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Samstag, 18. November 2017 5

Stadtrat

Franz Aunkofer siegt in der Stichwahl

Franz Aunkofer, Ludwig Birkl und Josef Pletl kandidieren für Vize-Bürgermeisteramt – Birkl scheidet im ersten Wahlgang aus.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Franz Aunkofer ist ab 1. Januar 2017 zweiter Bürgermeister. Foto: Bachmeier-Fausten

Kelheim.Für Spannung war am Montag anlässlich der letzten Stadtratssitzung 2016 im Deutschen Hof gesorgt. Zweimal mussten die 24 Stimmberechtigten (Bürgermeister Horst Hartmann und die anwesenden 23 Stadträte, Stadtrat Reinhard Listl hatte unentschuldigt nicht an der Sitzung teilgenommen) den Weg zu der im Saal aufgebauten Wahlkabine antreten. In der Stichwahl setzte sich Franz Aunkofer von Bündnis 90/Die Grünen durch. 14 Stimmen waren für den Herrnsaaler abgegeben worden, zehn für CSU-Stadtrat Josef Pletl. Bereits nach dem ersten Wahlgang war Stadtrat Ludwig Birkl von den Freien Wählern nicht mehr im Rennen.

Nicht nur die für Zuhörer vorgesehenen Plätze im Saal waren besetzt, auch von der Galerie aus verfolgten Interessenten die Sitzung. Bürgermeister Horst Hartmann vermutete, dass das Interesse auf die tolle Tagesordnung zurückzuführen sei.

Anerkennung für Prasch

Verabschiedung von Stadträtin Renate Schweiger durch Bürgermeister Hartmann. Links Vize-Bürgermeister Christian Prasch, der noch bis zum Jahresende als stellvertretendes Stadtoberhaupt im Amt ist. Foto: Bachmeier-Fausten

In dem Gremium stehen mit dem Jahreswechsel personelle Veränderungen an. Renate Schweiger (SPD) legt ihr Stadtratsmandat Ende 2016 nieder. Der bisherige Staubinger Ortssprecher Peter Ferstl rückt nach, nachdem Stefan Gardik-Karda Anfang Dezember der Stadtverwaltung mitgeteilt hatte, dass er als Nachrücker nicht zur Verfügung steht.

Bürgermeister Horst Hartmann gratuliert Peter Ferstl, der ab 1. Januar 2017 Stadtrat ist. Foto: Bachmeier-Fausten

Da der bisherige zweite Bürgermeister Christian Prasch aus beruflichen Gründen (er wird bei der Kreissparkasse Gebietsdirektor in Kelheim) Ende 2016 das Amt als Vize-Stadtoberhaupt abgibt, musste ein Nachfolger gewählt werden. Bürgermeister Horst Hartmann bedauerte es, dass die berufliche Entwicklung von Christian Prasch es nicht mehr zulasse, zweiter Bürgermeister zu bleiben – aus zeitlichen Gründen und hinsichtlich eines Interessenskonflikts. Christian Prasch bleibe aber weiterhin Stadtrat. Hartmann betonte das Engagement von Vize Prasch für Kelheim, der die Stadt hervorragend repräsentiert habe. Niemand hätte beiden am Anfang zugetraut und geglaubt, dass „die Zusammenarbeit hervorragend klappt“, so Hartmann. „Wir werden Dich als zweiter Bürgermeister vermissen, weil Du für die Stadt ein Aushängeschild warst“, sagte CSU-Stadtrat Toni Sorcan.

Lob für Renate Schweiger

Wie Christian Prasch sagte, habe er seine berufliche Chance nutzen wollen. Als er die Zusage für die Stelle im September bekommen habe, sei ihm „auf einmal klar gewesen, dass parallel beide Ämter nicht zu vereinbaren sind“. Es falle ihm nicht leicht das Amt des zweiten Bürgermeisters zurückzugeben. Während seiner Einarbeitungszeit habe er gemerkt, dass seine Entscheidung „richtig ist“. Rückblickend auf seine Amtszeit als Vize sagte er, der Bürgermeister und er „waren loyal zueinander“, zusammen sei einiges bewegt worden. Prasch dankte den Stadträten sowie den Mitarbeitern der Stadt. Christian Prasch erntete Beifall, ebenso wie Stadträtin Renate Schweiger. Ihre Entscheidung, aus dem Gremium auszuscheiden, bedauerte Bürgermeister Hartmann. Er sprach von einer guten Partnerin in der politischen Arbeit. Sie habe sehr aktiv und engagiert im Stadtrat mitgearbeitet. Wenn ihr etwas gegen den Strich gegangen sei, habe sie klar formuliert, so der Bürgermeister. Ganz unbedarft sei sie 2008 in den Stadtrat gekommen, sagte Renate Schweiger rückblickend. Zwei Dinge seien sehr wichtig, Klarheit und Wahrheit. In den acht Jahren Stadtratstätigkeit habe sie viele Erfahrungen gemacht. Aus privaten Gründen scheide sie frühzeitig aus dem Stadtrat aus – „mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“

Interessenten verfolgen die Stadtratssitzung im Deutschen Hof. Foto: Bachmeier-Fausten

Für die Wahl zum Vize-Bürgermeister schlug Christian Prasch seinen CSU-Fraktionskollegen Josef Pletl vor, Prasch wies darauf hin, dass bei der Kommunalwahl 2014 die CSU zur stärksten Fraktion gewählt worden sei und der Wählerwille „heute wieder eine Rolle spielen soll“. Heribert Schwindl brachte für die Freien Wähler den Kandidatenvorschlag Ludwig Birkl und Christiane Lettow-Berger schlug von den Grünen Franz Aunkofer vor. Das Ergebnis im ersten Wahlgang: Aunkofer acht Stimmen, Birkl sechs Stimmen, Pletl zehn Stimmen. Damit waren Franz Aunkofer und Josef Pletl in der Stichwahl, für die flugs von der Verwaltung gelbe Stimmzettel angefertigt wurden.

Bürgermeister Hartmann (r.) und der neu gewählte zweite Bürgermeister Franz Aunkofer Foto: Bachmeier-Fausten

Um 17.22 Uhr hatten Bürgermeister und Stadträte zum zweiten Mal gewählt. Biobauer Franz Aunkofer (65) hob die Hände als sein Sieg bekanntgegeben wurde. Stadträtin Christiane Lettow-Berger umarmte ihn. Bürgermeister Horst Hartmann vereidigte den neuen zweiten Bürgermeister der Kreisstadt Kelheim, Franz Aunkofer, der ab 1. Januar im Amt ist. Der Herrnsaaler bekam vom Bürgermeister auch die Amtskette umgehängt. Hartmann sprach von einer offenen, konstruktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit.

Interview mit Franz Aunkofer

Herr Aunkofer, Sie waren kurz vor der Sitzung noch unschlüssig, ob Sie kandidieren – warum?

Ich hatte keine Zusage, die mir die Mehrheit verschafft hätte.

Warum haben Sie dann doch kandidiert?

Weil ich die Zusage um 13.58 Uhr doch noch bekam.

Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass Sie der Favorit bei der SPD waren?

Das Verhältnis zur SPD beziehungsweise zum SPD-Bürgermeister war schon immer von gegenseitigem Respekt gekennzeichnet. Mit dem Bürgermeister habe ich mich seit seiner Wahl schon immer gut verstanden.

Sie haben richtig erlöst gewirkt, als das Stichwahlergebnis bekanntgegeben wurde. Waren Sie nervös während der Wahl?

Es war ungewöhnlich für mich, dass meine Hand beim Einwerfen des Stimmzettels zitterte. Ich habe kein so klares Ergebnis mit 14:10 erwartet. Ich dachte, es würde knapper. Umso größer war natürlich meine Freude.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Ich bin jetzt Stellvertreter des ersten Bürgermeisters und werde sicher versuchen, die Zusammenarbeit konfliktfrei zu gestalten. Ich habe die letzten 26 Jahre mehrmals erlebt, wenn sich erster und zweiter Bürgermeister nicht verstehen, ist das immer auch schlecht für die Stadt. Das möchte ich in jedem Fall vermeiden. Ich habe mit dem Bürgermeister ein Gespräch geführt, wo ich mich informierte, was auf mich zukommt. Es wird sicher ein neues Anforderungsprofil für mich sein.

Was wird sich durch Ihr künftiges Amt in Ihrem Privatleben ändern?

Laut Bürgermeister Hartmann ist der Zeitaufwand für den zweiten Bürgermeister überschaubar.

Was wünschen Sie der Stadt Kelheim für das neue Jahr?

Einen konstruktiven, (welt-)offenen Stadtrat.

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