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Freitag, 24. November 2017 13° 2

Karten

Eine äußerst reizende Gesellschaft

Der Skatclub „Babo 2004“ trifft sich jeden Donnerstag. Es ist ein kleiner Kreis mit einer großen gemeinsamen Liebe.
Von Johannes Heil

Abensberg.Ein Stuhl steht vor dem Eingang zur Gaststube des Hammermeier-Wirts in Sandharlanden, darauf liegt demonstrativ quer zur Tür ein Werbeaufsteller. Hat sich jemand verschanzt an diesem Donnerstagabend, oder heckt gar jemand einen konspirativen Plan aus? Nein, hinter der behelfsmäßigen Blockade wird vielmehr gereizt, gerechnet und gepasst. Denn jeden Donnerstag ist der Hammermeier das Hoheitsgebiet des Skatclubs Babo 2004. Nicht nur aus Abensberg kommen die Spieler: Aus Kelheim sind regelmäßig vier bis fünf Kollegen da, und eine andere Gruppe aus dem oberbayerischen Schrobenhausen lässt es sich nicht nehmen, regelmäßig anzureisen. Insgesamt 22 Spieler sind an diesem Abend da.

Es empfängt: Vorsitzende Christa Eigl. Doch die treibende Kraft des Vereins ist eine andere: „Ich mache eigentlich nur die Begrüßung, alles andere macht der Gerhard“, sagt sie mit einer hörbaren Portion Demut in der Stimme.

Der Spiritus Rector des Skat

Gerhard Neiderer ist der Vize-Vorsitzende des Vereins. Foto: Heil

Mit Gerhard meint sie Gerhard Neiderer, den Vize-Vorsitzenden des Vereins. Doch dieser Titel führt in die Irre. Denn Neiderer ist für den Verein viel mehr. Er ist so etwas wie der Abensberger Spiritus Rector in Sachen Skat. Durch ihn ist selbst die Vorsitzende Christa Eigl erst zum Skat gekommen. Durch einen von Neiderers Kursen in Abensberg wurde sie auf die Kartlerei aufmerksam und ist seither dabei geblieben.

Diese Geschichte verdeutlicht Neiderers Stellung. Er ist ein Missionar in Sachen Skat – geht in Schulen, gibt Kurse an der VHS und lässt nichts unversucht, dem hierzulande doch eher im Abseits stehenden Kartenspiel zu größerer Bekanntheit zu verhelfen. Wenn er über Skat spricht, dann leuchten seine Augen, wie bei einem kleinen Kind, das über seine Weihnachtsgeschenke spricht. „Wir sind für unsere Jugendarbeit auch schon ausgezeichnet worden“, sagt Neiderer stolz und verweist auf eine Urkunde an der Wand der Wirtsstube. Doch wenn man sich an jenem Donnerstagabend umblickt, dann wird schnell eines klar: So richtig große Anziehungskraft übt das Spiel wohl nicht aus auf die Jugend, die jüngsten Teilnehmer sind schon weit jenseits der 40.

Jeden Donnerstag ist Skat-Zeit in Sandharlanden. Jede Woche werden zwei Serien zu je 40 Spielen gespielt. Die erste Serie startet um 19 Uhr, die zweite Serie beginnt um circa 20.30 Uhr. Foto: Heil

Als dann drei Teenager den Raum durch den Hintereingang betreten, schenken sie den Kartenspielern keinerlei Beachtung. Ihr Gespräch dreht sich um die Gestaltung des bevorstehenden Freitagabends. Sie bestellen sich noch eine Wurstsemmel, starren in ihre Smartphones und gehen wieder. Der dritte im Vorstandsbunde des Vereins ist Rolf Hennig. Er schätzt die Lage wesentlich nüchterner ein. „Die jungen Leute sind sehr schwer für Skat zu begeistern“, sagt er. Das Spiel zu lernen brauche viel Zeit und es fehle oft die Ausdauer, dran zu bleiben.

Viele verschiedene Dialekte

Mit dem Gasthaus Hammermeier pflegt der Klub eine „enge Zusammenarbeit“, wie Neiderer sagt. Der Wirt sperrt für den Skat-Abend sogar die Wirtsstube ab – zur Not auch mit Stuhl und Werbeaufsteller. Foto: Heil

An jenem Abend sind viele verschiedene Dialekte zu hören. Neben dem niederbayerischen Zungenschlag ist es vor allem das Hessische, das an mehreren Tischen deutlich zu vernehmen ist. Auch Neiderers Liebe zum Skat wurzelt in Hessen. Er war einst bei der Bundeswehr in Frankfurt am Main und Wetzlar stationiert und kam dort zu dem Spiel, das er heute so innig liebt und leidenschaftlich anpreist.

Leicht sei das Spiel aber keineswegs. „Beim Skat muss man viel rechnen“, sagt Neiderer. „Darum ist das Spiel so interessant.“ Das gehe schon beim Reizen los. Dort wird eine Partie höchstbietend versteigert. Während des Spiels gilt es, den Überblick über die Augen – also die zu verteilenden Punkte – zu behalten. Wie beim Schafkopf reichen 61 Augen zum Sieg. Nach dem Spiel muss das Ergebnis in eine Liste eingetragen werden. Viel Mathematik für ein einziges Kartenspiel. Neben der Fähigkeit, den Rechenschieber zu bedienen, ist eine andere Komponente von Bedeutung: das Glück.

Kaminkehrer sollen ja ebensolches bringen, sagt der Volksmund. Ob dieser Zunft beim Kartenspiel das Glück aber auch übermäßig beschieden ist, steht auf einem anderen Blatt. Frank Gontrum war einst Kelheims Kaminkehrer, nun hat es ihn beruflich nach Nürnberg verschlagen. Ein bisschen scheint er auf den Aberglauben zu vertrauen. „Ich spiele mehr aus dem Bauch heraus“, sagt er. „Andere zählen penibel jede Karte mit und gehen mathematisch an die Sache heran.“

Die Spieler sind nicht nur aus Abensberg selbst. Aus Kelheim sind immer Skat-Freunde am Start, auch eine Gruppe aus dem oberbayerischen Schrobenhausen. Frank Gontrum (Mitte) ist aus Nürnberg gekommen. Foto: Heil

Auch wenn Gontrum mittlerweile nicht mehr in der Region wohnt: Wenn er in der Nähe ist, dann lässt er es sich nicht nehmen, beim Hammermeier-Wirt auf eine Partie Skat vorbeizuschauen. „Es macht einfach Spaß hier“, sagt er. „Die Leute sind entspannt und man hat einfach einen schönen Abend.“ Wenn man sich an diesem Abend umblickt, hat man den Eindruck, dass Gontrum nicht der einzige ist, der so empfindet. Auch wenn es offiziell um den Titel des „Abensberger Stadtmeisters“ geht, der an den Skat-Abenden ermittelt wird, so geht es doch sehr unverkrampft zu.

Auch, weil die Gruppe ein kleiner, homogener Kreis ist, verglichen mit den Abertausenden an Schafkopfern, die in Bayern zuhauf die Wirtschaften bevölkern. Beim Kampf um Wenz, Solo und Sauspiel kann es schon mal lauter werden – und bisweilen auch derb. Ein Schimpfen über einen Mitspieler oder gar ein Fluchen hingegen ist beim Skat kaum zu vernehmen. Konzentration und Respekt vor dem Gegner, das sind die obersten Gebote.

Auch am nächsten Donnerstag, wenn sie sich wieder treffen beim Hammermeier in Sandharlanden.

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