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Freitag, 22. September 2017 21° 2

Ausbildungsserie

Vom Kräuterbeet bis ins Warenregal

Als Drogistin erlernt Anna Lena Wieferink neben klassischen Handelstätigkeiten auch Fachwissen zu Kosmetik und Heilmitteln
Von Martina Hutzler

Kelheim. „Drogist/in“ – hmmm, hört sich verdächtig an: Hat das was mit Drogen zu tun??? Ja, hat es! Aber nicht mit solchen, die vor den Richter führen. Sondern mit solchen, die gesund machen. Ob Kamillentee oder Lavendel-Öl – in der Pharmazie sind das „Drogen“. Und die gibt’s, ganz legal, im Drogeriemarkt. Ein solcher ist der Arbeitsplatz von Anna Lena Wieferink aus Langquaid. Die 17-Jährige erlernt im Kelheimer „dm“-Markt in der Schäfflerstraße den Beruf „Drogistin“.

Geplant hatte die Rottenburger Realschul-Absolventin eigentlich, „dass ich auf die FOS gehe.“ Bis eine Berufs-Infobroschüre ihr Interesse weckte. Spontan bewarb sie sich um ein Praktikum, und danach war der Ausbildungsvertrag unter Dach und Fach.

„Ein Praktikum ist sinnvoll für beide Seiten“, sagt Anna Lenas Chef Carsten Schmitz. Schulisch erwartet der Filialleiter von Bewerbern „mindestens einen sehr guten Hauptschul-Abschluss – der Quali ist in jedem Fall von Vorteil“; mit Mittlerer Reife oder Abi kann man sich natürlich auch bewerben. Kommunikationsfreudig sollte man sein, denn „bei uns wird Kundenberatung groß geschrieben“. Und selbständiges, kreatives Arbeiten erwartet Schmitz von seinen Azubis. Denn in den Filialen rücken nicht die Profi-Dekorateure an, wenn zum Beispiel neue Saisonware präsentiert werden soll. „Es gibt zwar Vorschriften, was auf einen Tisch kommen soll. Aber wie wir das ,Feeling’ gestalten, ist uns überlassen.“ Auch Aktionen zu Themen wie Basteln oder „gesunde Ernährung“ können Filialen selbst planen und durchführen.

Nervös vorm ersten Kassen-Einsatz

Ganz so weit ist Anna Lena noch nicht, im ersten von drei Lehrjahren erarbeitet sie sich gerade die Arbeitsbereiche einer Drogistin. Das sind zum einen die klassischen Tätigkeiten im Einzelhandel: von der Warenannahme und dem Einräumen ins Lager und die Regale angefangen, über die Kundenberatung bis hin zum Kassieren – nach einem dreiviertel Jahr saß die junge Langquaiderin erstmals an der Kasse.

Vorm ersten Einsatz an der Kasse war Anna Lena ziemlich nervös. Mittlerweile überträgt ihr der Filialleiter, Carsten Schmitz, regelmäßig die Verantwortung für die Kasse. Fotos: Hutzler / Santl

„Da war ich echt nervös – das ist nämlich nicht so leicht, wie man sich das als Kunde vorstellt!“ Die Warenbestellung dagegen ist weitgehend automatisiert. „Aber man muss drüberschauen und manchmal auch was ändern: zum Beispiel mehr Taschentücher bestellen, wenn Schnupfenzeit ist“.

Zusätzlich ist im Drogisten-Beruf Fachkenntnis gefragt in Sachen Kosmetik, Naturheilkunde und Arzneimittel. Letztere beschränken sich in Drogerien auf die „frei verkäuflichen“. Arzneien, die der Doktor verordnen muss, gibt es nur in Apotheken.

Der Beruf im Steckbrief

  • Die Tätigkeit im Überblick

    Drogisten verkaufen vor allem Produkte für Gesundheit, Kosmetik, Körperpflege und Ernährung, außerdem auch Pflanzenschutz-, Wasch- und Putzmittel sowie Foto-Zubehör.
    Sie beraten Kunden über Inhaltsstoffe in den Produkten und klären über Anwendung der Produkte auf sowie gegebenenfalls deren Entsorgung. Außerdem gestalten sie die Verkaufsräume, platzieren die Waren richtig, helfen Kunden beim Bedienen von Digitalfoto-Terminals. Sie kassieren und übernehmen auch kaufmännische Tätigkeiten. Drogisten nehmen außerdem Warenlieferungen in Empfang, lagern diese und räumen sie so in die Regale ein, dass sie optimal präsentiert sind.
    Für die Ausbildung ist mindestens ein guter Hauptschulabschluss erforderlich. Gut sein sollte man im Rechnen (Kopfrechnen, Grundrechenarten, Prozent-/Dezimalrechnen).
    Wichtig ist, dass man in Gesprächssituationen gut zurecht kommt: Man muss erfassen, was einem ein Kollege sagt; man muss verstehen, was einem ein Kunde – vielleicht schwer verständlich – mitteilen will.

  • Man muss auch selbst flüssig, verständlich und überzeugend Gespräche führen können, muss sich schnell auf wechselnde Gesprächspartner einstellen. Nötig sind Geschick z.B. beim Einräumen von Regalen und kaufmännische Fähigkeiten

  • Die Ausbildung im Überblick

    Drogist/in ist eine klassische duale Ausbildung in Berufsschule und Betrieb. Sie dauert üblicherweise drei Lehrjahre. Die Ausbildungsvergütung liegt im Schnitt bei 642 bis 716 Euro (brutto) im 1. Ausbildungsjahr; 719 bis 795 Euro im 2. Jahr und 825 bis 912 Euro im 3. Ausbildungsjahr. Die Schule absolviert man im Blockunterricht: in der Regel hat man jeweils zwei Wochen Schule und zwei Wochen Arbeit im Betrieb.
    Wichtige Schulfächer sind Mathe, Deutsch, Chemie, Biologie und Wirtschaft. Außerdem erwirbt man Kenntnisse auf berufsspezifischen Gebieten wie zum Beispiel Kosmetik, Foto, Rechnungswesen. Azubis legen eine Zwischenprüfung und eine Abschlussprüfung (schriftlich und praktisch) bei der IHK ab.

Das Fachwissen wird im Betrieb vermittelt und an der Berufsschule – beides wechselt sich ungefähr 14-tägig ab. An der Berufsschule in München hat Anna Lena neben allgemeinen Fächern wie Deutsch, Mathe und Englisch auch Fachunterricht: Um Ernährung, Hautpflege, Kosmetik und Diät-Produkte geht es dabei unter anderem. Für die Schulzeit bekommt sie einen Wohnheimplatz bereitgestellt.

Aber auch im Betrieb ist lernen angesagt, und zwar aus eigenem Antrieb. „Bei uns heißen Azubis nicht ,Lehrlinge’, denn die werden belehrt. Sie heißen ,Lernlinge’, denn sie sollen selbständig arbeiten“, erklärt Filialleiter Schmitz die Firmenphilosophie „LidA“ (,Lernen in der Arbeit’). Zu Beginn der Lehr-, pardon: Lernzeit hat er Anna Lena vier Ordner ausgehändigt, die sie bis zur Abschlussprüfung durcharbeiten und befüllen muss; das überprüft auch die Industrie- und Handelskammer. Im einem Ordner werden die Ausbildungsnachweise gesammelt: täglich notiert Anna Lena, welche Tätigkeiten sie ausgeübt hat. Ein zweiter dreht sich ums Thema Warenkunde. Anna Lena schlägt ihn auf: „In dieser Einheit geht es zum Beispiel um ,dekorative Kosmetik’“. Ihre Aufgabe ist es dann, im Firmen-Intranet Infos zu sammeln, das Wichtigste zusammenzuschreiben. Mitunter muss sie auch einen Bericht verfassen, etwa über das Thema „Mindesthaltbarkeitsdatum“.

Ein dritter Ordner dreht sich speziell um die Fotografie. Denn der Verkauf von Fotozubehör, Geräte zum Foto-Ausdrucken und -Bestellen sind Standard in Drogeriemärkten. Jüngst hat Anna Lena mit der filial-eigenen Kamera das Thema „Auflösung“ erforscht. Durchaus hilfreich für die Arbeit, findet sie: „Wenn man sich selbst auskennt, kann man Kunden Tipps geben, zum Beispiel, wann Bilder unscharf werden.“

Fachwissen ist in der Foto-Beratung gefragt – hier für Kundin Monika Justl.

Der vierte Ordner schließlich ist ein „Herbar“, eine Sammlung getrockneter Pflanzen. In einem viertägigen Workshop hat Anna Lena mit ihrem Bad Abbacher Lernlings-Kollegen und einer Expertin die Heilpflanzen in einem Kräutergarten gesammelt, in einer Presse getrocknet und einzeln auf Blätter geklebt und beschriftet. Ihr Herbar wird sie noch öfter studieren, denn „in der Abschlussprüfung muss man Pflanzen bestimmen können“.

Neben den Ordnern hütet Anna Lena noch ihren Lernpass. Er stellt sicher, dass sie in allen Arbeitsbereich einer Drogerie Erfahrungen sammelt: durch’s bloße Tun, durch das Sammeln von Informationen, durch das Erfüllen von „Erkundungsaufgaben“.

Lernzeit und Theater-Workshop

Eine Menge zu tun also. Damit das neben der „echten“ Arbeit in der Filiale nicht untergeht, können sich die Azubis (aber auch die fertig ausgebildeten Angestellten) „Lernzeit“ nehmen, was im Dienstplan berücksichtigt wird. „Mindestens zwei Stunden pro Woche sollten es schon sein, es kann auch mal ein ganzer Tag werden“, ermuntert Filialleiter Schmitz die Azubis. Teils ist er bei den Lernzeiten dabei. Denn als Ausbilder bespricht er mit dem Azubi die Themen, gibt ihm oder ihr ein Feedback zur Arbeit.

Azubis können und sollen sich regelmäßig „Lernzeit“ nehmen. Das ist auch die Gelegenheit, mit dem Ausbildungsleiter das Erlernte und die bisherigen Berufserfahrungen zu besprechen.

Etwas Besonderes im ersten und zweiten Lehrjahr ist das „Abenteuer Kultur“. In achttägigen Theater-Workshops treffen sich die Lernlinge aus einem Gebiet und studieren ein Theaterstück ein, um es dann vor Familien, Freunden, Kollegen aufzuführen. „Wir haben selbst ein Stück entworfen: ,Sand der Zeit’ hieß es. Ich hab’ mir erst echt nicht vorstellen können, dass das funktioniert“, schildert die 17-Jährige. Aber sowohl die Aufführung vor fast 300 Leuten als auch das Buffet danach haben die rund zwei Dutzend Azubis hingekriegt.

Da braucht der aufgeschlossenen jungen Frau auch vor dem Rest der Lehrzeit kaum bange sein. Ihr Verdienst – über Tarif – wird sich von 95 über 965 auf 1085 Euro im dritten Jahr steigern. Wenn dann die Prüfungen nach Plan laufen, hat sie gute Chancen auf eine Übernahme, bestätigt Carsten Schmitz. Örtlich und zeitlich flexibel sollte sie freilich sein, das verbessert die Übernahme-Option. Wer gute Noten und die Eignung dafür hat, kann sich betriebsintern für eine Weiterbildung zum Handelsfachwirt bewerben.

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