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Freitag, 24. März 2017 15° 3

Staatswald

Ein teures Nachkriegs-Erbe ist beseitigt

Im Staatswald von Paintner und Frauen-Forst mussten die Bayerischen Staatsforsten zwei Dolinen von tonnenweise Müll befreien.
Von Martina Hutzler

  • Etagenweise mussten sich die zwei Bagger in die Tiefe arbeiten – allein in Viergstetten fielen 70 Baggerstunden an. Fotos: Staatsforsten (2) / Hutzler
  • Reifen, Schrott: nur ein Teil dessen, was bei Viergstetten zu Tage kam. Der unbelastete Erdaushub wurde später am Rand wieder eingebaut.
  • Der Größenvergleich von Franz Paulus (li), Karin Nürnberger und Albert Poschenrieder (re.) verdeutlicht die Dimension der Viergstettener Doline.

Painten.Eine teure Hinterlassenschaft hat der Kelheimer Forstbetrieb im Staatswald von Paintner und Frauen-Forst heuer beseitigen müssen: Aus zwei „wilden“ Müllkippen beim Frauenhäusl und bei Viergstetten musste tonnenweise Schrott und Müll herausgeholt werden. Vom Kriegsende bis in die 1970er Jahre war es eine zwar ungenehmigte, aber weit verbreitete Praxis, in den beiden natürlichen Dolinen allerlei zu entsorgen, was zu Hause unbrauchbar geworden war und nicht in die Mülltonne passte. Den Preis dafür zahlt letztlich der Steuerzahler heute: Knapp 100 000  Euro kostete die Sanierung.

Für den Kelheimer Forstbetrieb wurde der Handlungsbedarf immer offensichtlicher, schildert Betriebsleiter Franz Paulus: Die Förster wurden auf die hässliche und womöglich grundwasser-gefährdende Altlast angesprochen, ein benachbarter Privatwald-Besitzer beklagte, dass die Doline Viergstetten ihre Funktion als Wasserpuffer bei Starkregen verloren hatte. „Wir konnten nicht mal ausschließen, dass der Forst selbst dort alte Verbissschutz-Drahtgeflechte ,entsorgt’ hat“, räumt Paulus ein. Und es bestand auch die Gefahr, dass zu Kriegsende, vorm Eintreffen der Alliierten, noch schnell alte Waffenbestände in die Dolinen „verräumt“ wurden. Ein Verdacht, der die Sanierungsarbeiten mit einer verzichtbaren Extra-Prise Nervenkitzel würzte…

Kosten schnellten nach oben

Waffenlager wurden zum Glück dann doch nicht gefunden – aber das Ausmaß der Müllberge sprengte den Rahmen der Vorstellungen bei weitem. Und damit auch den Kostenrahmen. „Ursprünglich haben wir 35 000 Euro geschätzt“, blendet Karin Nürnberger zurück. Sie ist Mitarbeiterin im Forstbereich des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Abensberg (AELF). Die bayerischen AELF als verlängerter Arm des Landwirtschafts- und Forstministeriums verwalten einen Fördertopf von jährlich acht Millionen Euro. Geld daraus können die Staatsforst-Betriebe für Projekte beantragen, die über die gesetzlich vorgeschriebene „verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung“ hinausgehen. Das könne ein Naturschutzprojekt sein oder das fahrradtaugliche Aufschottern eines Waldwegs, erklärt Karin Nürnberger – oder eben eine solche Altlasten-Sanierung. So blieb dem Forstbetrieb „nur“ ein Eigenanteil von zehn Prozent.

2300 Tonnen Erdaushub

Auch, als sich die wahren Dimensionen des Schlamassels abzeichneten – recht unbürokratisch sei der Zuschuss aufgestockt worden, so Paulus. Denn vor allem in der Viergstettener Doline hatte der zuoberst liegende Bauschutt kaschiert, dass die Doline stattliche zehn Meter tief ist, bei 20 bis 30 Metern Durchmesser. Über 1800 Tonnen Erdaushub musste die beauftragte Firma Habermeier hier herausbaggern, um dann den Abfall von Hand auszusortieren; im Frauenforst waren es immerhin gut 500 Tonnen. Unter anderem kamen Hausmüll, Kanister und Berge von alten Reifen zum Vorschein, sowie 2,5 Tonnen Metallschrott – ein komplettes Schrottauto inklusive. Das Nummernschild (ein Stuttgarter Kennzeichen!) hebt sich Albert Poschenrieder, Leiter der Servicestelle am Forstbetrieb, heute noch auf. Den „Entsorger“ noch zu ermitteln, rentiere sich nicht mehr; das hatte er zuvor abgeklärt…

Für Poschenrieder, der ansonsten Holzeinschläge und -transporte organisiert, war das Managen der beiden Wald-“Baustelle“, auf der sich die Bagger immer tiefer nach unten schraubten, eine ganz neue Herausforderung, wie er gerne zugibt. Fast täglich war er vor Ort; auch galt es, die Arbeiten immer wieder mit dem Wasserwirtschaftsamt und dem Landratsamt abzusprechen. Die vorgeschriebene fachliche Begleitung übernahm das Geowissenschaftliche Büro Bachmann. Die Sanierung einer dritten Doline im Staatsforst bei Sausthal wurde vorläufig zurückgestellt.

Zwar hat sich die Entsorgungsmentalität in weiten Teilen der Bevölkerung mittlerweile gewandelt. Aber noch immer stoßen die Forstmitarbeiter an unwegsamen Stellen auf Fernseher, Waschmaschinen und ähnliches. „Wichtig ist, das Zeug sofort zu beseitigen. Denn Müll zieht Müll an“, weiß Poschenrieder aus leidvoller Erfahrung. Das gelte im Übrigen auch für vermeintlich harmlosen Bioabfall wie Rasen- oder Gehölzschnitt, fügt Franz Paulus an: „Die Leute meinen fälschlich, das sei guter Kompost. Aber es verfälscht die Waldflora, schaut hässlich aus und lockt Andere an, sonstigen Müll dazuzukippen. Und es ist ganz einfach verboten!“

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