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Dienstag, 17. Oktober 2017 20° 2

Interview

Sie zeichnete den ersten Pumuckl

Die Künstlerin Barbara von Johnson zeigt bei Jahresausstellung in Kelheim den frechen Kobold, aber auch viele andere Werke.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Barbara von Johnson zeigt eines ihrer Pumuckl-Werke, die sie in Kelheim ausstellt. Foto: Bachmeier-Fausten

Kelheim.Die Münchnerin Barbara von Johnson ist die Gastausstellerin der Jahresausstellung der Gruppe Kunst der Weltenburger Akademie im Donau-Gymnasium Kelheim, die am Donnerstag, 21. August, abends eröffnet wird und bis 30. August stattfindet. Die Künstlerin hat Pumuckl als 21-Jährige gezeichnet und wurde mit dem frechen Kobold bekannt. Im MZ-Interview bezeichnet die 73-Jährige Pumuckl als ihr „erstes Kind“. Sie beantwortet Fragen zur aktuellen Diskussion über den abgespeckten Kobold von Illustrator Jan Saße. Künstlerin Barbara von Johnson ist sehr vielfältig und stellt in Kelheim auch viele abstrakte Werke vor.

Frau Barbara von Johnson, wie kam es, dass Sie bei der Jahresschau der Gruppe Kunst in Kelheim Gastausstellerin sind?

Ich bin schon das zweite Mal aufgefordert worden, teilzunehmen, weil Vorsitzender Horst Fochler 2013 bei den Künstlerinnen-Tagen „Der Oktober ist eine Frau“ in Ingolstadt meine Werke gesehen hat.

Warum hatten Sie sich nicht bei der ersten Anfrage entschlossen, in Kelheim auszustellen?

Da hatte ich keine Zeit, da war ich unterwegs.

Sie sind sehr engagiert auf vielfältigen Gebieten von Kunst bis sozialem Einsatz. Was macht Ihnen am meisten Spaß?

Mit Kindern und Erwachsenen zu malen und ihnen die Freude zu vermitteln, den Eindruck zum Ausdruck zu bringen.

Kennen Sie Kelheim schon?

Nein, aber ich freue mich sehr, es kennenzulernen. Ich plane bei meinem Besuch auch einen Sightseeing-Tag ein.

Wie viele Werke stellen Sie hier aus?

Ungefähr 30 – ich möchte gerne mein Schaffen von abstrakter Kunst und Pumuckl-Zeichnungen aufzeigen. Meine abstrakten Bilder sind wie tanzen mit Farbe, die abwechselnd gehängt sind mit Kunstdrucken von den ersten Pumuckl-Figuren, die limitiert und signiert zu haben sind. Als ganz besondere Überraschung trenne ich mich jetzt von zwei meiner letzten Pumuckl-Originale, die vor vielen Jahren entstanden sind.

Sie werden als optische Pumuckl-Mama bezeichnet. Wie kamen Sie eigentlich dazu den Kobold, den viele, viele Menschen kennen, zu zeichnen?

Als ich mit 21 in der Akademie für das grafische Gewerbe in München Studentin war, hat die Autorin der Pumuckl-Geschichten Ellis Kaut einen Wettbewerb für die Visualisierung des Pumuckl ausgeschrieben, den ich 1963 gewonnen habe.

Wie hat Ihr erster Pumuckl ausgeschehen?

Die Prämissen waren große Hände zum Nagelkisten runterwerfen und rote Haare.

Waren Sie selbst davon begeistert?

Ich war überrascht, dass ich den Wettbewerb gewonnen habe und habe gesagt, ui, da komme ich wie die Jungfrau zum Kinde.

Wie lange haben Sie an Ihrer ersten Pumuckl-Figur gezeichnet?

Flitz, flitz, flitz

Wie viele Pumuckl haben Sie gezeichnet?

Zehn Bücher illustriert und 30 Plattenhüllen

Der freche Kobold ist Ihnen aber ans Herz gewachsen.

Ja, natürlich, das war doch mein erstes ,Kind’.

Sie sind Mutter von drei erwachsenen Kindern und haben drei Enkelkinder. Ist in der Familie der Pumuckl immer zugegen?

Immer wenn was fehlt, war’s der Pumuckl.

Was sagen Sie zur aktuellen Diskussion über den abgespeckten, neuen Pumuckl anlässlich des 95. von Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut?

Pumuckl bleibt Pumuckl – nach längerer Zeit der Unsichtbarkeit wird Pumuckl in Zukunft wieder lustige Streiche in die Kinderzimmer bringen. Für zukünftige Pläne liegt ein Styleguide vor für den neuen Pumuckl. Daher ist die Meinung der Pumuckl-Fans sehr wichtig, welchen Pumuckl sie für die neuen Abenteuer bevorzugen. Es wird interessant sein, was eine eventuelle Umfrage unter den Pumuckl-Freunden ergibt.

Finden Sie persönlich, dass Ihr Pumuckl abnehmen musste, wie von Jan Saße dargestellt?

Ich liebe den gesunden, knuddligen, liebenswürdigen Pumuckl, wie er ist und immer schon war. Den neuen Pumuckl finde ich persönlich so modern, abgespeckt und sportlich, dass ihm jeglicher Zauber abhandengekommen ist. Wichtig ist jedoch, dass die heutige Jugend in Pumuckl ein Idol für ihre Lebenswerte finden kann. Ich hoffe, es hat sich bald entschieden, welcher Pumuckl die Herzen der Kinder erobert, damit demnächst eine neue Pumuckl-Ära beginnen kann.

Darf Ihr Pumuckl eigentlich von jemand anders verändert werden?

Ab jetzt gilt ein von den Autoren festgelegter Styleguide, der genau vorschreibt, wie Pumuckl in Zukunft auszusehen hat. Bis jetzt mussten wir uns noch mit den diversen, individuellen Auffassungen eines Pumuckl-Zeichners begnügen.

Das Zeichnen war schon als Kind ein Steckenpferd von Ihnen. Haben Sie die künstlerische Ader geerbt?

Nein, ich hab’ es sozusagen geschenkt bekommen. Ich konnte mir meine Parallelwelten selber zeichnen, da es im echten Leben alles so anstrengend war.

Wollten Sie immer Künstlerin werden?

Es ging gar nicht anders, ich habe in Bildern gedacht, geträumt gesprochen und das ganze Leben ist für mich ein Bilderbuch mit der Hexe und Prinzessin, Kasperl und Krokodil, Teufel und Räuber.

Sie haben sich in vielfältiger Weise als Künstlerin fortgebildet. Was haben Sie alles gemacht?

Aquarellmalerei bei Oskar Kokoschka mit 17 Jahren, Bühnenbild, Akademie fürs grafische Gewerbe, viele Illustrationen für Kinderbücher bei renommierten Verlagen, Schweißkurse, Fotografie, abstrakte Malerei, Materialbilder und komische Zeichnungen mit Gedichten.

Was machen Sie am liebsten?

Zeichnen, kreativ sein und mit Menschen arbeiten

Was hat Sie am meisten geprägt?

Mein Auswandern nach Südafrika als junges Mädchen, die Geburt meiner drei Kinder, der Tod meiner Mutter mit 98 Jahren im eigenen Haus, meine drei Enkel, meine Krebserkrankung vor drei Jahren und die bevorstehende Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.

Wann bekommen Sie das Bundesverdienstkreuz verliehen?

Am 29. September 2015 in München

Wird Ihnen für Ihr künstlerisches Lebenswerk die Ehrung zuteil?

Ja, wahrscheinlich wegen der Freude, die ich vielen Menschen mit dem Pumuckl machte und für meine vielseitigen sozialen Engagements, wie Kunst-Therapie-Kurse für suchende Menschen im In- und Ausland, Kuratoriumsmitglied bei der Paul Nikolai Ehlers-Stiftung für Kinder in Deutschland und Russland Ausstellungen, zugunsten von sozialen Einrichtungen, Vorträge, künstlerische Beratung für soziale Einrichtungen.

Welche Pläne haben Sie in nächster Zeit?

Ich bin dabei, eine sehr originelle Biografie zu gestalten mit wenig Text und vielen Zeichnungen und Fotos. Außerdem bin ich bei der Verlags-Auswahl für mein Buch „Irren ist menschlich“ mit Gedichten und Zeichnungen aus meinem verrückten Leben als Frau.

Seit wann sind Sie auch Autorin?

Die Gedichte sind entstanden in einer Zeit, als ich keinen Platz zum Malen hatte und meinen expansiven Ausdruck auf wenig Platz verdichten musste.

Was erwarten Sie sich von der Ausstellung in Kelheim?

Ich wünsche mir eine rege Anteilnahme an der Diskussion über den neuen Pumuckl. Ich freue mich mit meinen bunten Wachsmalkreide-Bildern, mit meinen Gedichten und mit meiner Dankbarkeit fürs Leben vielen Menschen Freude zu machen.

Welche Ausstellungen planen Sie nach Kelheim?

Eine Gemeinschaftsausstellung mit dem Titel „Identitäten in Zeiten der Globalisierung“ in der Mohr-Villa in Freimann ab 12. Dezember 2015 und 2016 im März im HEI (Haus der Eigenarbeit) in München mit dem Titel „Und ewig lockt das Weib und auch der Mann“, Anfang 2017 wieder eine Gemeinschaftsausstellung in der Mohr-Villa mit dem Titel „Abgesagter Tanzkurs“.

Da haben Sie ja einiges vor. Wie viele Stunden beschäftigen Sie sich am Tag mit Kunst?

Von morgens bis abends, denn das ganze Leben ist ein einziges Kunstwerk.

Seit der Kindheit kreativ

  • Stationen

    Barbara von Johnson ist in München geboren und im Chiemgau aufgewachsen. Bereits während ihrer Grund- und Oberschulzeit beschäftigte sie sich mit Grafik, Malerei und Illustration. Von 1959 bis 1972 besuchte sie die Sommerakademie in Salzburg (Aquarellmalerei bei Oskar Kokoschka, Radierung bei Johnny Friedlaender, Bühnenbild-Kunst bei Günther Schneider-Siemssen).

  • Erfolg

    1963 gewann Barbara von Johnson den von Elli Kaut an der Akademie für das grafische Gewerbe ausgeschriebenen Wettbewerb zur Visualisierung des Pumuckl. (eb)

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