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Montag, 24. April 2017 16° 2

Barrierefreiheit

Erste „inklusive Woche“ in Abensberg

Behindertenbeauftragte Huber-Schallner und Dr. Hammerl holen Ausstellung „Barrierefreie Gemeinde“. Das ist noch nicht alles
Von Walter Dennstedt

  • Ein bewegender Aufruf eines Rollstuhlfahrers in Dresden könnte das Thema auch in Abensberg sein, wobei Baubehörde und VdK die Stadt bereits als auf einem sehr guten Weg sehen. Foto: Arno Burgi, dpa
  • Rollstuhlparcours: Hier kann jeder Mensch mit zwei gesunden Beinen selber die Erfahrung sammeln, wie es ist, im Rollstuhl zu sitzen, und welche Mini-Schwellen bereits sich zum unüberwindbaren Hindernis auswachsen können. Der Inklusionsparcours ist sowohl am Eröffnungstag als auch an den Samstagen 29. April und 6. Mai erlebbar.
  • Film: Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann sind die Hauptdarsteller in „Mein Blind Date mit dem Leben“. Zur Vorführung am Mittwoch, 3 Mai, um 19 .30 Uhr im Roxy-Kino, ist der Bezirksverband Niederbayern/Oberpfalz des Blinden- und Sehbehindertenbunds dabei. Nach dem Film gibt es unter Moderation von Niklas Neumeyer eine Diskussion.
  • App: Zum Film wird zudem eine App vorgestellt, die mithilfe des Smartphones ermöglicht, Menschen mit Hör- oder Sehbehinderung am Kinoerlebnis teilhaben zu lassen. Huber-Schallner hat die App „Greta und Starks“ bereits auf ihr Smartphone heruntergeladene und ausprobiert. Sie findet sie „ganz große Klasse“.
  • Individuell: Um Barrierefreiheit zu erreichen, müsse man manchmal einfach „findig und kreativ sein“, sagt Architektin Christine Harnest. Die Anforderungen seien zu unterschiedlich, als dass man sie in ein festes Schema pressen könne. Der eine brauche Unterfahrmöglichkeiten für Rollstühle, der andere ein möglich individuelles Bad.
  • Höreinschränkung: Eine Abensberger Hörakustiker-Firma hat Huber-Schallner zugesagt, Vorführungen anzubieten, die zeigen, wie es ist, wenn Menschen eingeschränkt in ihrem Hörvermögen sind. Per Laptop und Kopfhörer kann so jeder die Erfahrung sammeln, was es bedeutet, schlecht oder eingeschränkt zu hören.
  • Unterstützung: Nicht nur für öffentliche Bauten wie den Herzogskasten gibt es Zuschüsse für Barrierefreiheit, sondern auch für Private bei einem notwendigen Umbau nach Eintritt einer Behinderung. Hier gibt es speziell geschulte Berater unter der Architektenschaft, die planen und unterstützen, was m Privaten möglich ist und sich bewährt hat.

Abensberg. Wenn man Marion Huber-Schallner, Stadträtin und zudem Behindertenbeauftragte der Stadt nach ihrer Einschätzung fragt, wie behindertengerecht Abensberg ist, weicht sie aus. Was ist schon behindertengerecht? Man kann ja Behinderte nicht alle über einen Kamm scheren, zu groß ist die Bandbreite möglicher Einschränkungen. Ein weites Feld, das zu beackern sich Huber-Schallner vorgenommen hat, und das will sie ab Dienstag öffentlichkeitswirksam in einer gut zweiwöchigen Ausstellung im Einkaufszentrum Abensberg angehen.

Einladen zum Erfahren

Dazu hat sie eine Programmwoche mit den vielsagenden Titel „Abensberg: alles inklusiv“ organisiert, die am Dienstag, 25. April, eröffnet wird und eine Reihe von Gelegenheiten bietet, dass Menschen ohne Behinderung auf die Situation von Menschen mit Behinderung aufmerksam werden und sich vorstellen können, was es heißt, mit bestimmten Einschränkungen durchs Leben zu gehen.

Zur Eröffnung hat Huber-Schallner Bürgermeister Dr. Uwe Brandl und Landrat Martin Neumeyer gewonnen. Am Dienstag wird um 11 Uhr der Startschuss gegeben für eine ganze Veranstaltungsreihe. Auslöser der Woche „Abensberg: alles inklusiv“ ist Dr. Tobias Hammerl. Der Kulturamts- und Museumsleiter hat die Ausstellung „Die Barrierefreie Gemeinde“ nach Abensberg geholt und Huber-Schallner war nach eigenem Bekunden sofort Feuer und Flamme dafür, die Ausstellung mit weiteren lokalen Informationen anzureichern. So hat sie im Einkaufszentrum einen Inklusionsparcours organisiert. Zudem wird im Roxy-Kino wird der Film „Mein Blind Date mit dem Leben“ gezeigt. Es geht darum, übrigens nach einer realen Vorlage, dass ein junger Mann in einem Luxus-Hotel seinen Traumjob findet. Er verschweigt dabei aber, dass er fast blind ist. Am 2. Mai, ist Christine Harnest als Referentin gefragt. Die Abensberger Architektin, die außer dem öffentlichen Bau des Aventinums barrierefrei schon einige Büros und private Bauvorhaben geplant und verwirklicht hat, spricht über ihre Erkenntnisse. Dabei ist Harnest nicht nur erfahren im Bauen, sondern sie betreut selber eine behinderte Schwester und kennt die Situation deshalb bestens. Dabei ist ihre Kernbotschaft, dass Menschen mit Behinderungen nicht ausgegrenzt werden dürften, dass man ihnen wie einem Menschen ohne Behinderung begegnen müsse. Den Vortrag Harnests ergänzt Josef Spritzendorfer als Baustoffexperte. Er wird unter anderem auf die Themen Schadstoffe in Baustoffen und Gebäuden und „Barrierefreies Bauen für Allergiker und Umwelterkrankte eingehen.

Eine Wanderausstellung der Obersten Baubehörde, die die gesamte Zeit im Einkaufszentrum zu sehen sein wird, hat sich zum Ziel gesetzt, Barrierefreiheit in der Öffentlichkeit darzustellen und dafür zu sensibilisieren. Der Ausgangspunkt: „Barrierefreiheit geht uns schließlich alle an, da jeder von Beeinträchtigungen betroffen sein kann“. Deshalb berücksichtige man bei Baumaßnahmen die Belange dieser Personengruppe. Aber nicht nur für diese sei Barrierefreiheit wichtig, sondern auch für Menschen im Alter oder sogar junge Eltern, die mit Kinderwagen manchmal Probleme haben, dorthin zu kommen, wo sie hinwollen. Die Ausstellung solle die Erkenntnisse der Obersten Baubehörde zusammenfassen und Städte und Gemeinden Hilfestellung bei Bauvorhaben geben und sie anzuspornen, barrierefrei zu bauen. Zudem richte sich die Ausstellung auch an private Bauherrn, die zunehmend, so bestätige Innenarchitektin Harnest, vor allem bei Bädern schon in jungen Jahren an mögliche körperliche Beeinträchtigungen im Alter denken und dementsprechend planen.

Schloss- und Stadtführung

Nicht barrierefrei aber trotzdem Ort einer Veranstaltung ist das Schloss in Offenstetten. Zu einer Führung lädt Dr. Bernhard Resch am 4. Mai um 16 Uhr ein. Er gibt dabei Einblick in das gänzlich barrierefreie Cabrinizentrum und dessen Arbeit. Tags darauf, am 5. Mai bietet Karl-Heinz Hauser eine „barrierefreie Stadtführung“ unter dem Titel „Auf den Spuren der Babonen“ an. Hierfür stehen Rollstühle zur Verfügung. Abgeschlossen wird die Führung mit dem Film „Entrümpeltes Mittelalter – Barrierefreiheit in Abensberg“, den der VdK im vergangenen Jahr drehte und den VdK-Ortsvorsitzender Kurt Weingartner zeigen wird.

Den Abschluss des Veranstaltungsreigens macht dann am 6. Mai im Einkaufszentrum der „Perspektiven-Wechsel“ im Inklusions-Parcours. Erneut können an diesem Tag Interessierte Rollstühle und Blindenstöcke ausprobieren oder einen Sinnesparcours durchlaufen, in dem zum Beispiel demonstriert wird, welche Auswirkungen Nervenschädigungen durch Diabetes beim Greifen haben.

Wiederholung ist sicher

Huber-Schallner ist optimistisch, mit der zweieinhalbwöchigen Veranstaltung den Ruf der Stadt Abensberg als barrierefreie Vorzeigestadt weiter zu untermauern. Aber sie weiß aus eigener Erfahrung, dass nur steter Tropfen den Stein höhlt und deshalb sagt sie bereits im Vorfeld, dass die „inklusiv Woche“ keine Eintagsfliege bleiben werde.

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