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Freitag, 15. Dezember 2017 3

Notfall

Auf den Worst Case vorbereitet

Weil Kelheim am Dienstag zwei Stunden ohne Strom war, bereitete der Krisenstab auch die Evakuierung des Krankenhauses vor.
von Benjamin Neumaier

Im Umspannwerk Saal fiel nach zwei Kabelfehlern im Kelheimer Stromnetz der Leistungsschalter dann war die Kreisstadt stromlos. Fotos: Weigert

Kelheim.Zwei Kabelfehler im Stromnetz der Stadtwerke Kelheim legten weite Teile der Kreisstadt am Dienstagnachmittag zwischen 14.56 und 18.33 Uhr lahm. „Einen alleine hätte das Netz verkraftet“, sagte Christian Kutschker, Leiter der Stadtwerke Kelheim. „Zwei Schwachstellen waren aber zu viel und es kam zu einem Doppelerdschluss, einem Kurzschluss. Der Leistungsschalter im Umspannwerk Saal, vergleichbar mit dem FI im Wohnhaus, fiel und Kelheim war in weiten Teilen spannungslos.“

Wasserknappheit in Weltenburg

Kelheims Bürgermeister Horst Hartmann war froh, „dass alles so glimpflich ausgegangen ist. Wir haben uns aber auch auf den Worst Case vorbereitet, sämtliche Szenarien durchgespielt“, sagte er beim Pressetermin der Stadtwerke am Mittwochvormittag.

Christian Kutschker, Horst Hartmann, Patrick Stadtherr und Sabine Melbig (v. l.) informierten über den Stromausfall in Kelheim. Foto: Weigert

Unter anderem war schon ein Notstromaggregat unterwegs zum Hochbehälter Weltenburg. Denn wie es der Zufall will, war der Hochbehälter gerade an diesem Tag gesäubert worden, die Füllmenge nur auf dem Mindeststand. Ein Auffüllen ohne Strom war aber nicht möglich. In Weltenburg drohte deshalb Wasserknappheit. Um 16.15 Uhr orderte der Krisenstab bei den Stadtwerken ein Notstromaggregat, das den Hochbehälter wieder zum Laufen bringen sollte. Das wurde aber unnötig, als der Strom im Kelheimer Ortsteil um 16.50 Uhr wieder lief.

Christian Kutschker erklärt den Stromausfall im Video-Interview:

Christian Kutschker erklärt den Stromausfall in Kelheim. Video: Weigert/Neumaier

Zu den durchgespielten Szenarien gehörte ebenso die Versorgung der Bürger und Einrichtungen mit Notstromaggregaten oder auch die Evakuierung der Goldberg-Klinik. Denn durch den Stromausfall wurde ein Relais im Biomasse-Heizkraftwerk der Stadtwerke beschädigt: 52 Kunden, darunter das Krankenhaus, werden von dort beheizt. Aufgrund des langen Ausfalls war die Vorlauftemperatur der Heizung von 85 auf unter 30 Grad gefallen, das Krankenhaus kühlte schnell aus. Erst um 18.40 Uhr konnte die Fernwärme wieder geliefert werden. „Die Wärmeversorgung wurde anfangs durch die Heizzentrale im Bauhof wiederhergestellt und durch das Anlaufen des Heizkraftwerks eine Evakuierung nicht mehr nötig. Aber es war knapp“, sagte Kutschker. „Der Normalzustand war erst in den frühen Morgenstunden am Mittwoch wieder hergestellt.“

Erster Fehler um 13.30 Uhr

Bereits zweieinhalb Stunden bevor der Strom weg war, nahm das Unglück seinen Lauf. Gegen 13.30 Uhr kam es in einer 20 000 Volt-Leitung am Rennweg – in unmittelbarer Nähe der Stadtwerke, zu einem Erdschluss. Von diesem Kabel fiel eine der drei Phasen aus. Der Strom wird in so einem Fall dann über die verbleibenden zwei Phasen geleitet. „Zu diesem Zeitpunkt war die Stromversorgung noch intakt“, sagt Kutschker.

Die Schadstelle war am Dienstag schnell geortet, die Ursache für den Erdschluss klärte sich allerdings erst tags darauf. Nachdem das beschädigte Kabel freigelegt worden war, zeigte sich, dass bei der Verlegung eines Hausanschlusses, einem sogenannten Durchschuss, die 20 000 Volt-Leitung getroffen worden. Die Isolierung wurde zerstört, eine Phase beschädigt. Bereits im Juli. Doch erst jetzt hatte die beschädigte Phase Erdkontakt.

„Dieser einpolige Fehler hat dann einen Dominoeffekt ausgelöst“, sagt Kutschker. „Durch die Überbeanspruchung der beiden Phasen war das Stromnetz verwundbar. Letztlich kam es an einer Schwachstelle zwischen Hohenpfahlweg und Regensburger Straße um 14.56 Uhr zum Kurzschluss.“ Die Innenstadt Kelheims, die Bauersiedlung, Affecking, Hohenpfahl, Gronsdorf und die Ortsteile Weltenburg, Staubing und Stausacker waren ohne Strom. Dazu kam es zu einzelnen Spannungsabfällen auch in anderen Teilen der Kreisstadt.

Seit Mittwochvormittag laufen die Reparaturarbeiten an den Schadstellen im Stromnetz. Während der Fehler im Rennweg schon klar war – er soll bis Freitagmittag durch den Austausch von zwölf Meter Leitung beseitigt sein – wurde in Hohenpfahl noch nach der Ursache gesucht. „Der Stromausfall war eine große Nummer. Im Schnitt dauert so ein Vorfall neun Minuten – bei uns waren es wegen der Dimension gut zwei Stunden“, sagte Kutschker. „Letztlich sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. So etwas ist nicht vorhersehbar. Unser Stromnetz ist auf einem hohen Qualitätslevel und weit von der Haltbarkeitsdauer von 40 Jahren entfernt. Aber es kann eben immer etwas passieren. Ich hätte aber nicht gedacht, dass ich es in Kelheim noch erlebe“, sagt Kutschker, der am Montag seinen letzten Arbeitstag in der Kreisstadt hat. Gleichzeitig lobte er das Krisenmanagement: Von den Stadtwerken waren zehn Mitarbeiter rund um Technik-Chef Patrick Stadtherr „unter Hochdruck auf Fehlersuche und -behebung und auch die Feuerwehr Kelheim, die Polizei, Landrat Martin Neumeyer und Bürgermeister Horst Hartmann haben mustergültige Arbeit geleistet“.

Lesen Sie auch: „Blackout in Kelheim – zehnmal live dabei“

Lesen Sie hier unseren Artikel ersten Artikel zum Stromausfall vom Dienstag

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