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Sonntag, 19. November 2017 7

Einsatz

400 Meter Sperre über die Donau gelegt

Sieben Feuerwehren aus dem Landkreis Kelheim und Regensburg und das Technische Hilfswerk testen den Ernstfall eines Öllecks.
Von Benjamin Neumaier

  • Entlang des Ufers wird die 400 Meter lange Ölsperre ausgelegt. Bei der Großübung am Samstag waren die Feuerwehren aus Abensberg, Bad Abbach, Kelheim, Saal, Kapfelberg, Poikam und Pentling mit insgesamt gut 90 Einsatzkräften beteiligt. Dazu kamen weitere zehn Mann des Technischen Hilfswerks, die bei der Übung mit mehreren Booten die Einsatzstelle gegen den Schiffsverkehr absicherten. Foto: Neumaier
  • Mit einer Winde wird die Ölsperre festgezurrt. Foto: Neumaier
  • Auf vier Anhängern wurde die Ölsperre geliefert. Foto: Neumaier
  • Mit vereinten Kräften wird die Ölsperre eingebracht. Foto: Neumaier
  • 360 Meter quer über die Donau läuft die Ölsperre. Foto: Neumaier
  • Kreisbrandrat Nikolaus Höfler (Mitte) schaut noch skeptisch – doch alles lief gut. Auch Landrat Dr. Hubert Faltermeier (3. v. r.) begutachtete die Übung. Foto: Neumaier

Kelheim.Die Lage wirkt entspannt: Am linken Donauufer bei Poikam liegen ein paar Feuerwehrmänner im Gras, ein Boot der Feuerwehr Bad Abbach tuckert langsam quer über die Donau, ein laues Lüftchen weht über das Wasser, die Sonne strahlt. Doch der Schein trügt – es herrscht Hochspannung: Zum einen bei der 400 Meter langen Ölsperre – eine der längsten ihrer Art –, die quer über die Donau gezogen wird und zum anderen bei Kreisbrandrat Nikolaus Höfler. Er organisiert und überwacht eine der umfangreichsten Übungen der Kelheimer Rettungskräfte.

Der Zeitplan ist eng, die Aufgabe fordernd – Straßen sind gesperrt, mehrere Feuerwehr-Lkw und Boote von sieben Wehren sind im Einsatz, 100 Feuerwehrler tummeln sich rechts und links der Donau. Dazu gesellt sich das THW, das mit mehreren Booten die Einsatzstelle gegen den Schiffsverkehr abriegelt. Geprobt wird der Ernstfall, ein Leck in der Öl-Pipeline oder ein Tankschiff, das Öl verliert.

Trotz des angenommenen Supergaus, herrscht Ruhe: Meter für Meter rollen die Männer den orangefarbenen Ölsperrschlauch von den Anhängern – 200 Meter kommen aus Bad Abbach, 100 aus Abensberg weitere 100 Meter aus Pentling –und legen ihn in 50 Meter Schlaufen auf dem Schotterweg ab. Zwischendrin hüpfen Fotografen herum, zwei Drohnen kreisen über der Einsatzstelle – die Übung wird dokumentiert, aus den Fotos und dem Einsatzprotokoll ein Einsatzplan erstellt.

Nach knapp 25 Minuten sind die 400 Meter abgewickelt, wie eine riesige Würgeschlange liegt die Ölsperre nun im Schatten der Ufersträucher und wartet auf den Moment, zuzubeißen. Nun wird es etwas hektischer – aus zig Funkgeräten schallen Kommandos, Feuerwehrmänner wuseln hin und her, Boote nähern sich dem rechten Ufer. Am orangen Ungetüm wird jede Verbundstelle – die Ölsperre besteht aus 10 Meter langen Einzelstücken – überprüft. Das Material ist neu, erlebt heute seine Premiere, sagt Höfler mit angespanntem Gesichtsausdruck: „Bei der Ölsperren-Übung 2013 hatten wir noch ein anderes System – es wurde verbessert und angepasst. Heute hat es seine Feuertaufe.“

Nun folgt der heikle Teil der Übung

Am Kopf der Schlange – um im Bild zu bleiben – wird der Schwimmer, der auf den ersten Blick einem Anker ähnelt, angebracht. Er wird mit einem Zugseil am Boot der Abbacher Wehr eingehängt. Die Ölsperre ist mittlerweile am Ufer vertäut, nun kann es losgehen – mit dem komplizierten Teil der Übung. 20 Meter der orangen Schlange werden als Uferschutz ausgelegt, die restlichen 380 Meter müssen stromabwärts ausgelegt werden, jeder Handgriff muss sitzen.

Nach knapp 30 Minuten legt das Boot der Abbacher Feuerwehr ab – es hat keine Schraube und ist deshalb optimal geeignet. Stromaufwärts zieht das kleine Gefährt die riesige Schlange hinter sich her – stets knapp drei Meter vom Ufer entfernt. Die Schwierigkeit dabei: Die 380 Meter müssen dabei ständig auf Spannung bleiben. Die Geschwindigkeit ist niedrig, die Konzentration hoch – zwei Mann haben den Schwimmer und die Ölsperre stets im Blick, die nun, wie es scheint, federleicht auf den minimalen Wellen der Donau tanzt.

Langsam wird die Ölsperre quer zur Donau gezogen. Foto: Neumaier

30 Minuten nach dem Ablegen ist es soweit: „Spannung passt“, dröhnt es durch das Funkgerät – nun gibt Höfler den Startschuss: „Ihr könnt gieren“.

Der Teufel steckt im Detail

Das Gieren, also das schräge Treiben des Bootes zur Flussrichtung, ist heikel. Zwar sind die Bedingungen – ruhiges Wasser und beinahe Windstille – top, doch der Teufel steckt im Detail. Meter für Meter schiebt sich das Abbacher Boot Richtung Flussmitte, die orange Schlange im Schlepptau. „Langsamer, langsamer, ihr seid zu schnell“, korrigiert Abschnittsleiter Rott auf Höflers Kommando per Funk. Der KBR weiß, warum er eingreift: „Bei zu hoher Geschwindigkeit lässt die Spannung der Ölsperre nach und es kann sich ein sogenannter Sack oder Bauch bilden. Der ist dann einem noch viel höherem Wasserdruck durch die Strömung ausgesetzt – das ist nicht zu korrigieren und kann das Unternehmen zum Scheitern bringen.“

Höfler weiß, wovon er spricht. Bei der Übung 2013 – allerdings noch mit anderem Material und weit weniger guten Wetterbedingungen – passierte eben das. Das Gieren ging zu schnell, ein Sack bildete sich und unter dem enormen Druck riss eines der Verbindungsstücke – die Ölsperre war passé.

Das sagen die Beteiligten

  • Nikolaus Höfler, Feuerwehr:

    „Ich bin erleichtert – alles ist optimal gelaufen und auch die äußeren Bedingungen waren top. Die Feuerwehren haben super zusammengearbeitet, das THW die Einsatzstelle abgesichert. Schneller als heute, könnten wir die Ölsperre gar nicht aufziehen – wir haben aus den Fehlern von 2013 gelernt, Material und Organisation verbessert. Nun werden wir eine detaillierten Einsatzplan erstellen.“

  • Thomas Weitzel, Mero:

    „Ich glaube man kann von einem optimalen Verlauf sprechen. Gerade bei einer so langen Sperre, ich kenne keine längere Flusssperre, muss alles passen. Wir haben aber alles dafür getan, an Methodik und vor allem dem Material gearbeitet. Das Material ist auf de neuesten Stand der Technik, etwas besseres gibt es nicht – das sollte jetzt 20 Jahre halten. Nun gilt es, das Wissen um den Ablauf zu bündeln, auszuwerten und weiterzugeben – denn nur dann wird auch im Ernstfall alles glatt gehen.“

  • Eriki Färber, TAL (transalpine pipeline):

    „Wir sind bei solch großen Übungen immer vor Ort, beobachten den Ablauf – Mir wäre kein Optimierungspotenzial aufgefallen. Schnell und komplikationslos – so muss es laufen. Alle haben einen super Job gemacht, das Tempo war top. Gerade in einem Fluss wie der Donau ist das bei einer 400 Meter langen Ölsperre keine Selbstverständlichkeit – mein Kompliment an alle Beteiligten.“

  • Andreas Jung, THW:

    „Wir haben heute die Sicherung übernommen, aber bei der Übung wird rotiert. In drei Jahren ziehen wir die Ölsperre – das müssen alle beherrschen. Im Ernstfall wären wir aber wohl für die Entfernung des Öls aus dem Wasser zuständig. Das ist aber bei einer solchen Übung unter Berücksichtigung der Kosten nicht realisierbar. Neben dem Öl-Separationsgerät würden im Ernstfall, je nach Ölmenge, noch Auffangcontainer aufgestellt. Ich denke wir wären, das Aufziehen der Sperre durch die Feuerwehr inbegriffen, in etwa drei Stunden einsatzbereit.“

Doch an diesem Samstag geht alles gut – die Geschwindigkeit passt, die Konstruktion hält. Und während sich das Führungsboot immer weiter dem linken Donauufer nähert, kommt auch dort Bewegung in die Truppe. Ein Schlauchboot legt vom Ufer ab – es übernimmt das Ende der Ölsperre und übergibt das Zugseil an die Mannschaft am Ufer. Dort wird das Seil in eine motorisierte Winde gespannt und festgezurrt.

Auch Höfler ist mittlerweile dort angekommen, gibt ein paar kurze Kommandos, beobachtet und atmet auf – nach knapp einer Stunde und 20 Minuten ist es geschafft, die Ölsperre sitzt perfekt. „Es ist super gelaufen, besser geht es nicht – ich bin erleichtert. Alle haben super zusammengearbeitet, waren schnell und diszipliniert.“

Im Ernstfall würde die Konstruktion noch mit einem Stahlseil gesichert, bliebe wochenlang an Ort und Stelle – an diesem Samstag wird sie sofort wieder aus dem Wasser gezogen, gewaschen und aufgerollt. Nun wirken die Feuerwehrler nicht nur entspannt, sie sind es auch – wie Nikolaus Höfler: „Es hat super funktioniert, aber ich hoffe dennoch, dass wir es nie brauchen.“

Großübung Ölsperre 2015
Mero-Katastrophenschutz Übung 400m-Ölsperre über

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