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Jahreswechsel

Tierquälerei – die Polizei ermittelt

Fischereivereinsvorsitzender Manfred Beck ist entsetzt vom Zustand des alten Hafens nach Silvester.
Von Renate Beck

Raketenabschussrampe „Alter Hafen“ – die Reinigung der Eisfläche stellt den Kreisfischereiverein nun vor Probleme. Inzwischen ermittelt auch die Polizei. Foto: Weigert

Kelheim. Schockierendes Bild am Neujahrstag am alten Hafen in Kelheim: Dort, wo der Kreisfischereiverein im Sommer die Kaimauer erneuert und mit viel ehrenamtlichem Einsatz das Hafenbecken von Unrat befreit hat, liegen auf einem weiten Feld verteilt eine Menge abgebrannter Feuerwerkskörper. Beobachtungen zur Folge wurden die Raketen auf dem Eis liegend gezündet. In Folge haben die sich dann unkontrolliert im Hafenbecken verteilt. Nicht nur auf der gepflasterten Fläche neben dem historischen Hafenkran, schlimmer noch: auf der gefrorenen Wasseroberfläche sammelten sich die vielen Reste der Raketen, Silvesterkracher und Bierflaschen. Der zwischen dem Müll aufgefundene Karton offenbarte nicht nur eine Lieferanschrift, sondern auch das Gewicht des Inhaltes: über 21 Kilogramm Feuerwerkskörper. Inzwischen ermittelt auch die Polizei.

„Auf dem befestigten Uferbereich lässt sich der Müll ja relativ einfach beseitigen, auf der Wasseroberfläche wird dies ein großes Problem“, so Manfred Beck vom Kreisfischereiverein Kelheim gegenüber unserem Medienhaus. Der Verein hat dieses Gewässer gepachtet. Der Müll auf der Wasseroberfläche solle schnellstmöglich beseitigt werden. Noch ist jedoch unklar, wie das bewerkstelligt werden soll. Momentan sei die Eisfläche zu dünn, also nicht tragfähig. Andererseits aber doch so dick, dass ein Vorwärtskommen mit Booten nicht möglich sei. Gemeinsam mit den zuständigen Behörden werde eine Lösung gesucht, den Abfall so rückstandslos wie möglich aus dem Wasser zu entfernen.

Entsetzt blickt Manfred Beck über Hafenbecken. Die dünne Eisschicht ist übersät mit den Überresten hunderter Silvesterkracher Foto: Beck

Wie geht es Ihnen, Herr Beck, bei diesem Anblick?

Es stimmt mich besonders traurig, weil wir in den vergangenen Wochen und Monaten mit viel personellen und finanziellen Mitteln dieses Gewässer nach der Entschlammungsaktion im August mit vielen Fischen verschiedener Arten neu besetzt haben. Silvesterfeuerwerk an sich ist ja in Ordnung, aber – muss das auf der Eisfläche abgebrannt werden? Dazu noch in diesem Ausmaß?

Hat das Auswirkungen auf die Fische?

Ja, klar. In erster Linie durch die Lärmbelastung. Die Körperfunktionen der wechselwarmen Tiere sind bei diesen Temperaturen auf ein Minimum zurückgefahren. Durch die Explosion der Feuerwerkskörper direkt auf der Eisfläche werden sie brutal aus der Winterruhe gerissen. In Folge dessen ist zu befürchten, dass viele Fische diesen Schock nicht überleben werden. Außerdem enthalten die Verbrennungsrückstände der Feuerwerkskörper giftige Bestandteile, unter anderem auch Schwermetalle, die das Gewässer vergiften, sobald das Eis schmilzt.

Kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch was retten?

An den Schäden, die durch die Störung der Winterruhe verursacht wurden, kann man nichts mehr retten. Das volle Ausmaß wird sich wohl auch erst in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Für mich ist dies nichts anderes als Tierquälerei!“

Wird das Auswirkungen auf nächstes Jahr haben?

Wenn die Vernunft nicht vorhanden ist, müssen wohl Verbote her. Missbrauch von Feuerwerkskörper an dieser Stelle bedeutet ja auch eine Gefahr für das historische Hafengebäude in Holzbauweise.

Der Müll blieb zurück. Foto: Beck

Helfer des Kanuclubs, der das alte Hafengebäude auf dem Gelände gemietet hat, beseitigten am frühen Montagmorgen den Müllberg. Das öffentlich zugänglich Gelände am Alten Hafen ist immer wieder beliebter Ort für private Partys. Schon in der Vergangenheit hatte Marianne Fruth, Vorsitzende des Kanuclubs unserem Medienhaus gegenüber beklagt, dass Unbekannte ihren Müll hinterlassen und dieser dann von Vereinsmitgliedern beseitigt werden müsse.

Die Polizei ermittelt inzwischen wegen Gewässerverunreinigung – bei Tauwetter können Schadstoffe der gezündeten Feuerwerkskörper in das Gewässer gelangen – und Tierquälerei.

Hinweise an die PI Kelheim, Telefon (09441) 5042-0.

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