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Flüchtlingshilfe

Hoch emotionaler Trip auf den Balkan

Die „Grenzlichter“ Kostic aus Abensberg kehrten „unverrichteter Dinge“ aus Südosteuropa zurück. Doch sie machen weiter.
Von Beate Weigert

  • Natascha und Lubo Kostic (re.) mit Helfer der Refugees Foundation aus Köln in Zagreb. Foto: Kostic
  • Mit Flüchtlingen direkt in Kontakt kamen die Kostics weder in Zagreb noch in Slowenien. Die Polizei riegelte die Areale vollständig ab, berichten Natascha und Lubo Kostic. Foto: Antonio Bat/epa

Abensberg.Die beiden Macher der privaten Hilfsaktion „Grenzlichter“ für Flüchtlinge sind mit gemischten Gefühlen zurück von ihrem Trip nach Südosteuropa. Natascha und Lubo Kostic aus Abensberg gehören nicht zu denen, die die Flüchtlingskrise nur von der Ferne kennen. Natascha engagiert sich auch vor Ort beim Abensberger Helferkreis. Sie kümmert sich um syrische Frauen. Vor kurzem brach das Ehepaar zu einer spontan auf die Beine gestellten Hilfsfahrt an die „Balkanroute“ auf. Dort spontan zu helfen, ist gar nicht so einfach. Das ist eine Erkenntnis von dem Wochenende, das die 28-Jährige und ihr 30-jähriger Mann hinter sich haben.

Nach Serbien kamen sie nicht

Zum Glück hatten sie sich vorab im Internet ein wenig schlau gemacht. Denn ursprünglich wollten sie nach Serbien fahren. Doch es stellte sich heraus, dass in dem Nicht-EU-Land, die Einfuhrbestimmungen viel strenger sind als erwartet. Man darf dort keine gebrauchten Waren, die nicht vollständig chemisch gereinigt und entsprechend zertifiziert sind, einführen, berichtet Lubo Kostic.

So steuerte das Paar zunächst die kroatische Hauptstadt Zagreb an. Dort luden sie an einem zentralen Hilfsgüter-Verteilungslager den von Lubos Firma zur Verfügung gestellten Bus aus. Er war bis unter die Decke mit Schuhen, Kleidung oder Windeln bepackt.

Vollgepfropft mit Spenden war der Kleinbus mit dem das Ehepaar Kostic in Richtung Südeuropa fuhr. Vom Kinderwagen bis zum Unterhemd oder Schuhen hatten sie vieles geladen. Foto: Kostic

Mehr – also einfach ankommen und bei weiteren Tätigkeiten mitanpacken, ging nicht. In Zagreb etwa dar nur helfen, wer bei einer dortigen Hilfsorganisation registriert und zuvor von dieser durchleuchtet worden ist. Dann kann man sich in Schichten einteilen lassen. „Das war erst einmal sehr deprimierend“, gesteht Natascha Kostic. Flüchtlinge aus der Nähe bekamen die Abensberger nicht zu sehen. Auch nicht als sie spontan zum Bahnhof ins slowenische Dobova düsten, um angeforderte Schuhe, Handschuhe etc. abzuliefern. Andere Helfer hatten berichtet, wie die Menschen dort ankommen. Teils ohne oder nur mit kaputtem Schuhwerk. Solange Flüchtlinge am Bahnsteig ankamen und per Bus weitertransportiert wurden, riegelten Polizisten mit Mundschutz und in voller Montur das Gelände ab. Die Kostic’ durfen sich nicht nähern.

Nur ein unscharfes Handyfoto von einem slowenischen Bahnsteig. Mehr bekamen die Kostic’ nicht zu sehen. Polizisten in voller Montur sicherten das Areal ab. Erst als alle Flüchtlinge weggebracht waren, durften sie aussteigen. Foto: Kostic

„Es ist ein schreckliches Gefühl, zu sehen, dass Helfer gebraucht werden, aber nicht mithelfen zu dürfen“, sagt Natascha Kostic. Dass ihnen ihre spontane Aktion so schwer gemacht werden würde, damit hatten die beiden nicht gerechnet. Als sie da in der eiskalten Nacht standen bzw. im Bus saßen, sei das eine sehr emotionale Situation für sie gewesen.

Es ist reiner Zufall wo du geboren wirst!Wir alle könnten es sein die aus einem Land fliehen müssen!!

Posted by Grenzlichter on Montag, 30. November 2015

Doch es gab auch schöne Momente. So knüpften sie neue Kontakte, etwa zu Helfern der Kölner Organisation „Refugees Foundation“ oder zur Hilfsorganisation „Are you Syrious?“. Diese wollen sie künftig unterstützen. „Zumal von Anfang an die Chemie unter uns stimmte“, sagt Lubo Kostic. Für ihn und seine Frau steht fest, dass es nicht bei der ursprünglich einmalig geplanten Aktion bleiben wird. „Wenn man sieht, dass noch Leute gebraucht werden und die Hilfe direkt dort, wo sie nötig ist, ankommt.“

Mitglieder der Refugees Foundation aus Köln kam den Abensbergern zu Hilfe. Als spontan Rucksäcke gebraucht wurden, kauften die Kölner stellvertretend für das Ehepaar Kostic 50 Stück von den hiesigen Spenden. Foto: Kostic

Lubo Kostic sagt, dass er sich vorab gar nicht habe vorstellen können, wie die Hilfe vor Ort ablaufen würde. Umso mehr sei er aber von der Dynamik überwältigt gewesen. Wie alles funktioniere. „Wie in einem Betrieb und das alles auf freiwilliger Basis.“ Ohne die vielen Ehrenamtlichen würde sehr vieles anders laufen.

Ansporn für weitere Fahrten nach Südost-Europa seien aber auch Erlebnisse, die Natascha Kostic mit syrischen Frauen in Abensberg hat. Einmal brachte sie eine Frau mit ihrem Kind zum Kindergarten. Auf einmal flog ein Düsenjet über sie hinweg. „Während wir uns nichts dabei denken und meine Kinder das sogar ,cool’ finden, bekam die Frau eine Panikattacke, Tränen schossen ihr in die Augen, weil ein schlimmes Erlebnis wieder hochkam.“

Spontan einfach anpacken, das ging nicht. Nur wer bei einer Hilfsorganisation wie „Are you Syrious?“ registriert und durchleuchtet ist, darf vor Ort, etwa im kroatischen Zagreb, mithelfen. Foto: Marijan Murat/dpa

„Es ist Zufall, wo man geboren wird“

Solche Momente führten ihr immer wieder vor Augen, dass es reiner Zufall sei, wohin man geboren wird. Ob man ein gutes, sicheres Leben führen dürfe und vor Bomben und Terror fliehen müsse. Dies ist eine weitere Erkenntnis, die Natascha und Lubo Kostic bei ihrem Hilfs-Einsatz bewusst geworden ist. Deshalb werden sie wieder aufbrechen. Das nächste Mal nachdem sie sich sieben bis zehn Tage vorher registrieren haben lassen.

Erfahrungen und Eindrücke

  • Vollgepfropft mit Spenden war der Kleinbus

    mit dem das Ehepaar Kostic in Richtung Südeuropa fuhr. Vom Kinderwagen bis zum Unterhemd oder Schuhen hatten sie vieles geladen.

  • Nur ein unscharfes Handyfoto

    von einem slowenischen Bahnsteig. Mehr bekamen die Kostic’ nicht zu sehen. Polizisten in voller Montur sicherten das Areal ab. Erst als alle Flüchtlinge weggebracht waren, durften sie aussteigen.

  • Spontan einfach anpacken,

    das ging nicht. Nur wer bei einer Hilfsorganisation wie „Are you Syrious?“ registriert und durchleuchtet ist, darf vor Ort, etwa im kroatischen Zagreb, mithelfen.

  • Mitglieder der Refugees Foundation

    aus Köln kam den Abensbergern zu Hilfe. Als spontan Rucksäcke gebraucht wurden, kauften die Kölner stellvertretend für das Ehepaar Kostic 50 Stück von den hiesigen Spenden. (re)

Neuigkeiten zu den Aktionen der Kostic’ gibt es auf der Facebook-Seite von „Grenzlichter“.

Als Nächstes soll es eine Losaktion zugunsten der Flüchtlingshilfe geben. Zusammen mit syrischen Flüchtlingen und dem Helferkreis aus Abensberg soll es am Donnerstag, 10. Dezember, eine Aktion in einer der Buden am Stadtplatz geben. Dabei können Interessierte auch kleine Köstlichkeiten probieren. Alle Einnahmen sollen der nächsten Fahrt zugute kommen. Via Facebook soll die Losaktion bis Januar laufen.

Die Abensberger wollen zu weiteren Hilfstouren aufbrechen. Ein konkreter Termin steht aber noch nicht fest. Außerdem wird ein Lager für weitere Spendenaktionen gesucht. Wer helfen kann, soll sich via Facebook melden.

TVA berichtet in diesem Video von den Vorbereitungen der Kostic’

Abensberg: Hilfe für Flüchtlinge

Natascha und Lubo Kostic aus Abensberg wollen Flüchtlingen helfen, die an den Grenzen im Balkan festsitzen. Am 27.11 starten sie in Richtung Serbien. Wir haben sie gefragt: Warum zeigt man so viel Einsatz? In unserem Landkreisfenster Kelheim erzählen wir ihre Geschichte.# Grenzlichter # Abensberg

Posted by tvaktuell on Donnerstag, 19. November 2015

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