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Samstag, 16. Dezember 2017 10

Stromausfall

Blackout in Kelheim – 10 mal live dabei

Heikle Daten, Tiefkühl-Fisch, Rolltore und kaltes Duschwasser – darum sorgten sich Betroffene in der Kreisstadt.
Von Beate Weigert

  • Im Rewe-Markt in Affecking ging zweieinhalb Stunden nichts. Der Betreiber bangte um die gekühlten Produkte. Foto: Weigert
  • Auch beim BRK stellte man sich auf eine Klinik-Evakuierung ein. Foto: dpa
  • Am Mittwoch gingen Arbeiter am Rennweg auf der Suche nach einer problematischen Stelle. Sie wurden fündig. Foto: Weigert
  • Am Mittwoch gingen Arbeiter am Rennweg auf der Suche nach einer problematischen Stelle. Sie wurden fündig. Foto: Weigert
  • Blick auf eine freigelegte Problemstelle Foto: Weigert

Kelheim.Wir zeigen, womit die Kelheimer beim Stromausfall kämpften oder eben nicht – vom Supermarkt bis zur Rettungswache.

Stadtwerke: Fieberhafte Suche nach dem Problem und hunderte Notrufe im Servicecenter per Telefon oder persönlich

Während bei den Stadtwerken alle Technik-Mitarbeiter die Problemstellen suchten, klingelten im Kundenservice die Telefone im Akkord. Diese werden per Notstromaggregat mit Saft gespeist. Hunderte Anrufe gingen ein, so Geschäftsführer Kutschker. Manch einer teilte schlicht mit, dass er keinen Strom habe, andere meldeten, dass sie Backwerk im Ofen hätten oder sich föhnen wollten.

Stadtwerke-Geschäftsführer Christian Kutschker (li.) und Bürgermeister Horst Hartmann (2.v.li.) berichteten am Mittwoch, was hinter den Kulissen passierte. Foto: Weigert

Es gab aber auch Lebensbedrohliches zu klären. Ein Kunde wollte wissen, wie für einen Angehörigen zuhause die Beatmung sichergestellt werden könne. Hätte der „Blackout“ länger angehalten, hätte der Mann ein kleines Notstromaggregat erhalten. Davon hat der Stromversorger einige. Mit zwei großen ließen sich ganze Ortsteile versorgen.

Die Goldbergklinik stand kurz vor der Evakuierung. Foto: Weigert

Goldbergklinik: Die Evakuierung des Kelheimer Krankenhauses stand bereits im Raum

Der „Worst Case“, also der schlimmste Fall, der hätte passieren können, stand schon im Raum. Die Evakuierung der Goldbergklinik, sagt Kelheims Feuerwehrkommandant Georg Sinzenhauser am Mittwoch. Denn diese war unmittelbar vom Ausfall des Blockheizkraftwerks betroffen. Fehlende Wärme wird in einem Krankenhaus im Winter zum Problem. In der Krisensitzung im Kelheimer Feuerwehrhaus wurde bereits überlegt, wie 100 bis 150 Patienten in andere Kliniken kämen.

Auch bei der Feuerwehr hakte es beim Mobilfunknetz. Der Digitalfunk funktionierte einwandfrei. Foto: André Baumgarten

Feuerwehr: Die wichtigen Räume im Gerätehaus und beim Bauhof hatten Notstrom. Manko – die Absprache per Handy.

Zwar funktionierte der Digitalfunk bei der Feuerwehr tadellos. Doch nebenbei treffe man viele Absprachen per Handy, so Kommandant Sinzenhauser. Doch beim Mobilfunk ging über lange Strecken nichts. So fuhr auch ein ehemaliger Helfer aus der Innenstadt selbst bei der Feuerwehr vor und meldete, dass ein Nachbar im Fahrstuhl feststeckte. Bezahlt machte sich, dass im Gerätehaus alle Funktionsräume Notstrom haben.

In der Kfz-Zulassung und bei der Führerscheinstelle im Landratsamt ging ohne Strom ebenfalls nichts. Foto: Weigert/Archiv

Landratsamt: Verständnis in der Kfz-Zulassung – mobile Ersatzanlage bei längeren Ausfällen

Ohne Strom ging bei den 250 PCs im Landratsamt im Donaupark nichts. Nur wichtige, zentrale Infrastrukturen wurden durch eine unterbrechungsfreie Stromversorgung weiterbetrieben, „da sehr viele angeschlossene Kommunen über uns arbeiten“, informiert die Kreisbehörde. Bei Kfz-Zulassung und Führerscheinstelle mussten sechs Bürger unverrichteter Dinge abziehen. Sie hatten Verständnis dafür. Für längere Ausfälle wäre das Amt per mobiler Ersatzanlage gerüstet.

So erlebte ein Handwerksbetrieb den Stromausfall in Kelheim. Foto: Weigert

Lotter Objektbau: Der Handwerksbetrieb verbucht den Stromausfall unter ärgerlich, aber nicht gravierend.

Seine Betriebsunterbrechungsversicherung will Thomas Lotter vom gleichnamigen Möbelbauer nicht bemühen. Dafür stünden Schaden und Aufwand in keinem Verhältnis. Fertigungsmitarbeiter konnten etwa eineinhalb Stunden nicht arbeiten. Ihr Hauptproblem – dass computergesteuerte Maschinen durch den Stromausfall immer wieder ausfielen.

Das Keldorado hatte zwar kein Stromproblem, aus einem anderen Grund schloss es am Dienstag dennoch früher als sonst. Foto: Weigert

Keldorado: Strom, aber schwindende Wärme. Das Kelheimer Bad machte eine Stunde früher dicht.

Am Dienstag hat das Keldorado eigentlich lange auf. Strom war vorhanden. Doch der Ausfall des Biomasseheizkraftwerks betraf das Bad. Mit zunehmender Zeit schwand die Wärme. Das Duschwasser wurde kälter, die Lufttemperatur sank. Nach drei bis vier Stunden spürten das Badegäste. Betriebsleiter Thomas Hopfinger entschied am Ende, dass eine Stunde früher, also um 20.30 Uhr, zugesperrt wurde.

Die Geschäftsstelle der Kreissparkasse in der Innenstadt sperrte aus Sicherheitsgründen zu. Foto: Weigert/Archiv

Sparkasse: Die Geschäftsstelle schloss zur Sicherheit – in der Zentrale schützt eine Batterie heikle Daten

Zappenduster war’s Dienstagnachmittag in der Sparkassen-Filiale am Ludwigsplatz. Erst hofften Geschäftsstellenleiter Daniel Wochinger und die Kollegen, dass gleich alles wieder läuft. Er selbst führte eine Beratung mit dem Taschenrechner im Halbdunkel zu Ende. Aus sicherheitstechnischen Gründen wurde später die Filiale geschlossen. In der Zentrale an der Schäfflerstraße merkten die Mitarbeiter bis ein auf kurzes Flackern am Licht nichts. Denn dort sichert eine Batterie, dass PCs bei Stromnetzunterbrechung weiterversorgt werden. Zwei Stunden später wäre laut Vorstandsmitglied Dr. Erich Utz ein Notstromaggregat angesprungen.

Im Rewe-Markt in Affecking ging zweieinhalb Stunden nichts. Der Betreiber bangte um die gekühlten Produkte. Foto: Weigert

Rewe-Markt Affecking: Herrenlose Einkaufswagen und das Bangen um die Tiefkühl- und Frische-Produkte

Schnell noch Einkäufe zahlen? Das war ab 15 Uhr im Affeckinger Rewe-Markt von Yilmaz Tezcanli nicht mehr möglich. Gut 25 Kunden begleiteten der Marktbetreiber und seine Mitarbeiter vor die Tür. Halbvolle Einkaufswagen blieben stehen. Weil man nicht wusste, wie lange der „Blackout“ dauert, erledigten die Mitarbeiter teils mit Handy-Taschenlampe Arbeiten, füllten Regale auf. Tezcanli schätzt, dass ihm durch den Stromausfall an die 5000 Euro Einnahmen fehlen. Dennoch habe er Glück gehabt. Wäre der Strom länger als vier Stunden weggeblieben, hätte er alles, was in der Kühlung lag, Tiefkühl-Ware, Metzgerei-Produkte, Salate, Joghurts etc. komplett vernichten müssen.

BRK: Rettungsdienstleiter hatte ein „Déjà-vu“ – doch zum ganz großen Programm kam’s zum Glück nicht

Auch das BRK an der Abensberger Straße war „tot“, so Stephan Zieglmeier. Piepser und Telefone funktionierten, weil batteriegestützt. Per Notstromaggregat wurden Rettungswache geheizt oder Ladesteckdosen für Rettungsfahrzeuge mit Strom gespeist. Auch das BRK beschäftigte eine Evakuierung der Goldbergklinik. Im Ernstfall wäre von „Mainburg bis Riedenburg“ alles gerollt, was es gibt. Und auch landkreisübergreifend. Zieglmeier hatte ein „Déjà-vu“ – an die Evakuierungsübung vor zwei Wochen.

AOK: „Neidische“ Blicke zur Spar- kasse und Bangen um die Ausfahrt aus der Tiefgarage

AOK-Pressesprecher Josef Brandl traute in der Schäfflerstraße seinen Augen nicht. In der Sparkasse gegenüber brannte Licht, die AOK war beim Stromausfall „live dabei“. Mancher hatte Sorge, dass er mit dem Auto nicht mehr aus der Tiefgarage käme, aber das Rolltor öffnet im Notfall.

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