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Samstag, 18. November 2017 5

Serie

Hier ist tonnenschwere Maßarbeit gefragt

Ausbildungsserie: „Anlagenmechaniker Apparate- und Behälterbau“ müssen kräftig zupacken können – das aber mit viel Augenmaß.
Von Martina Hutzler

  • Tobias Karl beim „Anreißen“: Auf dem künftigen Tragrahmen für einen Luftkühler wird die Position von Bohrlöchern vermessen und markiert. Nicht nur hier ist präzises Arbeiten gefragt. Fotos: Hutzler
  • Schutzkleidung ist oft Pflicht. Hier wird eine Schweißnaht mit der Flex gegengeschliffen.

Kelheim.Von weitem wirken Industrie-Riesen wie die Neustädter Raffinerie wie ein großes Ganzes, aus dem es raucht und dampft. Doch das große Ganze besteht aus vielen einzelnen Elementen wie Apparaten, Behältern, Rohren, Tanks. Solche tonnenschweren, oft meterlangen Teile entstehen in den Werkshallen der A.&C. Kosik GmbH in Kelheim-Hohenpfahl – und Tobias Karl lernt, wie man sie aus verschiedenen Metallwerkstoffen baut: Er ist Auszubildender zum „Anlagenmechaniker Apparate- und Behälterbau“.

Schon in der Schule war dem heute 18-Jährigen klar: „Ein Bürojob würde mir gar nicht gefallen“. Etwas Handwerkliches lernen, bei dem man etwas baut, wollte der Kapfelberger. Nach einer Berufsfindungswoche an der Wittelsbacher Mittelschule und einem Praktikum bei Kosik bewarb er sich dort – und bekam eine Zusage.

Tobias Karl zusammen mit Ausbildungsleiter Richard Schaible

„Wir legen ganz viel Wert auf Schüler-Praktika“, bestätigt Richard Schaible, Ausbildungsleiter für den gewerblich-technischen Bereich bei Kosik. Eine Woche lang erkunden interessierte Jugendliche die Welt der Azubis und Facharbeiter: Erst sind die Praktikanten zwei Tage lang im IHK-Berufsbildungszentrum (BBZ), das sich direkt neben den Werkshallen befindet und von Seniorchef Christian Kosik einst mitbegründet wurde. Weitere drei Praktikumstage verbringen Schüler dann im Betrieb, wo sie möglichst schon mitarbeiten. Für die jungen Leute, aber auch für Schaible und die drei Meister, die später die Azubis betreuen, ist es ein Test, ob die Interessenten und der Betrieb zueinander passen.

Meister Stefan Landfried erklärt dem Azubi anhand eines Planes die Vorgehensweise.

Seitens der Jugendlichen setzt das voraus, dass sie einerseits kräftig anpacken können, andererseits fingerfertig sind. Denn die Ausgangs- und Endprodukte sind einerseits groß und schwer: „Zwar erledigen Maschinen die Hauptarbeit. Aber Kraft ist trotzdem nötig, wenn man zum Beispiel mal schwere Befestigungsketten einhängen muss“, erklärt Ausbildungsleiter Schaible. Andererseits sind die Endprodukte später oft enormen Belastungen wie Hitze oder Druck ausgesetzt – und das halten sie nur aus, wenn der Anlagenmechaniker präzise und fehlerfrei gearbeitet hat. Als Vorlage dienen technische Zeichnungen, „deshalb brauchen Anlagenmechaniker auch räumliches Vorstellungsvermögen, um sich in solche Zeichnungen eindenken zu können“. Im Vorteil ist, wer in der Schule den technischen Zweig belegt hatte. „Physik, Chemie, Rechnen und Werken zum Beispiel sind wichtige Fächer. Aber auch wer sein Interesse dafür erst am Ende der Schullaufbahn entdeckt, kann den Beruf erlernen“, sagt der Ausbildungsleiter.

Bei Mittelschülern legt er Wert auf den Quali; generell sollten Bewerber Noten mindestens „um die Drei herum“ mitbringen. Wo’s im Schulischen hapert, vermittelt Schaible aber notfalls auch ausbildungsbegleitende Hilfen der Arbeitsagentur. Meist seien die jungen Leute bereit, zusätzlich zu pauken. „Ich versuche ihnen zu vermitteln: Ihr lernt in erster Linie für Euch selbst!“

Basics im Berufsbildungszentrum

Fachlich startet man in der Berufsschule – in Kelheim – mit den Grundlagen und auch im Betrieb. Tobias Karl, nun im dritten Lehrjahr, blickt zurück: „In den ersten drei Monaten hab’ ich den Grundlehrgang besucht“, gleich nebenan im Berufsbildungszentrum, das viele regionale Metallbaubetriebe nutzen. „Feilen, bohren, kanten“ und andere Grundlagen lernte Tobias dort, ehe er in den Kosik-Werkshallen an die Arbeit ging.

Noch weitere vier Wochen im BBZ sieht das erste Lehrjahr vor; ansonsten aber gilt für die angehenden Anlagenmechaniker „Learning by Doing“ im Betrieb. Bleche vorbereiten vor dem Rundwalzen, so lautete zum Beispiel einer der ersten „Aufträge“ für Tobias: „Ich bin am Anfang eingewiesen worden , wie man Schweißkanten fertigt – ,knabbern’ heißt das. Und dann hat’s geheißen: ,Jetzt kannst Du das selbst machen. Aber wenn ich fachlich etwas nicht verstehe oder ein Problem hab’, kann ich einen der Gesellen fragen.“

Mit hydraulischer Hilfe wird hier eine Luftkühlerkammer „nachgerichtet“, also nachkorrigiert. Azubi Tobias Karl geht hier seinem Namensvetter Tobias Heidler zur Hand.

„Das ist das beste Team: ein Geselle und ein Auszubildender“, erklärt Stefan Landfried, der als Meister für den Schweiß-Bereich zuständig ist. Und am lehrreichsten sei es für einen Lehrling, wenn er beim Bau eines Produkts von Anfang bis Ende beteiligt ist. Jedenfalls bei den Arbeitsgängen, die ihn betreffen. Denn die „Anlagenmechaniker Apparate- und Behälterbau“ arbeiten zum Beispiel Hand in Hand mit den „Anlagenmechanikern Schweißtechnik“, erklärt Landfried. Trotzdem lernt auch Tobias das Schweißen, denn er braucht es für das „Anheften“, das provisorische Zusammenfügen von Teilen. Aktuell hilft er beim Bau von Tragrahmen für Luftkühler, genauer: beim „Anreißen“. „,Man markiert, wo später die Bohrungen hinkommen“, erklärt er und greift zu Wasserwaage, Maßband und der Reißnadel. „Wichtig ist, dass man das Maßband straff hält“ – sonst stimmen die Messungen nicht. Und das wäre für die gesamte weitere Fertigung fatal.

Qualitätssicherung ist wichtig. Hier führt ein Mitarbeiter an einem Behälterdeckel eine Druckprüfung durch.

Aber das gilt eigentlich für alle Arbeitsschritte, betont Stefan Landfried: Die Kunden, aber auch Prüfer wie der TÜV stellen strenge Anforderungen an die Einhaltung von Materialvorgaben, Abmessungen und anderen Qualitätskriterien; in der Halle gibt es sogar eine eigene Röntgenkammer, in der etwa Schweißnähte auf Exaktheit geprüft werden. Das Qualitätsdenken sei der Grund, „warum wir so viel Energie in die Ausbildung eigener Mitarbeiter stecken: Sie sind unser größter Erfolgsfaktor“, erklärt Geschäftsführer Alexander Kosik.

Geschäftsführer Alexander Kosik

Hinzu kommt, „dass wir keine Serien-Fertiger sind“, schildert Stefan Landfried: Jedes Werkstück hat seine spezifischen Anforderungen. Deshalb brauchen auch Gesellen noch Jahre, bis sie im Beruf richtig sattelfest sind. Und: „Es vergehen von der Auftragserteilung bis zur Fertigstellung eines Stücks schnell mal 1000 Arbeitsstunden und mehr.“ Der Zeitdruck ist trotzdem oft groß, weil der Kunde ein wichtiges Teil schnellstmöglich ersetzt oder repariert haben will. „Dem muss man gewachsen sein: Wenn’s pressiert, wird’s schon mal lauter“, hat Tobias Karl mittlerweile gelernt.

Mit der Lehre ist es nicht getan

Der enge Kunden-Bezug führt Anlagenmechaniker nach der Ausbildung oft auf Montage, um etwas einzubauen oder zu reparieren. Mit Gesellenbrief hat man bei Kosik beste Chancen, bestätigt Richard Schaible: „Wenn die Leistung passt, wollen wir die Leute unbedingt halten“. Viele qualifizieren sich später betriebsintern weiter, leiten dann zum Beispiel selbst Baustellen. Andere peilen den Meisterbrief an, oft noch ergänzt um den Technischen Betriebswirt (IHK). Der Gesellenbrief ebnet ferner den Weg zum Maschinenbau-Techniker oder auch zu FOS und BOS.

Der Beruf im Steckbrief

  • Die Tätigkeit im Überblick

    Anlagenmechaniker/innen fertigen Bauteile und montieren sie zu Baugruppen, Apparaten, Rohrleitungssystemen und Anlagen. Sie kümmern sich auch um Instandhaltung, Erweiterung, Umbau. Jobs gibt es z.B. in der Metallindustrie, in Unternehmen für Erdöl- und Erdgasförderung und in Raffinerien, bei Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerken, in der chemischen Grundstoffindustrie.

  • Voraussetzungen

    Nötig sind handwerkliches Geschick und technisches Verständnis (z.B. beim Einbau von Steueranlagen) sowie Sorgfalt, etwa bei Schweißarbeiten. Gefasst sein sollte man auf Arbeit teils auch im Freien, wechselnde Baustellen sowie Lärm in Werkstätten, mitunter auf Schichtarbeit.

  • Die Ausbildung im Überblick

    Anlagenmechaniker/in ist ein 3,5-jähriger Ausbildungsberuf in der Industrie. Die Ausbildung wird je nach Betrieb vertieft: z.B. Anlagenbau, Apparate- und Behälterbau, Instandhaltung, Schweißtechnik. Die Abschlussprüfung ist zweiteilig: Teil eins wird vor Ende des 2. Ausbildungsjahres abgelegt und geht mit 40 Prozent in das Gesamtergebnis ein. Teil 2 findet am Ende der Ausbildung statt.

  • Im Ausbildungsbetrieb lernen die Auszubildenden u.a. Werkstoffe kennen, ihre Eigenschaften, Verwendung und den Umgang damit. Sie lernen, Anlagen und Anlagenteile sowie Betriebsmittel zu pflegen und zu warten und dies auch zu dokumentieren.
    Vermittelt wird, wie man Rohre, Bleche und Profile warm und kalt umformt. Ferner erlernt man, wie man Rohrleitungs- Schweiß- und Montagepläne und andere Pläne liest und anwendet; ebenso, wie man Bauteile einer Sichtprüfung unterzieht.
    Man muss Steuerungstechnik anwenden und die zugehörigen Unterlagen auswerten. Auch geht es um das wirtschaftliche und termingerechte Planen von Arbeitsabläufen. Weitere Themen sind Qualitätssicherung und Umweltschutz-Vorgaben.

  • Die Berufsschule vermittelt Kenntnisse wie Montieren und Transportieren von Bauelementen oder Herstellen von einfachen Baugruppen. Man hat auch allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Wirtschafts-, Sozialkunde.

  • Quelle /mehr Infos: Bundes-Arbeitsagentur ;

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