mz_logo

Gemeinden
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Darmkrebs

Eine preisverdächtige Prosit-Vorsorge

„Das Bier danach“ ist für den Felix Burda Award nominiert. Die Kelheim Aktion gegen Darmkrebs ist nun bayernweit etabliert.
Von Martina Hutzler

Bei der Koloskopie steuert der Arzt von außen eine winzige Kamera durch den Darm. Foto: Archiv

Kelheim.Na Prost: Die Darmkrebs-Vorsorge-Aktion „Das Bier danach“ ist für den „Felix Burda Award“ nominiert, in der Kategorie „Beste Präventionsidee“. Die bayernweite Aktion stammt aus Kelheim – der Chefarzt an der Goldberg-Klinik, Dr. Michael Reng, und der Chef der Weissbierbrauerei Schneider, Georg Schneider hatten die Idee, die Teilnahme an der eher ungeliebten Darmspiegelung mit einem kostenlosen alkoholfreien Weißbier zu „belohnen“. Ob nun die Idee mit Platz eins unter den drei Nominierten belohnt wird, zeigt sich am 26. April im Berliner Hotel „Adlon“.

Bis nach München immerhin hat sich die ungewöhnliche Allianz von Medizinern und Brauern bereits herumgesprochen: Von der dort ansässigen Felix Burda Stiftung wurde Internist Reng ermuntert, eine Bewerbung um den mit 5000 Euro dotierten Preis einzureichen. In jedem Fall dürfte die feuchtfröhliche Kelheimer Initiative mit dem ernsten Hintergrund publikumswirksamer sein als der Vorjahres-Preisträger: Damals war „MACC1 – ein neu identifizierter Biomarker zur besseren Behandlung von Darmkrebs“ als beste Präventionsidee gekürt worden.

Der Verleger Hubert Burda und Dr. Christa Maar haben im Jahr 2001 die Stiftung speziell zur Darmkrebs-Vorsorge gegründet haben. Tragisch war der Anlass: Im Jahr 2001 wurde bei ihrem gemeinsamen Sohn Felix Burda von einem Tag auf den anderen Darmkrebs diagnostiziert – zu spät, als dass ihn die Medizin noch hätte retten können. „Wäre mein Sohn mit 25 zur Darmspiegelung gegangen, dann würde er heute noch leben und könnte seine Kinder aufwachsen sehen“, sagte Christa Maar in einem Interview zum zehnten Stiftungs-Jubiläum.

Aus der zunächst reinen Kelheimer Aktion „Das Bier danach“ ist voriger Jahr ist eine bayernweite geworden. Rund 20 Brauereien im ganzen Freistaat spendieren dafür alkoholfreies Bier. Es steht bei den teilnehmenden Internisten und Gastroenterologen in Arztpraxen und medizinischen Versorgungszentren und Kliniken bereit für all diejenigen, die sich zu einer Darmspiegelung entschließen. Ab einem Alter von 55 Jahren ist es ratsam, sich alle zehn Jahre so einer vielleicht unangenehmen, aber unter Narkose völlig schmerzfreien Untersuchung zu unterziehen; wo Darmkrebs in der Familie schon vorkam, sollte man bereits in jüngeren Jahren mit der Vorsorge beginnen.

Bei der Darmspiegelung (Koloskopie) führt der Mediziner eine winzige Kamera samt Beleuchtung durch den – vorher entleerten – Darm. Am Bildschirm lassen sich so bereits Polypen, kleinste Vorstufen von Darmkrebs, erkennen. Und auch gleich entfernen, durch zusätzlich eingeführte Winzlings-Instrumente. Im Anschluss empfehlen Mediziner seit je her, Flüssiges zu sich zu nehmen, um schnell wieder fit zu werden. Und die spendierte Flasche Bier ohne Alkohol können sie ihren Patienten getrost überreichen – es ist von den Kalorien hr zum Beispiel vergleichbar mit Apfelschorle. Insbesondere im Landkreis Kelheim sei die Aktion mittlerweile „fast schon ein Selbstläufer“ geworden, freut sich Michael Reng: „Das ,Bier danach’ gehört fast so dazu wie der Ouzo beim Griechen“.

Die Darmspiegelung samt ihrem flüssigem Finale kann einem eine spätere Operation, Chemotherapie und noch Schlimmeres ersparen: Immer noch erkranken alljährlich 70 000 Menschen in Deutschland an Krebs, und über 25 000 Patienten verlieren jedes Jahr den Kampf gegen diese Krebsart, die ohne gezielte Früherkennung meist erst zu spät diagnostiziert wird. Nicht ohne Grund ist deshalb der ganze März in Deutschland zum „Darmkrebs-Monat“ deklariert worden.

Trotz dieses ernsten Hintergrunds bleibt bei der Preisverleihung im noblen „Adlon Kempinski“ in Berlin auch Platz für Glanz und Glamour, wie Berichte vergangener Jahre zeigen. Heuer am 26. April wird der Kabarettist Vince Ebert die Veranstaltung moderieren. Über die Nominierung und die Chance, 5000 Euro zu gewinnen und in die Vorsorge-Aktion zu reinvestieren, „freu’ ich mich einfach“, sagt Reng. Auch wenn ihn die Edel-Sause vor ein „eigentlich typisch weibliches“ Problem stellt: „Für so was hab’ ich ja gar nichts zum Anziehen…“

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht