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Eine Ausbildung in der Freiluft-Firma

Wer Forstwirt/in werden will, sollte gerne draußen arbeiten, bei (fast) jedem Wind und Wetter. So wie Azubi Dominik Jobst.
Von Martina Hutzler

  • Orkan „Niklas“ hat auch im Staatswald etliche Bäume umgelegt. Umgefallene Bäume zu verarbeiten ist heute die Arbeit von Forstwirt-Azubi Dominik Jobst. Fotos: Hutzler
  • Maschinenwartung gehört für Azubis wie Eric Schuller (re.) dazu. Ausbildungsmeister Fabian Dinkel erklärt, wie’s geht.

Kelheim. Heute bestimmt „Niklas“ den Ausbildungsplan: Das Sturmtief Ende März hat auch in den Staatswäldern rund um Kelheim gewütet – und dabei Übungsmaterial für Dominik Jobst hinterlassen. Der 26-Jährige absolviert im Forstbetrieb Kelheim der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) die Ausbildung zum Forstwirt. Und als solcher muss er unter anderem wissen, wie man Baumstämme aufarbeitet, die der Sturm „gefällt“ hat. Generell reicht das Arbeitsspektrum eines Forstwirts vom Pflanzen der Setzlinge über die Pflege von Beständen bis zur Baumernte.

Neu ist das nicht mehr für Dominik. Der junge Mann aus Laufenthal bei Hemau ist schon im dritten Lehrjahr, hat bereits die schriftliche Abschlussprüfung hinter sich und im Juli die praktische vor sich. Außerdem hat er bereits eine Lehre absolviert: Weil es im Staatsforst keine Lehrstellen gab, als er 2004 die Hauptschule mit dem Quali beendet hatte, lernte er zunächst Fachkraft für Agrarservice. Der Wald allerdings blieb sein Arbeitsplatz-Favorit – da hatte er schon als Jugendlicher zusammen mit dem Opa gerne gearbeitet, erzählt er. Nach der ersten Lehre arbeitete er bereits als Fahrer großer Holzernte-Maschinen („Harvester“). Als dann ein Forstbetrieb in Mittelfranken endlich eine Ausbildungsstelle zum Forstwirt anbot, bewarb er sich dort – und wurde genommen.

Dominik Jobst mit Ausbildungsmeister Fabian Dinkel

„Am besten ist es, wenn man vorab ein einwöchiges Praktikum bei uns absolviert“, rät Ausbildungsmeister Fabian Dinkel interessierten Schülern. „Ich glaub’, viele stellen sich die Arbeit etwas zu romantisch vor“, stimmt Dominik Jobst zu. Für ihn selbst käme ein Bürojob nie in Frage – er schätzt es, den ganzen Tag draußen zu sein. Aber das heißt eben auch: bei Eiseskälte im Winter und unter Mückensurren und bei Tropenhitze im Sommer. „Und das immer mit Schnittschutz-Stiefeln und -Hose; die ist noch wärmer als eine Skihose“, gibt der Auszubildende zu bedenken. Körperliche Fitness ist unabdingbar in dem Beruf; ebenso wie handwerkliches Geschick, denn Wartung und Nutzung von Maschinen und Werkzeug gehören fest zum Arbeitsalltag. Entsprechend sind es meist Bewerbungsschreiben von Jungen, die im August, September bei den Forstbetrieben eintrudeln. Aber im Schnitt auch zwei, drei Mädels jährlich starten bei den Staatsforsten die Ausbildung.

Kettensäge-Pflege: So geht's

Bewerben kann man sich – sofern man den öffentlichen Dienst anpeilt – am besten im August und September, und zwar bei jedem Forstbetrieb, der auch Ausbildungsbetrieb ist. Kelheim war das rund zehn Jahre lang nicht mehr, stieg aber 2014 wieder in die Ausbildung ein, weil der Nachwuchsbedarf hoch ist und mit „Eigengewächsen“ aus der Region gedeckt werden soll, schildert Fabian Dinkel. Er kam vor einem Jahr als Ausbildungsmeister nach Kelheim und startete mit drei Lehrlingen – plus Dominik: Der nutzte die Chance, im letzten Lehrjahr zurück „in die Heimat“ zu wechseln. Und hofft, dass er hier nach der Abschlussprüfung übernommen wird.

„Ungefähr 35 Azubis werden heuer in ganz Bayern fertig, und ungefähr 15 bekommen eine Anstellung“, hat er in Erfahrung gebracht. Die Abschlussnote entscheidet; je besser man abschneidet, desto eher kann man sich überdies aussuchen, an welchem Ort man arbeiten will. Klappt es hingegen nicht mit einer Übernahme bei der BaySF, finden sich Stellen zum Beispiel bei privaten Forstunternehmen – die teils auch Lehrstellen anbieten.

Beim Staat werden Azubis während der betrieblichen Ausbildung grundsätzlich von einem Ausbildungsmeister betreut, erklärt Fabian Dinkel. Sich und seine Schützlinge bezeichnet er schmunzelnd als „mobile Einsatztruppe“: Die Azubis arbeiten „in echt“ im Unternehmen mit – bei Ort und Art der Einsätze berücksichtigt Dinkel, wo seine Kollege gerade Hilfe brauchen; vor allem nach Ereignissen wie Sturm „Niklas“ oder wenn eine große Pflanzung ansteht.

Jedoch achtet er darauf, dass seine Lehrlinge alle Berufsbereiche kennen lernen, wie es der Ausbildungsplan vorsieht. Pflanzen und Pflege von Wäldern, Holzernte sowie Maschinen-Instandsetzung und -Wartung sind die wichtigsten Bereiche. Aber auch Naturschutz und Landschaftpflege sowie die Holzbe- und -verarbeitung gehören dazu, also etwa das Bauen eines Jagd-Hochsitzes. Dass er ein so breites Spektrum vermittelt bekommt, weiß Dominik Jobst sehr zu schätzen, auch wenn ihm selbst die Holzernte am meisten Spaß macht.

Schutzausstattung

Den theoretischen Unterbau erhält er in der Berufsschule. Zehn bis zwölf Wochen Blockunterricht pro Lehrjahr absolvieren alle Azubis in der Schule in Neunburg v. Wald (Kreis Schwandorf). Die Schule sei sehr gut, bestätigt Dominik – aber statt ins zugehörige Internat hat er sich lieber jeden Tag ins Auto Richtung Heimat gesetzt…

Den dritten Pfeiler der Lehrzeit bildet die mehrwöchige überbetriebliche Ausbildung in Bildungszentren bei Nürnberg oder Ruhpolding. Der Einführungslehrgang dort vermittelt zum Beispiel Grundkenntnisse über den Waldbau und über alle nötigen Maschinen und Geräte: die Motorsäge natürlich, der Freischneider, verschiedenste Handwerkzeuge.

Kettensäge-Reinigung: So geht's

Hat all dies überhaupt Zukunft, in Zeiten immer leistungsstärkerer Holzernte-Maschinen? Doch, ist sich Dominik Jobst sicher, der ja selbst schon mit dem Harvester gearbeitet hat. In steilen Hängen und unebenem Gelände seien Forstarbeiter unersetzlich, ebenso bei starkem und wertvollem Laubholz. Und bei kleineren Hieben – etwa wenn nur einige vom Borkenkäfer befallene Bäume zu fällen sind – lohne sich der Harvester erst gar nicht.

In solchen Fällen wird auch künftig eine „Rotte“ anrücken: So wird ein meist drei- oder vierköpfiges Team aus Forstwirten bezeichnet. Wenn sie Holz einschlagen, können sich die BaySF-Arbeiter eine Leistungszulage erarbeiten; allerdings ist die Akkordarbeit zeitlich gedeckelt: Aus gesundheitlichen Gründen sollen die Forstwirte neben der besonders kräftezehrenden Ernte auch andere Tätigkeiten ausüben wie das Pflanzen von Setzlingen. Zudem sei Sport als Ausgleich ratsam, etwa Schwimmen oder Fitnessstudio, weiß Fabian Dinkel.

Vorbesprechung: Erst überlegen, dann sägen

Er selbst hat nach der Ausbildung noch den Forstwirtschafts-Meister absolviert. Meister werden bei den BaySF zum einen in der Ausbildung eingesetzt, zum anderen in der Einsatz-Planung und -Leitung der Forstarbeit. Auch „Forsttechniker“ kann man nach der Ausbildung werden, allerdings nicht bei den BaySF. Techniker arbeiten oft als Revierleiter in privaten oder kommunalen Wäldern.

Forstwirt/in: Steckbrief

  • Ausbildung und Tätigkeit im Überblick

    Forstwirte/Forstwirtinnen Forstwirt/in ist ein dreijähriger anerkannter Ausbildungsberuf. Forstwirte erledigen alle zum Erhalt und für die Nutzung des Waldes erforderlichen Aufgaben: Sie legen Kulturflächen an, schützen und pflegen Waldbestände, ernten Holz, sortieren und lagern es. Jobs gibt es in Forstbetrieben, bei forstwirtschaftlichen Dienstleistern, bei Forstämtern und -verwaltungen des Bundes, der Länder und der Gemeinden, auch in Landschaftsbau- und Baumpflegebetrieben.

  • Die dreijährige Ausbildung findet dual statt: in Betrieb und Berufsschule. Wichtige Themen: betriebliche/ wirtschaftliche Zusammenhänge, Organisation betrieblicher Arbeit; Waldbewirtschaftung, Forstproduktion; Naturschutz und Landschaftspflege; Ernte und Aufbereitung von Forsterzeugnissen; Forsttechnik.
    Empfohlene Vergütung: 1. Ausbildungsjahr: 592 bis 755 Euro; 2. Jahr 640 - 805; 3. Jahr 699 - 854 Euro.

  • Voraussetzungen für den Beruf

    Vorausgesetzt wird in der Regel die Mittlere Reife oder auch ein Hauptschulabschluss. Mitbringen sollte man Interesse an praktischer Arbeit: angefangen zum Beispiel vom Einzäunen von Aufforstungsflächen gegen Wildverbiss und dem Anbringen von Schutzvorrichtungen an jungen Bäumen bis zum Fällen, Transportieren und Sortieren von Bäumen. Zur Arbeit gehört auch das Organisieren: Man überwacht beispielsweise, ob es Schädlingsbefalls im Wald gibt und kontrolliert den Baumbestand.
    Für den Beruf braucht man geschickte Hände: etwa wenn es um die Bedienung der Motorsäge oder anderer Maschinen und Geräte geht. Auch Körperbeherrschung und schnelle Reaktionen sind gefragt, damit man z.B. in Gefahrensituationen beim Bäume fällen schnell und richtig reagiert. Handwerkliches Geschick braucht man z.B. fürs Bauen von Hochsitzen. Technisches Verständnis hilft bei der Pflege und Instandhaltung von Motorsägen, Entrindungsmaschinen und anderen Geräten.
    Im Wald ist ferner räumliche Orientierung wichtig, damit man zum Beispiel Wegmarken im Wald wiederfindet. Und schließlich sollte man unter anderem Flächen- und Raumberechnungen durchführen können.

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