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Samstag, 18. November 2017 5

MZ-Ausbildungsserie

Retten und helfen als Beruf

Maximilian erlernt beim Roten Kreuz Kelheim den Beruf des Notfall-Sanitäters. Das ist auch für seine Ausbilder etwas Neues.
Von Martina Hutzler

An einer Spezial-Puppe übt Maximilian einen Aspekt der Wiederbelebung: die Beatmung mit einem „Larynx-Tubus“. Foto: Hutzler

Kelheim. Neu ist eine Ausbildung ja vor allem für den Auszubildenden. Aber der Beruf, den Maximilian Eder beim Roten Kreuz Kelheim lernt, ist auch für seinen Arbeitgeber neu: Der 18-jährige Maximilian ist einer der ersten Notfall-Sanitäter, die das BRK Kelheim ausbildet. Nach erfolgreichem Abschluss der dreijährigen Schul- und Praxis-Phasen wird Maximilian bereit sein, die Verantwortung im Rettungswagen zu übernehmen. Bis dahin hat er viel zu lernen: über Notfall-Medizin, über den Körperbau und die Abläufe im menschlichen Organismus, über Einsatztechniken, rechtliche Aspekte des Rettungsdienstes und Anderes. Der Beruf passt gut zu ihm, findet der Realschul-Absolvent: „Es macht mir Spaß, Leuten zu helfen, und ich bin medizinisch interessiert.“

Noch vor zwei, drei Jahren wäre Maximilian Rettungsassistent geworden, nach einem Jahr Fachschule und einem Jahr Praktikum. Künftig bildet das Rote Kreuz nur noch Notfall-Sanitäter aus, erklärt Rettungsdienstleiter Stephan Zieglmeier. Viele werden wohl so zu diesem Beruf finden wie Maximilian: „Ich war schon im Jugend-Rotkreuz aktiv“. Ein medizinischer Beruf reizte ihn, und so hat er eine Woche lang ein Schnupper-Praktikum absolviert, durfte als „dritte Kraft“ im Rettungswagen mitfahren und der zweiköpfigen Standardbesetzung über die Schulter schauen.

Praktikum vorab ist sinnvoll

„Ein solches Praktikum würd’ ich unbedingt empfehlen“, sagt der Auszubildende, der offiziell eigentlich „Notfallsanitäter-Schüler“ heißt. Denn im Praktikum kann man sich testen: Kippt man beim ersten Tropfen Blut oder Erbrochenem gleich aus den Latschen? Ist man schon fertig, bis man, samt Ausrüstung, nach vier Stockwerken Treppenhaus überhaupt mal am Einsatzort ist? „Der Beruf kann schon körperlich anstrengend sein“, gibt Rettungsdienst-Leiter Zieglmeier zu bedenken.

Gefragt nach den wichtigsten Eigenschaften, fällt Maximilian aber als erstes ein: „Man sollte sozialkompetent sein. Also zum Beispiel ruhig und einfühlsam sprechen, Ruhe ausstrahlen, nicht ausfallend werden“. Anlass zum Ärgern hätte man schon ab und zu: „Es gibt durchaus auch kritische Patienten, die zum Beispiel leicht aggressiv werden können“, weiß Ausbilder Stefan Schinn aus langjähriger Erfahrung. Sei es krankheitsbedingt, sei es, weil sie alkoholisiert oder unter Drogen sind: Nicht alle Patienten sind den Einsatzkräften wohlgesonnen. „Man muss prinzipiell auf alles gefasst sein, bis hin zum Anspucken oder zu Attacken“, sagt Stefan Schinn.

Ruhe und Gelassenheit helfen, sind aber nicht zu verwechseln mit Trantütigkeit! „Man muss sein Hirnkastl schon einschalten, um zu überlegen, wie und was man in einer konkreten Situation macht. Aber man darf nicht stundenlang dafür brauchen!“, erklärt Maximilian. Besonnen und zugleich zügig zu arbeiten, erlernt er seit Oktober 2015 Schritt für Schritt. „Es ist ein strukturiertes Lernen, vom Kleinen angefangen bis hin zu großen Einsätzen“, schildert Lehr-Rettungsassistent Stefan Schinn, der in der neuen Ausbildung nun „Praxisanleiter“ heißt.

Im „Kleinen“ anfangen, das heißt für Maximilian in den praktischen Ausbildungsblöcken derzeit: Dienst in einem der Krankentransportwagen des BRK. Hier sind die Einsätze in der Regel gut planbar; man weiß, welchen Patienten mit welcher Erkrankung man zum Beispiel von zu Hause in eine Praxis oder ein Krankenhaus fährt und zurücktransportiert. Hier kann Maximilian Sicherheit im Umgang und im Gespräch mit kranken Menschen gewinnen. „Das hört sich vielleicht unspektakulär an. Aber vieles ist gar nicht so einfach, zum Beispiel, wenn es um Zwangseinweisungen geht oder um Patienten, die hochinfektiöse Krankheiten haben.“ Und es kann unversehens ernst werden: Zwei Mal wurden beim Transport schon eine Wiederbelebung (Reanimation) erforderlich. Dabei war Maximilian bislang freilich nur der Zuschauer.

Schrittweise mehr Verantwortung

„Bis zum Ende des dritten Lehrjahres wird er vom Beobachter immer mehr zum Beobachteten“, erklärt Stefan Schinn: Schrittweise wird der Schüler Aufgaben übertragen bekommen, und der Ausbilder, der immer dabei ist, zieht sich aufs Beobachten zurück, greift nur noch bei Bedarf ein. Dazu sei es wichtig, Einsätze im Nachhinein in Ruhe durchzusprechen, erklärt Ausbilder Schinn. Vorm Patienten, noch dazu in einem Notfall, wäre es natürlich unmöglich, dem Schüler jeden Handgriff zu erklären.

Die praktische Ausbildung an der Lehr-Rettungswache wechselt sich ab mit Unterrichtsblöcken an der Rettungsdienstschule in Schwabmünchen. „Dort lernen wir etwas über Notfallmedizin, über Anatomie und Physiologie, über die Geschichte des Rettungsdienstes“, nennt Maximilian einige Beispiele. Auch Einsatz-Taktiken werden gelehrt: angefangen vom Absetzen von Funksprüchen bis hin zur Frage, wie und wo man zum Beispiel an einem Unfallort den Rettungswagen abstellt oder wie es sich mit den Hierarchien bei einem Einsatz verhält. Denn gerade weil an Einsatzorten oft Chaos herrscht, ist es wichtig, dass die Profi-Retter strukturiert arbeiten. Damit die künftigen Sanitäter wissen, wie es mit den Patienten weitergeht, wenn sie im Krankenhaus sind, gehören ferner drei mehrwöchige Praktikumsblöcke in einer Klinik zu der dreijährigen Ausbildung.

An deren Ende steht eine staatliche Prüfung. Hat Maximilian sie bestanden, ist er fertig ausgebildeter Notfall-Sanitäter – und bleibt doch auch danach noch ein Lernender. Denn so sehr die Ausbildung ein strukturiertes Vorgehen am Einsatzort vermittelt, so unstrukturiert bleibt die Arbeit als solche: Jeder Notfall verläuft anders, jeder Einsatzort hat eigene Herausforderungen; ein Rettungsdienstler weiß morgens – oder wann immer die Schicht beginnt – nicht, wer und was ihn oder sie in den nächsten Stunden erwartet.

Die Patienten sind die Motivation

Ein Zuckerschlecken ist der Beruf also nicht. „Aber er gibt unheimlich viel Motivation her!“, schwärmt Stefan Schinn. Und meint damit vor allem das Wissen, einem Patienten bestmöglich geholfen zu haben. Allein schon das Eintreffen am Einsatzort nehme bei den oft gestressten und geschockten Beteiligten, Umstehenden, Angehörigen „ganz viel Stress raus“, beschreibt es Stefan Zieglmeier. Manche vergessen das auch danach nicht: „Mitunter schreiben uns Patienten oder Angehörige, oder sie kommen sogar vorbei und bedanken sich.“

Das Rote Kreuz im Kurzporträt

  • Historie

    Das Rote Kreuz als neutrale Hilfsorganisation ist eine „Erfindung“ von Henry Dunant: Er wurde Augenzeuge einer er blutigsten Kriegsschlachten der Geschichte, bei der über 40 000 Verwundete und Sterbende kaum ärztlich versorgt werden konnten. Unter diesem Eindruck gründete er 1863 das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. Seither wurde daraus die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung, zu der auch das Deutsche Rote Kreuz gehört.

  • Struktur

    Im Jahr 1922 wurden die bis dahin entstandenen regionalen deutschen Rotkreuzverbände zum Deutschen Roten Kreuz (DRK) zusammengefasst. Das DRK gliedert sich heute in 19 Landesverbände und in den Verband der Schwesternschaften. Der größte Landesverband ist das Bayerische Rote Kreuz (BRK). Es hat fünf Bezirksverbände und 74 Kreisverbände. Einer davon ist der BRK-Kreisverband Kelheim. Dessen Zentrale ist in der Abensberger Straße in Kelheim beheimatet.

  • Tätigkeit

    Eine Aufgabe des BRK-Kreisverbands Kelheim ist die Durchführung des Rettungsdienstes im Landkreis Kelheim. Im Kreisverband sind über 120 Mitarbeiter/-innen haupt-, neben- und ehrenamtlich aktiv in der Notfallrettung und darüber hinaus im qualifizierten Krankentransport (z.B. Fahrten in die Klinik oder zum Arzt).

  • Einsatz

    Über 1500 Mitglieder sind in 19 Bereitschaften, Wasserwacht, Bergwacht und in Jugendrotkreuzgruppen im Landkreis Kelheim tätig.

  • Quelle: BRK Kelheim

Maximilian und sein Ausbilder Stefan Schinn vom BRK Kelheim stellen die Ausbildung zum Notfall-Sanitäter vor.

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