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Polizei

Tödlicher Schuss entsetzt die Bürger

Ein betrunkener Jäger hat im Neustädter Ortsteil Schwaig einen Hund erschossen. Die Jäger sind entsetzt, Bürger in Sorge.
Von Jochen Dannenberg

Mit aufgeklappter Schrotflinte wartet ein Jäger auf einen Fuchs. Im Neustädter Ortsteil Schwaig hielt ein Jäger einen Hund für einen Fuchs und erschoss den Hund. Foto: Roland Weihrauch, dpa

Neustadt.Ein 29-jähriger Jäger hat vor wenigen Tagen im Raum Schwaig einen elf Monate alten Mischlingshund erschossen – angeblich, weil er ihn mit einem Fuchs verwechselt hat. Mit dem Hundebesitzer kam es daraufhin zum Streit. Die Kelheimer Polizei vermutet, dass der „nicht unerhebliche“ Alkoholpegel des Jägers eine Rolle bei diesem „Jagdunfall“ spielte. Sonya Artinger, Einwohnerin aus dem Neustädter Ortsteil Schwaig, warnt vor Bagatellisierungen.

Die Jagd in Schwaig und Umgebung nehme Ausmaße an, die „höchst gefährlich“ seien, sagt Sonya Artinger. Sie beschreibt die Umstände sogar als „Wildwest in Schwaig“. Sonya Artinger hat mehrere Beispiele parat, die sie selbst erlebt hat oder die ihr von Bekannten erzählt wurden. „An einem Herbst-Samstag-Morgen unternahmen wir einen Ausritt“, erzählt sie. Nebel lag „wie eine Wand“ über dem Land, die Sichtweite habe maximal 30 Meter betragen. „Wir sind am Ortsrand von Schwaig unterwegs. Plötzlich hören wir Gewehrsalven.“ Nichts sei zu sehen gewesen, deshalb seien die Reiter sehr beunruhigt gewesen. Der Gedanke der Reiter: „Wenn wir die Jäger nicht sehen, sehen die uns ja auch nicht. Kann es sein, dass hier geschossen wird, ohne zu sehen, wo man hin schießt?“

Die Winterzeit ist ideal, um auf Fuchsjagd gehen zu können. Foto: dpa

Mit ihrer Sorge sind die Reiter an diesem Tag nicht allein. Aus dem Nebel kommt ihnen plötzlich aufgeregt ein Spaziergänger mit Hund entgegen. „Er sagt, dort hinten – und zeigt auf die Nebelwand – sind mehrere Jäger mit einem Dutzend Hunde unterwegs.“ Schüsse sind zu hören, aber kein Jäger oder Hund zu sehen und das alles wohlgemerkt am unmittelbaren Ortsrand von Schwaig. Die Sorge, dass etwas passieren kann, lässt Sonya Artinger nicht mehr los. Als jetzt unter ähnlichen Umständen wie bei dem Reitausflug ein Hund erschossen wird, fragt sie sich, ob Jagdeinsätze nicht besser gegenüber den Bürgern angekündigt werden sollten.

„Das ist, soweit ich das sehe, eine Einzeljagd gewesen“, sagt Adam Eberl. Wem solle man das ankündigen? fragt sich der Hegeringleiter der Hegegemeinschaft Abensberg/Neustadt. Zudem müsse man die konkreten Umstände sehen. „Jetzt ist die Zeit des Schnees“, erläutert Eberl. „Wenn es den Schnee jetzt nicht geben würde, könnte der Jäger nicht auf den Fuchs gehen, denn dann würde er ihn nicht sehen“.

Verhängnisvoller Irrtum

Trotzdem ist dem Jäger aus Schwaig ein verhängnisvoller Irrtum unterlaufen – er hielt einen Hund für einen Fuchs und legte an. „Das ist eine tragische Sache“, betont Adam Eberl und spricht damit für alle Jäger im Hegering. Seit 1995 ist Eberl Hegeringleiter. Als Bindeglied zwischen den Revierinhabern und der Unteren Naturschutzbehörde ist er auch um die Vermittlung zwischen unterschiedlichen Gruppen bemüht. Er weiß, nicht jeder meint es gut mit der Jagd. Deshalb geht es oft darum, für Verständnis in der Bevölkerung zu sorgen. Um so mehr ärgert ihn der Vorfall in Schwaig. Bisher sei der 29-Jährige nicht negativ aufgefallen, sagt Eberl. Was er über den Fall denkt, fasst der Hegeringleiter in wenige Worte zusammen: „Ich bin zutiefst enttäuscht.“

Die Jägerei in der Region

  • Regeln:

    Die Jagdvorschriften sind klar und eindeutig. Sie zu beachten, ist die Pflicht des einzelnen Jägers. Sie stellen elementare Sicherheitsregeln – vergleichbar Unfallverhütungsvorschriften oder Verkehrsregeln – dar. Danach darf ein Jäger erst schießen, wenn er absolut sicher ist, auf was er schießt (sog. „Ansprache“).

  • Jagdunfall:

    Zu Jagdunfällen kommt es glücklicherweise eher selten. Bekannt wurde aber dieser Fall: Im Herbst 2014 schoss in einem Jagdrevier bei Nittendorf ein damals 42-jähriger Jäger auf einen 57-jährigen Jäger aus dem Landkreis Kelheim. Er hatte den Kollegen offensichtlich mit einem Wildschwein verwechselt.

  • Polizei:

    Die Beamten der Polizeiinspektion Kelheim ermitteln in dem Schwaiger Fall wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, Trunkenheit im Straßenverkehr und möglichen jagdrechtlichen Bestimmungen. Die Alkoholisierung müsse aber für den Jäger nicht nur bedeuten, dass er seinen Führerschein abgeben muss.

  • Organisation:

    Der Kreisjagdverband Kelheim ist der der Zusammenschluss der Jäger im Landkreis Kelheim. Der Verband setzt sich für eine artenreiche und gesunde freilebende Tierwelt ein. Die Jäger wollen ihren Beitrag leisten zur Aufklärung der Allgemeinheit, im Umgang mit der Natur und das Jagdwesen als Kulturgut erhalten.

Das Verhalten des 29-Jährigen widerspricht nämlich gleich mehreren Grundsätzen der Jagd, macht Eberl deutlich. Erstens: kein Alkohol während der Jagd; zweitens: die richtige „Ansprache“ (was ich nicht kenne, darf ich nicht schießen bzw. der Jäger darf erst schießen, wenn er absolut sicher ist, auf was er schießt), drittens: die Entfernung des Hundehalters zu seinem Tier. Wo ein Hund ist, ist das Herrchen meist nicht weit. In solch einer Situation zu schießen bedeutet ein zusätzliches Risiko. Durch den Schuss könnte unter Umständen auch ein Mensch zu Schaden kommen. In diesem Fall soll der Hundehalter 100 Meter von seinem Tier entfernt gewesen sein.

Polizei ermittelt

Sonya Artinger betont, Vorfälle mit Jägern gebe es immer wieder. Ein weiteres Beispiel: „Vor drei Wochen erzählt mir meine Freundin aufgeregt, sie komme gerade von der Pferdekoppel, die Pferde wären in Panik gewesen und sie konnte diese nur mit allergrößter Mühe einfangen und in den Stall bringen, weil im Grüngürtel unmittelbar neben der Pferdekoppel am Ortsrand von Schwaig die Jäger unterwegs sind und die Gewehrsalven die Tiere in Panik versetzten.“ Die Pferde hätten ausbrechen oder bei schlechten Bodenverhältnissen wie einem gefrorenen Boden stürzen und zu Schaden kommen können. „So geht das Jahr für Jahr während der Jagdsaison – da wird in unmittelbarer Ortsnähe ’geballert‘ wie im Wilden Westen. Muss immer erst etwas passieren, bevor gehandelt wird?“

Auch Adam Eberl hofft deshalb, dass es nicht schlimmer kommt und sich Fälle wie der in Schwaig nicht wiederholen. Er setzt auf das Miteinander aller, die ihre Freude an der Natur haben.

Die Polizeiinspektion Kelheim ermittelt unterdessen noch in dem Fall aus Schwaig. Vorerst ist der tragische Fall für die Beamten ein Einzelfall.

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