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High Five! Wer hat’s erfunden? Der Gecko

Was technische Innovation mit Natur zu hat? Eine ganze Menge. Schüler der FOS in Kelheim sorgen mit lautem Wumms für Aufsehen
Von Beate Weigert

  • Ford lässt sich beim Forschen nach innovativen Lösungen für eine nachhaltigere Automobilproduktion auch von der Natur inspirieren. Auf der Suche nach alternativen Klebeverbindungen ist der Konzern zum Beispiel auf den Gecko gestoßen. Foto: obs/Ford-Werke
  • Statt Elektro- bzw. Metallpraktikum standen für die 11A erste Versuche in Sachen Bionik auf dem Stundenplan. Fotos: Weigert
  • Michaela Schlosser führte die Ehrengäste und Sponsoren bei der Eröffnung durch die Ausstellung in der Aula der FOS/BOS.

Kelheim.Mit einem lauten Wumms ist in der Aula des Beruflichen Schulzentrums in Kelheim die Bionik-Ausstellung von Radula eröffnet worden. So könnte der Vormittag an der Schützenstraße 30 überschrieben werden. Und in der Tat blickten sich Ehrengäste und Lehrer mehrfach irritiert um, als in Sekundenabständen dicke Wälzer aus Schülerhand auf Tischplatten knallten.

Nein, die Elftklässler des technischen Zweigs der FOS sprengten nicht durch Randale die Veranstaltung. Sie waren hochoffizieller Teil davon. Das Rumsen war elementarer Teil des ersten Selbstversuchs. Er stand quasi im Dienst der Wissenschaft. Schließlich sollten die 16- bis 18-jährigen Schüler im kleinen Stil selbst erfahren, wie sich der Mensch Kniffe der Natur zunutze machen kann.

Der Maulwurf als Problem-Löser

Mit dem Begriff Bionik können viele wohl im ersten Moment nichts anfangen. Es setzt sich zusammen aus Biologie und Technik. Viele technische Errungenschaften hat sich der Mensch von der Natur abgeschaut. Die Nase von Delfinen stand Pate im Frachtschiffsbau. Ein am Bug vorgestülpter Wulst, der aussieht wie die Nase des Meeressäugers, verringert im Wasser den Widerstand von Öltankern und Co., die kleinen Schaufeln des Maulwurfs nahmen sich Bagger-Konstrukteure zum Vorbild und der Autobauer Ford ist vor kurzem auf den Gecko gekommen.

Die kleinen Echsen klettern mühelos über senkrechte, spiegelglatte Oberflächen. Sogar kopfüber kommen sich vorwärts ohne Kraft auszuüben oder klebrige Sekrete abzusondern. Diese Eigenschaften will sich der Autobauer künftig zunutze machen, um unterschiedliche Materialien zu verbinden, ohne dabei am Ende vor einem Recycling-Desaster zu stehen.

Um diese und viele weitere technische Errungenschaften oder Forschungen zur Bionik geht es in der aktuellen Ausstellung von Radula, dem Umweltbildungsteam des Bund Naturschutz. Überschrieben ist sie mit dem Titel „Inspiration Natur“. Das passt perfekt zum Jahresthema „Natur macht schlau“.

Leonardo und Lotus-Effekt

  • Begriff:

    Einer der ersten Bioniker dürfte Leonardo da Vinci gewesen sein. Bereits im 15. Jahrhundert hatte er die Idee, den Vogelflug auf Flugmaschinen zu übertragen. Ein weiteres gängiges Beispiel aus unserem heutigen Alltag sind die Klettverschlüsse, die von Kletten inspiriert sind.

  • Die Bionik

    (auch Biomimikry, Biomimetik oder Biomimese) beschäftigt sich kurz gesagt mit dem Übertragen von Phänomenen aus der Natur auf die Technik. Der Bionik liegt die Annahme zugrunde, dass die belebte Natur durch evolutionäre Prozesse optimierte Strukturen und Prozesse entwickelt, von denen der Mensch lernen kann. Als interdisziplinäres Forschungsfeld zieht die Bionik Naturwissenschaftler, Ingenieure, Architekten, Philosophen und Designer an.

  • Für Schulen und Normalos:

    Die Ausstellung „Inspiration Natur“ des Internationalen Bionik Zentrums Saarbrücken bist bis zum 11. Mai in Kelheim zu besichtigen. Schulklassen können beim Radula-Team kostenlosen Besuch buchen oder die Biologen zu sich in die Schule einladen. Mit ihrer Forscherkiste im Gepäck kommt das Radula-Team dann ins Klassenzimmer. Mit Spielen und Forscherstationen bekommen die Kinder einen ersten Eindruck von der Bionik. Ab der 4. Klasse wird das Angebot empfohlen. Kontakt: Tel. (0 94 44) 98 13 09 oder per E-Mail: post@nahtour.info

  • Die Sonderschau

    hat am Sonntag, 17. April, 14 bis 17 Uhr, für alle Interessierten geöffnet. (re/wikipedia.de)

Herbergssuche war schnell beendet

BN-Kreisvorsitzender Peter Forstner und Michaela Schlosser vom Radula-Team dankten Landrat Dr. Hubert Faltermeier und Schulleiterin Maria Sommerer für die schnelle Hilfe bei der „Herbergssuche“ der 150 Quadratmeter großen Ausstellung. Die Aula der FOS/BOS sei der ideale Raum dafür. Neben der Ausstellung können die Schulen im Landkreis auch Bionik-Workshops in den eigenen Räumen buchen.

Vorher: Vor dem Wumms ein schlichter kleiner Kegel aus Papier...

Während die Ehrengäste und Sponsoren von Raiffeisenbank und Sparkasse eine Führung bekamen, testeten die Schüler der 11 A des Technik-Zweigs der FOS wie schon erwähnt an einer langen Tafel einige Errungenschaften. Radula-Biologe Jürgen Gill hatte dazu einige Experimente mit Papier vorbereitet.

... nachher: eine Imitation von Rosenblättern. Das Experiment sollte zeigen, wie platzsparend sich die Natur organisieren kann.

Die von den Büchern zermanschten Papierkegel sahen hinterher wie Rosenblüten aus. Sie sollten die Organisationsmöglichkeiten der Natur zeigen, so Gill. Auf geringstem Platz in den Knospen sind Blüten und Blätter in Mikrofaltung verpackt, ehe sie in voller Größe zutage treten. Selbst ein verhältnismäßig riesiges Kastanienblatt hat dank ausgetüftelter Faltung Platz in einer winzigen Knospe. Der Mensch ließ sich etwa bei Solarsegeln davon inspirieren.

Miura-ori

Als nächstes wandelten die Schüler auf den Spuren eines Japaners namens Miuara-ori. Der Professor war mit einer speziellen platzsparenden Falttechnik einst Vorreiter für Stadtpläne oder Beipack-Zettel von Medikamenten. Nach so einigem Falten lässt sich ein DIN-A4-Blatt am Ende durch auseinanderziehen und zusammendrücken einfach öffnen und wieder schließen.

Mit einer Büroklammer und einer anderen Technik bauten die Jugendlichen einen Wirbelflieger. So wie die fertigen Exemplare aus luftiger Höhe auf die Mitschüler niedersegelten. So macht es in der Natur der Ahornsamen. Er plumpst nicht einfach senkrecht vom Baum. Mit seiner Wirbelform schafft er es weiter weg und kann so einen idealen Standort finden und selbst zum Baum werden.

Zur Stärkung gab’s auch einen Pausen-Snack von der Natur. Von Michaela Schlosser selbst gemachte Kräuterlimonade und eine Dose voller Bärlauch-Bären. Danach konnte wer wollte eigenständig die Ausstellung entdecken. Sie zeigt, wie der selbstreinigende oder -trocknende Lotuseffekt funktioniert, dass Libellen Vorbild für Flugzeuge waren oder dass der Eiffelturm in Paris viel Ähnlichkeit mit dem Innern eines Knochens hat.

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