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Dienstag, 21. November 2017 7

Judo

Verletzung stoppt Sebi Seidls Comeback

Riss des Syndesmosebandes wirft den Judo-Olympioniken zurück. WM-Start ist nicht in Gefahr – „aber ich muss mich zeigen“.
Von Martin Rutrecht

Die Rückkehr von Sebastian Seidl auf die Judo-Matte verschiebt sich. Foto: dpa-Archiv

Abensberg.Im Leistungssport ist nichts planbar. „Das habe ich selbst schon immer gesagt, nur leider erfahre ich es gerade am eigenen Leib“, sagt der Judoka Sebastian Seidl vom TSV Abensberg. Der 26-jährige Pförringer, der im Vorjahr bei den Olympischen in Rio antrat und 2015 zu Ostbayerns „Sportler des Jahres“ gekürt wurde, hat auf seinem Weg zum Comeback – seit den Spielen pausierte er wegen seiner nun abgeschlossenen Polizei-Ausbildung – einen Rückschlag erlitten. „Das vordere Syndesmoseband im rechten Fuß ist gerissen. Es wird sechs bis acht Wochen dauern, bis ich wieder auf der Matte stehen kann.“

„Das Schlimmste ist die Hilflosigkeit. Ohne meine lieben Mitbewohner wäre ich aufgeschmissen.“

Sebastian Seidl

Das Abensberger 66 kg-Aushängeschild sieht den möglichen WM-Start Ende August nicht gefährdet. „Ich hatte noch Glück im Unglück, dass es nicht später passiert ist. Sonst hätte ich diese Pläne begraben müssen“, sagt Seidl zu unserem Medienhaus, und eine derartige Verletzung sei immerhin kein Kreuzbandriss, sucht er das Positive im Malheur, das ihm nach dem Grand Prix in Düsseldorf beim anschließenden internationalen Trainingslager widerfuhr.

Gerade jetzt steht ein Umzug an

Auf den Grand-Prix-Start hatte Seidl noch verzichtet, doch das Randori mit Spitzenjudoka wollte der Polizeimeister für den Formaufbau nutzen. „Bei einem Trainingskampf bin ich blöd hingefallen und schon war’s geschehen. Da kann keiner was dafür, so etwas passiert im Sport.“ Eine Operation folgte vor gut einer Woche. „Eine konventionelle Ausheilung hätte zu lange gedauert. Jetzt sind die Knochen mit Drähten festgeklammert, damit das Syndesmoseband zusammen wachsen kann“, erklärt der Rio-Starter und Dritte der Europaspiele von Baku 2015.

Rang drei bei den Europaspielen 2015 war Seidls bislang größter Erfolg. Foto: dpa-Archiv

Untätigkeit bedeutet die Verletzung für Seidl längst nicht. „Ich gehe wie gewohnt jeden Tag zweimal ins Stützpunkt-Training“, erklärt der in München wohnende Athlet, der von der Polizei für seinen Leistungssport freigestellt ist. Kräftigungsübungen funktionierten allemal, „mit den Händen ziehe ich mich an Seilen hoch“. Der Weg zum Physiotherapeuten begleitet den Trainingsalltag.

„Deine Laufbahn kann so schnell vorbei sein.“

Sebastian Seidl

„Das Schlimmste ist, dass man immer Hilfe von anderen benötigt. Mit den Krücken kommst ja nirgends hin. Alles ist anstrengend.“ Seine TSV-Kollegen und „lieben Mitbewohner“ Manuel Scheibel und Philip Graf nehmen ihn mit ins Training. Zu Hause in Pförring lässt sich der 26-Jährige von seinen Eltern pflegen. Ausgerechnet jetzt steht bei Sebi Seidl in München ein Umzug an. „Die Sachen in die Kartons schmeißen geht noch, bei allem anderen helfen mir die Kumpels.“

Erste OP bringt ihn ins Grübeln

Die bisherige Wettkampfplanung ist über den Haufen geworfen. Aktuell wollte Seidl bei einem Turnier in der Schweiz sein Comeback geben. „Ich kann jetzt nur abwarten, wie sich der Heilungsprozess entwickelt. Vielleicht schaffe ich es, im Mai ins Trainingslager nach Japan mitzureisen.“ Die deutschen Nationalkader-Kämpfer bereiten sich in Asien drei Wochen auf den Saisonhöhepunkt WM vor. „Bis Ende August werde ich in jedem Fall fit sein, aber ich muss mich auch zeigen. Einen Startplatz habe ich nicht automatisch“, weiß der Pförringer.

Start für Abensbergs Zweite

  • Landesliga:

    Die zweite Männer-Mannschaft des TSV Abensberg startet in die Landesliga-Saison. In die Truppe um Coach Martin Oberndorfer rücken Youngsters wie Konstantin Weinmann, Franz Huber, Fabian Popitschko, Luca Wagner, Leon Kramer und Alexander Weiss. „Die Saison soll ein Dankeschön an unsere Sponsoren werden – mit dem Ziel Aufstieg“, so Thomas Köthe, der die organisatorische Arbeit führt.

  • Aufgebot:

    Zum Auftakt am Samstag um 16 Uhr bei SG Moosburg zählt der TSV auf Daniel Scheller, Fabian Ennerst, Kilian Wilke, Massud Zaki, Stefan Schmautz, Philip Ohrt, Dominik Ennerst, Jan Wenning, Maximilian Volkmann, Andreas Steffl, Ludwig Igl, Markus und Mattias Tuscher, David Haller, Michael Brandl, Dominik Urich, Michael Schnell, Marco Reber, Andreas Lorenz, Michael Reinhold, Dominik Gerzer und Wolfgang Bauer.

Seine erste OP hat Seidl ein wenig ins Grübeln gebracht. „Deine Laufbahn kann schnell vorbei sein.“ Von der Nachdenklichkeit kehrte der Judoka rasch zur Konzentration „aufs Wesentliche“ zurück. „Die Verletzung wird mich nicht aufhalten. Ich kämpfe um mein Comeback.“ Den Bundesliga-Auftakt mit Abensberg wird er verpassen – „aber ich komme als Zuschauer“.

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