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Montag, 23. Oktober 2017 4

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Damen von der Brand löschen jedes Feuer

Ihrlersteins Feuerwehr-Frauen feiern heuer ihr 20. Jubiläum. Für Tag der Offenen Tür bereiteten sie eine besondere Übung vor.
Von Astrid Christl-Sorcan

  • Der harmonischste Angriffstrupp des Landkreises: Kathrin Flotzinger und Sandra Schinn Foto: Christl-Sorcan
  • Die Frauengruppe und Johannes Buchhauser bei der Einweisung in das Szenario der Übung Foto: Christl-Sorcan

Ihrlerstein. Auf dem Pausenhof der Jakob-Ihrler-Schule steht ein rotes Einsatzfahrzeug. Feuerwehrübung der freiwilligen Feuerwehr Ihrlerstein – und zwar eine ganz besondere. Der zweite Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbands Bayern und Amtsleiter für Brand- und Katastrophenschutz der Hauptfeuerwache Regensburg, Johannes Buchhauser, wird heute die Übung leiten. Und die Feuerwehrleute auf dem Schulhof sind nicht weniger prominent. Es handelt sich um die aktiven Feuerwehrfrauen Ihrlersteins.

Die Damen der Feuerwehr feiern heuer ihr 20. Jubiläum. Für die Vorführung beim „Tag der offenen Tür“ wollen sie sich heute mit ihrem ehemaligen Gruppenführer vorbereiten. Denn Buchhauser war vor 20 Jahren der Gruppenführer der ersten reinen Feuerwehrfrauengruppe in Ihrlerstein. Mit ihrer Vorführung möchten die Feuerwehrdamen Werbung für ihr Ehrenamt machen und mehr Frauen für die Wehr begeistern.

Johannes Buchhauser und ein Trupp Foto: Christl-Sorcan

Der Einsatzbefehl lautet „Zimmerbrand im Erdgeschoss“. Die Gruppe rückt zunächst mit einem, dem Angriffstrupp, vor. Beim Löschangriff wird der Wassertrupp zum zweiten Angriffstrupp. Sandra Schinn, Michaela Pöschl, Bettina Wagner, Kathrin Flotzinger, Christine Wallner, Heike Steger und Monika Küchelbacher liefern zwei fehlerlose Durchgänge ab. Derzeit fahren nur drei von ihnen mit den männlichen Kollegen zu den Einsätzen, die anderen sind noch in der „Elternzeit“. Aber sie alle sind stolze Trägerinnen der Leistungsabzeichen – echte Feuerwehrfrauen eben.

Gemeinsam mit den Herren

Bei der Jugendfeuerwehr in Ihrlerstein sitzen noch drei weitere junge Damen in den Startlöchern. Ob Sportabzeichen oder Fortbildung – alles wird gemeinsam mit den Herren abgelegt. Die Frauen absolvieren die gleiche Ausbildung wie die Männer und lernen Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung ebenso wie Funkkommunikation und Erste Hilfe.

Viel Eigenwerbung

  • Tag der offenen Tür

    Der „Tag der offenen Tür“ findet am Sonntag, 29. Mai, ab 11 Uhr in und um das Feuerwehrgebäude der FF Ihrlerstein statt.

  • Qualifikation

    „Wer Bundeskanzlerin werden kann, kann auch Feuerwehrfrau werden.“ Mit solchen Slogans wirbt der Landesfeuerwehrverband Bayern unter: http://www.frauen-zur-feuerwehr.de/index.html um mehr weibliche Mitglieder.

  • Pixi-Buch

    „Meine Mama ist Feuerwehrfrau“ – dieses Pixi-Buch hat der Landesfeuerwehrverband Bayern neu aufgelegt. Auch die Kreisfrauenbeauftragte und Kita-Leiterin Monika Küchelbacher verteilt diese Büchlein als Teil der Werbekampagne für Feuerwehrfrauen im Landkreis Kelheim.

  • Beitritt

    Die lokalen Feuerwehren stehen jeder Frau ab 18 Jahre offen, in der Jugendgruppe können die Mädchen schon ab zwölf Jahren mitwirken, heißt es von Seiten der Verantwortlichen. (eac)

Genauso verhält es sich beim Einsatz: Eine reine Feuerwehrfrauengruppe sei nicht das Ziel, erklärt Maschinistin und Kreisfrauenbeauftragte Monika Küchelbacher. Die Frauen integrieren sich in die Männergruppen.

Küchelbacher spricht den weit verbreiteten Irrtum an, dass der Feuerwehrdienst eine Männerdomäne sei. „Jede Frau kann ihren Mann stehen.“ Sagt sie. In den neuen Löschfahrzeugen sei die Technik so gut, dass Körperkraft nicht an erster Stelle stehe. Außerdem helfe man sich beim Einsatz gegenseitig. Buchhauser pflichtet ihr bei: Ein weit verbreiteter Irrglaube sei auch, dass wenn ein Feuerwehrmann bei der Brandbekämpfung ohnmächtig umfalle, er von einer Feuerwehrfrau nicht aus der Gefahrenzone getragen werden könne. „Ich kann das auch nicht alleine“, sagt der robuste 1,90-Meter- Mann, „Ich brauche dafür auch die Hilfe eines Kameraden.“

Es gäbe leichtere Ausrüstung

Atemschutzträgerinnen gibt es in Ihrlerstein bisher nicht. Die Ausrüstung wiegt 18 Kilogramm, berichtet Küchelbacher. Das sei einfach zu schwer für die Dauer eines Einsatzes. Buchhauser weist darauf hin, dass es auf dem Markt auch Ausrüstungen mit nur zwölf bis 14 Kilogramm gäbe. Das sei also eine reine Kostenfrage. Atemschutzträgerinnen seien keinesfalls selten bei der bayerischen Feuerwehr.

Die Damen bauen eine Verteilung fürs Löschwasser auf. Foto: Christl-Sorcan

Die Feuerwehrfrauen aus Ihrlerstein berichten von ihren Einsätzen: Brände, Personensuche, Unfälle, Stürme und Hochwasser – nichts haben sie ausgelassen. Selbst bei der Schneekatastrophe im Bayerischen Wald war eine der Damen im Einsatz in Zwiesel tätig und befreite gemeinsam mit Kameraden Dächer vom Schnee.

Einen Blick hinter die Kulissen der Feuerwehr wirft unsere Serie „Die Retter“.

Sandra Schinn erzählt von einem Einsatz am Anfang ihrer Feuerwehrkarriere, bei dem sie durchaus Angst hatte. Das war vor Jahren, als bei einem schweren Sturm Bäume auf Stromleitungen in Randeck fielen. Die Funken seien gerade so gesprungen und es habe sich ein Feuer entwickelt. Aber sie stand ihren Mann bzw. ihre Frau, wie aktuell ca. 26000 andere Feuerwehrfrauen in Bayern. 245 davon unterstützen im Landkreis Kelheim, ihre männlichen Kollegen bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Und gerne könnten es noch viele mehr werden.

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