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Sonntag, 21. Januar 2018 10

Natur

Starke Pflanzaktion für die Vielfalt

Bioland-Streuobsthof Stöckl, Jägerinnenforum Bayern und Montessori-Schule Essing setzen Zeichen für vielfältigen Lebensraum.

Noch gibt es viel zu tun: die Schüler aus Essing waren mit Feuereifer beim Pflanzen der Bäume dabei. Foto: Stöckl

Randeck.Fast 50 Schüler und acht Lehrer der Montessori-Schule Essing waren es, die Ende März in aller Früh den halben Berg zur Burg Randeck erklommen. Bewaffnet mit Handschuhen, Schaufeln, Hacken, Gießkannen, Maßband und Schubkarren kamen sie noch vor der Ankunft am Ort ihres „Schule-draußen-Tags“ ins Schwitzen, heißt es in der Mitteilung der Schule. Ihre Mission im Auftrag des Naturschutzes: Die Lücken in einer knapp 20 Jahre alten Streuobstwiese wieder auffüllen.

Ein genauer Pflanzplan

Tags zuvor gab es eine kleine Vorhut von Schülern, die die Pflanzstellen für die neuen Apfelbäume ausmaßen und mit Sägespänen markierten, genauso wie sie im Lage- und Pflanzplan gekennzeichnet waren. Geometrieunterricht mitten auf dem Feld – so praxisnah kann Schule sein. Der Pflanzplan stammte von Georg Stöckl, der zusammen mit seiner Frau den Bioland-Streuobsthof Stöckl in Rohr betreibt und die Streuobstwiese in Randeck von der Wirtsfamilie Sturm (Ritterschänke Randeck) gepachtet hat. Georg Stöckl hatte die Pflanzaktion initiiert und vorbereitet.

Die Streuobstwiese liegt im Wasserschutzgebiet. Sie war über viele Jahre hinweg nur gemäht worden. Die Obstbäume auf dem kargen, steinigen Boden waren aber lange Zeit nur stiefmütterlich behandelt worden, so dass gar manche beschädigt oder sogar verdorrt waren. Es war also an der Zeit, den Obstbaumbestand aufzufrischen. Dies passierte nun im Zuge eines Biodiversitätsprojektes der Essinger „Umweltschule 2014“ in Zusammenarbeit mit dem Biohof Stöckl und dem Jägerinnenforum Bayern. Dabei wurden eingegangene Bäume ersetzt und Lücken gefüllt, so dass der Bestand um 50 Apfel-Hochstämme auf 120 Obstbäume aufgestockt wurde.

Die Streuobstwiesen, insbesondere Hochstämme, sind besonders wichtig für die Artenvielfalt erklärte Renate Weber, die Vorsitzende des Bayrischen Jägerinnenforums, die extra aus Mamming an der Isar angereist war. „Ein ausgewachsener Landschaftsobstbaum steckt voller Leben. Die auffällige Blütenpracht lockt zahlreiche Insekten an, die wiederum Nahrungsgrundlage für viele Arten wie Neuntöter, Goldammer und Gartenrotschwanz während der Brutzeit sind. Die rissige Borke vom Wildapfel bietet Lebensraum für Spinnen, Käfer und andere Insekten, diese sind wiederum Nahrung für Spechte, Kleiber oder Baumläufer.

Georg Stöckl betonte zudem vor den gespannt lauschenden Schülern, was Nachhaltigkeit bedeutet und warum es klüger ist, die Früchte der Streuobstwiese zu nutzen als solche, die aus Plantagen stammen und zum Teil über den halben Erdball transportiert werden.

Voller Körpereinsatz war gefragt. Foto: Stöckl

Nach den kurzweiligen Erklärungen ging es nun ans Eingemachte: Die Pflanzaktion. Es gab für jeden etwas zu tun. Ein Minibagger riss den „steinreichen“ Boden auf. Die Kinder brachten Humus und Kompost ein, sahen zu, dass sie die jungen Bäumchen nicht zu hoch, aber auch nicht zu tief setzen, traten die Sprösslinge fest und wässerten sie ausgiebig, damit sie einen guten Start haben.

Schutz vor Wildverbiss

Nun bekam jeder Baum noch zwei Pfosten, wurde gut festgebunden und durch einen Kunststoffmantel vor Wildverbiss geschützt. Marianne Stöckl, die die Pflanzaktion ihres Mannes begleitete, ging hinterher und beschriftete jeden Baum liebevoll auf einem kleinen Aluminiumschild mit der jeweiligen Apfelsorte und dem Namen eines der helfenden Kinder. So bekam jedes Kind einen Baum in Patenschaft.

Zur Mittagszeit erfreuten sich alle Helfer über die Stärkung mit Apfelsaft und Apfelmischsäften aus der letzten Ernte vom Biohof und Deftigem von Max Sturm, dem Wirt der Ritterschänke Randeck und Eigentümer der Wiese.

Doch die Arbeit war damit noch lange nicht erledigt. Als am späten Nachmittag der letzte Baum gepflanzt war, werden schon Pläne gemacht für den Schnitt und die Ernte der Bäume. Darauf freuen sich die Schüler natürlich besonders, auch wenn die gerade erst gepflanzten Exemplare natürlich noch keine Früchte tragen werden. Viele erinnerten sich noch an die Ernteaktion mit Bauer Stöckl im Herbst 2013, wo sie mit frisch gepresstem Saft entlohnt wurden. „Der Genuss, die verschiedenen, teils alten Sorten zu probieren und die Unterschiede zu schmecken ist Teil unserer Sinnesschulung im Montessori-Konzept“, erläutert Phoebe Ploedt, Schulleiterin in Essing den pädagogischen Hintergrund. Sie ist überzeugt: „Nur wer die Natur spüren und schmecken darf, kann den Schatz, den sie bietet, erkennen. Aus der Faszination kann dann Engagement für den Erhalt der Natur wachsen.“

Praktikumsstelle ergattert

Der große Pflanztag endete für die Erwachsenen erst zum Einbruch der Dunkelheit, während die Schüler bereits wieder zu Hause angelangt waren, reicher um die Erfahrung, wie viel Mühe und Freude es bedeutet ein Stück Natur zu bewirtschaften in einem nachhaltigen Sinn. Besonders nachhaltig erfolgreich erwies sich der Einsatz beim Wurzelschnitt und Festbinden für einen Schüler, der sich ganz nebenbei eine Praktikumsstelle am Biohof organisieren konnte.

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