmen. Hier müssen die Teilnehmerinnen aber nicht einfach minutenlang durch die Halle laufen und Dehnübungen machen. Nein – es geht eher lustig zu. Es gibt Fangspiele, Bockhüpfen und weitere Muntermacher, bei denen einfach alle in Bewegung sind.

Die Nervosität verfliegt rasch

Wächter, die trotz Verletzung guter Dinge ist, in einigen Monaten in Rio bei den Olympischen Spielen mit dabei zu sein, hat das vor Trainingsbeginn auch angekündigt. „Ich will einfach, dass sie Spaß haben.“ Das hat schon einmal funktioniert. Viel Lachen bestimmt die ersten Minuten.

Damit macht sie den kleinen Judokas das Leben auch einfach. „Ich habe gar nicht so gut schlafen können“, gibt beispielsweise die kleine Fiona Müller aus Freising zu. Und Iris Angermayer berichtet: „Ich war zuvor schon ein wenig nervös.“ Das ist aber nach wenigen Minuten weg. Viola Wächter hat den Draht zum Judo-Nachwuchs gefunden. Der ist aufmerksam. Es ist eben schon etwas besonderes, mit einer Nationalkämpferin auf der Matte zu stehen. Und Wächter weiß: Es hat sich rentiert, nach Abensberg gekommen zu sein. „Kolleginnen aus der Nationalmannschaft haben solche Lehrgänge schon mitgemacht.“ Und hätten ihr nur Positives berichtet.

Wächter weiß, wie wichtig in jungen Jahren Vorbilder und eben die Motivation sind. Eigene Erfolge und ein guter Trainer haben bei ihr dafür gesorgt, dass sich am Ball – beziehungsweise auf der Judomatte – geblieben ist. Sonst wäre vielleicht eine Turnerin oder Balletttänzerin aus ihr geworden.

Der Weg nach Rio

  • Ein Muskelbündelriss

    hat Viola Wächter auf ihrem Weg zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro etwas zurückgeworfen. Denn sie konnte beim Grand-Slam-Turnier in Paris nicht starten. Auch beim Grand-Prix in Düsseldorf musste sie noch zuschauen.

  • Viola Wächter

    ist trotzdem noch guter Dinge. Sie hofft, dass ihre direkten Kontrahenten nicht allzu weit wegmarschieren werden.

  • Rang 13 in der Olympia-Qualifikationsrangliste steht derzeit für sie zu Buche. Rang 14 würde zur Teilnahme noch reichen. Aber nur, wenn sie die beste Deutsche ist. Ihre nationale Konkurrentin Miryam Roper steht da nach ihren Worten derzeit auf Rang 16.

  • Ende Mai

    wird abgerechnet. Bis dahin hat Viola Wächter noch Zeit, Punkte zu sammeln, unter anderem bei den Europameisterschaften. (eab)

Das Aufwärmen ist vorbei, jetzt geht es an die Techniken. Selbstverständlich hat Viola Wächter ihren Schützlingen auf Zeit eine spezielle Technik mitgebracht – ihre Lieblingstechnik. Das ist der Uchi Mata. Franz Dausch hilft da mit, ihn genau vorzuführe. Es ist ein Wurf, bei dem der Gegner mit Einsatz des Beines auf die Matte geschleudert wird.

Jetzt sind die kleinen Kämpferinnen selbst an der Reihe. Sie machen gezielte Übungen für die Technik, trainieren den Wurf aber auch in Wettkampfsituationen. Mit wachem Auge geht Viola Wächter durch die Reihen. Es gibt Aufmunterung – aber auch Korrekturen bis ins Detail. Die Sportlerin geht in die Knie, greift sich die Beine der kleinen Kämpferinnen, um sie in die richtige Position zu bringen. „Du kannst mehr Kraft einsetzen, wenn der Fuß ganz auf der Matte steht“, gibt sie dem Nachwuchs mit auf den Judoweg.

Auf diese Weise vergehen die Trainingsstunden wie im Flug. Dazu dürfen sich die Teilnehmerinnen des Lehrgangs einen Film mit Kampfszenen von Viola Wächter ansehen. Und selbstverständlich bekommen sie Autogramme.

Frauen-Team muss sich erst finden

Das freut auch den heimischen Judo-Nachwuchs, der bei den Ippon-Girls in der Abensberger Halle mit dabei ist. Man hofft, dass die Zeit mit Viola Wächter die Mädchen motiviert hat, weiter mit dabei zu bleiben. Wobei die Nationalkämpferin einräumt, dass auch eine Judo-Hochburg wie Abensberg es durchaus schwer hat, eine Frauenmannschaft aufzubauen. Im nahen Großhadern gebe es eben den Bundesstützpunkt. Dort landen auf kurz oder lange viele bayerische Judotalente. Der dortige geballte Talentauftrieb helfe einfach, genügend Trainingspartner auf gleichem Niveau zu haben. Daran mangle es schlichtweg oftmals in den Heimatvereinen.

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