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Informativ

„Eigheirat“ ist mehr als Arbeitsteilung

Landfrauentag in Abensberg einmal etwas anders: Persönlichkeitstrainerin Elke Pelz-Thaller zog bei „Eigheirat“ alle Register.
Von Peter Hübl

Die These „Jeder Mensch lebt auf einer Insel“ wurde mit zwei Hula-Hoop-Reifen demonstriert, dass es nur Konflikte gebe, wenn man keine Schnittmenge herstellen könne. Foto: Hübl

Abensberg.Der Landfrauenchor unter der Leitung von Anita Schemm setzte mit „Zu guater Stund a Liadl“, „Wenn alle Brünnlein fließen“ und einem köstlichen „Instrumenten-Quodlibet“ einen fröhlichen Auftakt. Kreisbäuerin Erna Amann freute sich über den guten Besuch im Jungbräusaal und über die vielen Ehrengäste. Der Landfrauentag sei ein Höhepunkt der Jahresarbeit, fast ein „halber Urlaubstag“. Sie forderte die anwesenden Damen auf, diesen Tag zu genießen, zu lachen, sich zu entspannen, nachzudenken, sich auszutauschen und Impulse mitzunehmen.

Die Reihe der Grußworte eröffnete stellvertretende Landrätin Hannelore Langwieser. Sie stellte den Begriff „Heimat“ in den Mittelpunkt. Mit Gedanken zum Schmunzeln aber auch zum Nachdenken nahm sie Bezug auf das Thema des Nachmittags, erinnerte sich an ihre eigene Eheschließung vor über 40 Jahren, bei der „zamgheirat“ wurde, und schloss mit einem anrührenden Gedicht. Stellvertretende Bürgermeisterin Traudl Schretzlmeier freute sich über den guten Besuch der Traditionsveranstaltung, die schon seit vielen Jahren in Abensberg stattfindet.

Kampf gegen Preisverfall

Cäcilie Herrmann, die Leiterin der Abteilung Hauswirtschaft am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Abensberg, konnte erfreut feststellen, dass nach einer aufwendigen Generalsanierung die Abteilung Hauswirtschaft im November 2015 wieder ihre Räume in der Münchener Straße beziehen konnte.

BBV-Kreisobmann Thomas Obster bezeichnete 2015 als ein „schwieriges Jahr“. Wegen Unbilden der Witterung und Preisverfall hätten viele Betriebe zu kämpfen gehabt. Dazu kämen die Probleme mit der Tierhaltung und die meist unberechtigte und unsachliche Kritik in den Medien, vor allem im Fernsehen. Deshalb gelte es, am Image zu arbeiten und wirksame Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben.

Das nun folgende Soloprogramm von Elke Pelz-Thaller war ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus. Die Bäuerin aus Reichertshofen, die dort selbst vor 20 Jahren „eigheirat“ hat, sieht sich selbst als Mental- und Persönlichkeitstrainerin, Coach, Seminar-Kabarettistin, Optimistin, Ideengeberin und vor allem als Mensch. Mittlerweile ist sie besser bekannt als „Die Mentalbäuerin“ und lebt nach ihrer Aussage ein Leben zwischen Business und Bauernhof, High-Heels und Gummistiefel, Flipchart und Mistgabel, Sushi und Kesselfleisch, und fühlt sich in jedem dieser Lebensbereiche zu Hause. Wer sie an diesem Nachmittag erlebt hat, hat daran keine Zweifel.

Oft tüchtig „gestaubt“

In oft drastischer Ausdrucksweise beschrieb Elke Pelz-Thaller anhand ihrer eigenen Geschichte das „Einheiraten“ in ein geschlossenes System, das seit vielen Jahrzehnten bestehe, die Bemühungen darin „ein Platzerl zu ergattern“ und das beginnende „Rumoren“, wenn der Erfolg ausbleibe. Immerhin würde man an die 80 Prozent des Wertesystems von zuhause mitbringen, „wo ma rauskomma is“. Mit ihrem Bauer Paul und den Schwiegereltern habe es anfangs oft tüchtig „gestaubt“, in einer Umgebung, wo die Schwägerinnen „in Spuckweite“ wohnen und immer wieder „in Sorge um den kleinen Bruder“ reinkommen.

Dies sei wohl bei den meisten Familienbetrieben in Bayern so, in einer „Generationensache“ müssten sich aber nicht nur zwei, sondern alle verstehen. Wo viele zusammenlebten, werde es auch „menscheln“. Elke Pelz-Thaller verstand es, in ihrer Performance auch Damen und Herren aus dem Publikum mit einzubinden. Das erste „Opfer“ war BBV-Kreisobmann Thomas Obster. Die These „Jeder Mensch lebt auf einer Insel“ wurde mit zwei Hula-Hoop-Reifen demonstriert, dass es nur Konflikte gebe, wenn man keine Schnittmenge herstellen könne. Zudem komme es auf die Perspektive an, hierzu wurde Sparkassen-Gebietsdirektor Reinhard Handschuh auf die Bühne gebeten, wenn man nur in zwei verschiedene Richtungen schaue, könne man keine Übereinstimmung erzielen.

Brücken zwischen Inseln

Die in der Familie vorhandene Konfliktmasse raube 70 Prozent der ureigenen Kraft. Oft sei man am Ende, obwohl der Tag noch nicht vorbei sei, und man müsse trotzdem weitermachen, einfach funktionieren. Das schwäche letztendlich die ganze Familie, jeder leide. Deshalb gelte es, Brücken zwischen den Inseln zu bauen. Jede Aktion rufe eine Reaktion hervor, wer Anerkennung und Liebe ernten wolle, müsse zuerst Anerkennung zollen. „Der andere Mensch ist wie er ist, er muss sich wegen mir nicht ändern“, sagte Elke Pelz Thaller. Jeder habe seine Schattenseiten, wenn man nur das Schlechte sehen wolle, aber jeder habe auch seine Sonnenseiten, deshalb solle man sich auf die positiven Seiten des Menschen konzentrieren.

Mit einer Austragsbäuerin aus dem südlichen Landkreis, die sich ihre Familie zusammenstellen konnte, demonstrierte Elke Pelz-Thaller, dass man gemeinsam einen Hof bewegen könne, ohne dass irgendetwas in Unordnung gerate. War es allein unmöglich, so gelang es im „Familienverbund“ fast reibungslos. Die Familie wurde durch die Spargelbäuerin Sieglinde Handschuh als Tochter sowie Pfarrer Georg Birner als Schwiegersohn und Sparkassen-Vorstand Dieter Scholz als Ehemann ergänzt, was natürlich große Heiterkeit hervorrief. Viele weitere Tipps zum konfliktfreien Zusammenleben rundeten den spritzigen Vortrag ab. Wenn man nur einen kleinen Teil von dem beherzigt, was an Ratschlägen gegeben wurde, so könnte man schon auf der Gewinnerseite sein.

„Tag der offenen Tür“

  • Saniert:

    Die Abteilung Hauswirtschaft am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Abensberg, konnte nach einer aufwendigen Generalsanierung wieder ihre Räume in der Münchener Straße beziehen.

  • Geöffnet:

    Anlässlich des „Tages der Hauswirtschaft“ am 20. März werden deshalb die Pforten zu einem „Tag der offenen Tür“ in Abensberg geöffnet. Außerdem gibt es am 8. und 9. April Schnuppertage an der Abteilung. Dabei besteht für die Besucher die Möglichkeit, den Unterricht in Theorie und Praxis mit den derzeitigen Studierenden live zu erleben. (dph)

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