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Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Benefiz

Ein „Nica-Brot“ für den guten Zweck

Florian Gabelsberger bringt mittelamerikanisches Brot in den Landkreis Kelheim – und spendet den Erlös an „Nueva Nicaragua“.
von Benjamin Neumaier

  • Mit dem Nica-Brot will Gabelsberger die Bäckerei unterstützen, in der er ehrenamtlich arbeitet. Foto: Gabelsberger
  • Florian Gabelsberger (l.) mit Sepp Bergmann und frischen Brezen Foto: Gabelsberger
  • Brezendrehen sorgt bei nicaraguanischen Bäckern für Freude. Foto: Gabelsberger

Abensberg.Bäcker Florian Gabelsberger arbeitet ehrenamtlich drei Monate in Nicaragua: Dort ist er bereits im Urwald verschollen oder trifft zufällig Leute aus der Heimat – wie den ehemaligen Langquaider Bürgermeister Sepp Bergmann.

Zu dessen Abschied, Bergmann ist aktuell auf Heimatbesuch, lud er Gabelsberger zu sich zum Essen ein. Fisch stand dabei auf der Speisekarte. Als Gabelsberger, typisch deutsch, pünktlich um 11.30 Uhr vor Bergmanns Haus stand, war der gerade dabei, den Fisch zu marinieren. Bergmann bat den Gast in den Garten – wo noch weitere Gäste saßen – und nach kurzer Unterhaltung und Vorstellrunde, kam auch schon Sepps Frau mit dem gebratenem Fisch. „Nun wartete ich noch auf Reis und Bohnen, die hier sogar zu Spaghetti gereicht werden, doch stattdessen gab es Gurken und Kartoffelsalat. Da war ich baff und hab mir zweimal Nachschlag genommen“, sagt Gabelsberger.

Idee kommt nach dem Essen

Vom Essen beseelt erzählte Bergmann Geschichte um Geschichte und kam dabei auch auf seinen Verein „Nueva Nicaragua“ zu sprechen. „Als er erzählte, überlegte ich, wie ich Sepp unterstützen könnte“, sagt Gabelsberger. Die Idee kam ihm dann relativ schnell. „Wir verkaufen in Abensberg und in unseren anderen Läden im Landkreis und in Regensburg in der Fastenzeit ein Nica-Brot und geben die Hälfte des Umsatzes an den Verein von Sepp weiter.“ Und da Bergmanns nicaraguanische Frau Gabelsbergers Chefin in San Carlos ist, war auch der Verwendungszweck schnell gefunden: „Da die Bäckerei bald selbstständig arbeiten soll, wäre der Erlös der Aktion ein wunderbares Startkapital.“

Gesagt, getan. Gabelsberger passte das Vollkornbrotrezept der Bäckerei in San Carlos so an, dass es mit den deutschen Rohstoffen gelingt und schickte das Ganze per E-Mail an seinen Vater. „Der macht es von Aschermittwoch bis Karsamstag und die Hälfte des Umsatzes übergebe ich dann nach Ostern persönlich an Sepp Bergmann.

Auf dem Heimweg kam dem 31-Jährigen Bäckermeister dann noch die Idee, Sepp Bergmann ein Abschiedsgeschenk mit auf den Flug nach Deutschland zu geben. „Da Sepp mich schon öfter auf Brezen angesprochen hat, entschloss ich mich, ihm ein paar als Wegzehrung zu backen. Zurück in der Bäckerei habe ich mich auf die Suche nach der Lauge gemacht – und sie gefunden. Aber nur als Pellets, was ich bisher noch nie gesehen hatte.“

Brezen werden skeptisch beäugt

Am nächsten Morgen erkundigte sich der Abensberger deshalb bei seinen nicaraguanischen Kollegen, ob ein Vorgänger schon mal Lauge angesetzt habe. „Klar zwei Pellets auf einen Liter Wasser, sagten sie mir. Das kam mir zwar wenig vor, aber ich hielt mich daran.“ Die Lauge wurde angesetzt und in der Zwischenzeit die Brezen gedreht – „das hat natürlich für große Augen gesorgt und für jede Menge Spaß bei meinen Kollegen, als sie es nachmachen wollten“.

Dann war es soweit: Zur Probe legte Gabelsberger aber nur eine aufs Blech – und die Enttäuschung war groß als sie weiß wieder aus dem Ofen kam. „Auf Nachfrage bei meinen Kollegen, ob es sicher zwei Pellets waren, waren sich die nicht mehr ganz sicher. Da sich gar nichts an der Farbe geändert hatte, habe ich heimlich die Menge auf 20 erhöht – und auch dabei hat sich nichts getan“, sagt Gabelsberger. Also kurzerhand auf 40 aufgestockt „und siehe da, die dritte Breze wurde wunderschön braun. Als ich die Menge meinen Kollegen mitteilte, haben sie gesagt, das man das bestimmt nicht mehr essen kann und wir das nicht verkaufen sollten. Ich habe ihnen versprochen die erste Breze zu essen und wenn es mir noch gut geht, dann wird es auch den Einwohnern in San Carlos noch gut gehen“. Nun musste sich Gabelsberger beeilen, denn bis zum Abschied von Bergmann war nicht mehr viel Zeit. Schnell zwei Bleche Brezen gebacken „und schon stand Sepp da und wünschte mir einen guten Morgen. Ich bat Ihn rein und als er die Brezen sah, leuchteten seine Augen“. Die leuchteten auch nach den ersten Bissen noch und Bergmann kaufte sechs Brezen für die Reise – die aber das Frühstück nicht überlebten.

„Als meine Kollegen das sahen waren sie zwar immer noch skeptisch, aber ich durfte die Brezen verkaufen –und nach einer Stunde waren alle weg. Seit dem backen wir am Freitag und Dienstag immer Brezen. Und die gehen weg wie warme Semmeln. Mittlerweile laugt und bäckt sie jetzt schon der Bäcker der am skeptischsten war – und sobald die Erste fertig ist, wird die gleich zu seinem Frühstück.“

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