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Sportskanone

Er liebt den Glanz von Olympics-Gold

Patrick Meier gewinnt bei den Wintersporttagen. Im Leben des Paintners (20) mit Downsyndrom wird sich bald viel ändern.
Von Martin Rutrecht

Patrick Meier fügt seiner Medaillensammlung mit Gold bei den Special Olympics ein weiteres Stück zu. Foto: privat

Painten.Interviewanfragen von Reportern kommen unterschiedlich an, vom begeisterten „Ja, geht scho“ bis zum „Na, i sog nix“ reicht die Bandbreite. Eine Reaktion wie die von Patrick Meier muss man erst erleben: „Geil!“, entfährt es dem Paintner auf die Bitte unserer Zeitung nach einem Gespräch. Der 20-Jährige hat eine unverblümte Herzlichkeit an sich. Der junge Mann mit geistiger Behinderung frönt seit Jahren begeistert dem Sport. Jetzt hat er mit Gold bei den Special-Olympics-Wintersporttagen in Reit im Winkl seinen Erfolgsschatz erweitert. Im nächsten Jahr darf er Deutschland vielleicht bei den Games in Österreich vertreten. Bis dahin wird sich einiges ändern in seinem Leben.

„Ich bin sehr gut gefahren, habe kein Tor berührt und hatte ein gutes Tempo.“

Patrick Meier

Die letzte Berufsschulstufe der Bischof-Wittmann-Schule in Regensburg besucht Patrick Meier aktuell. Es war eine letzte gemeinsame Reise mit 19 Schulkollegen zu den Wintersporttagen in Reit am Winkl. „Gemeinsam sind wir stark“, lautete das Motto passenderweise. Dabeisein ist beim Special Olympics-Gedanken tatsächlich alles. Doch ein wenig ging es bei den Wettbewerben auch darum, wer nächstes Jahr bei den deutschen Winterspielen 2017 in Schladming antreten darf.

Abbacher Schützling belegt Platz vier

Gemessen am sportlichen Erfolg hat der Paintner gute Chancen. „Ich bin sehr gut durch die Tore gefahren, habe kein Tor berührt und hatte ein gutes Tempo“, sagt er bedächtig und in wohl abgesetzten Worten. Das Downsyndrom verzögert Patricks geistige Entwicklung, aber seine Redegewandtheit macht erstaunliche Fortschritte. Im Riesenslalom ließ er in seiner Gruppe der „Intermediate“ (fortgeschrittene Skifahrer) sämtliche fünf Mitstreiter hinter sich und gewann mit sieben Zehntelsekunden Vorsprung auf den ersten Verfolger.

„Es war sehr gut, wie ich das gemacht habe“, sagt der 20-Jährige stolz. Ein besonderer Ausdruck kommt in Patricks Gesicht, wenn er sein Goldstück präsentiert. „Ich liebe diesen Glanz der Medaille“, erklärt er dann. Gewinnen, sagt er nach kurzem Nachdenken, müsse man aber nicht immer, „nur manchmal“.

„Ich habe die Ski getestet, sie laufen sehr gut“, sagt Patrick Meier im Duktus eines Spitzensportlers. Foto: Archiv

Insgesamt 350 Athleten starteten bei den bayerischen Winterspielen, die auch in Schneeschuhlauf und Langlauf – dort mit dem vierfachen Olympias-Medaillengewinner Tobias Angerer als Ehrengast – ausgetragen wurden. Neben dem Paintner war auch ein junger Bursche aus Bad Abbach dabei. Der 15-jährige Louis Diesler erreichte bei den „Novicen“ (Anfänger) den vierten Rang im Riesenslalom. „Eine tolle Leistung von ihm“, freute sich das Betreuerteam mit Linda Cadogan, Christian Rank und Ulrike Schön-Nowotny. Vielleicht tritt Louis eine ähnliche „Karriere“ wie Patrick Meier an.

Vor sieben Jahren schon feierte der Paintner seinen ersten Erfolg mit Olympics-Bronze im Riesentorlauf. In Niederbayern war man so beeindruckt von seinem Auftreten, dass man ihn in die Wahlvorschläge zum „Behindertensportler des Jahres“ aufnahm – und der damals 13-Jährige gewann. In der Joska-Glaswelt in Bodenmais bekam er auf der Bühne eine (selbstredend glänzende) Trophäe überreicht, prominente Gäste wie die früheren Ski-Weltcup-Asse Monika Bergmann und Alois Vogl gratulierten.

„Einkaufsbummel liebt er auch.“

Angelika Meier

Diese Wahl machte Patrick zum kleinen Star, bis heute. „Es ist unglaublich, wo er überall erkannt wird“, lacht seine Mutter Angelika Meier. Selbst bei Einkaufsbummeln – „das liebt er“ – in Regensburg würden wildfremde Leute auf ihn zugehen und sagen: „Du bist Patrick, oder?!“ Auch in Restaurants widerfährt ihm ähnliches, beim bevorzugten Italiener steht seine Leibspeise Spaghetti Bolognese praktisch schon am Tisch, wenn er das Lokal betritt. Das Essen ist dem jungen Mann wichtig. Als Erstes lobte er nach der Rückkehr von den Wintersporttagen die Küche.

Kleiner Star: Skifirma stattet ihn aus

Von der Firma Völkl bekommt er Skier zur Verfügung gestellt. „Er durfte mit der Skiabteilung der SG Painten schon das Werk besuchen“, erzählt seine Mama. Zu seinen aktuellen Brettern sagt Patrick im Duktus eines Spitzensportlers: „Ich habe sie getestet, sie laufen sehr gut.“ Mama bestätigt: „Das Modell ist mit seinen Füßen verwachsen.“ Trainieren müssen die Schüler für ihre Erfolge freilich auch. Im Januar geht es stets eine Woche an den Arber. Und Patrick fährt mit seiner Familie ebenfalls zum Skilaufen, heuer gab’s einen Abstecher nach Ruhpolding. Mit Schwimmen hält er sich überdies fit und im Team Bananenflanke kickt er leidenschaftlich mit.

Für Freizeitaktivitäten typischer Jungs ist er auch zu haben. Gerne besucht er den Jugendtreff und mit großer Vorfreude blickte er dem ersten Discobesuch entgegen, als ihn seine Schwester Christina (24) mitnahm. Vor wenigen Wochen durfte er mit seinen Mitschülern ins „Suite 15“. Musik läuft in Patricks Zimmer immer, auch zur Freude seiner kleinen Schwester Fiona (12).

Erste eigene Wohnung, erste Berufsschau

In wenigen Monaten wird Patrick aus dem Elternhaus ausziehen. Die Familie beteiligt sich an einem bayernweit einzigartigen Projekt in Regensburg. Auf dem Gelände der früheren Nibelungenkaserne entstehen Wohnanalagen, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen leben (wir-regensburg.de). Jeder hat sein eigenes Appartement, im Mittelpunkt aber stehen Gemeinschaftsräume. „Patrick sucht schon eifrig Möbel aus“, erzählt Angelika Meier schmunzelnd. Einerseits mit Freude, andererseits mit leichter Nervosität blicken Patrick und seine Familie auf den Schritt in die Selbstständigkeit.

„Er könnte natürlich weiterhin bei uns wohnen, aber in Regensburg liegen alle entsprechenden Einrichtungen nahe beisammen, vor allem für seine sportlichen Aktivitäten.“ Die Bischof-Wittmann-Schule verlässt der Paintner im Sommer. Ab September lernt er in den Lappersdorfer Werkstätten verschiedene Berufe kennen, in einen regulären Arbeitsalltag wird Patrick vermutlich nie wechseln können.

„Nach dem Gespräch mit der Zeitung hat er gejubelt.“

Angelika Meier

Seine Sportarten will er unbedingt weiter betreiben. Schon in einer Woche steht ein Lehrgang in Nesselwang an, bei dem die Schützlinge unter Fremdbetreuung Skifahren. „Weil bei den Special Olympics im nächsten Jahr die eigenen Betreuer nicht dabei sein dürfen, müssen die Schüler lernen, ohne ihr gewohntes Umfeld klar zu kommen“, erklärt die Mama, „bei Patrick mache ich mir da keine Sorgen.“

Im Sommer wird der 20-Jährige zum Abschluss seiner Schulzeit noch an Schwimmspielen teilnehmen, wo er auch schon erfolgreich abschnitt. Gut möglich, dass es dann weitere Neuigkeiten von Patrick Meier gibt. Als Reporter kommt man gerne wieder, denn eine Reaktion wie von Angelika Meier geschildert, erfährt ein Journalist auch selten: „Er hat gejubelt nach dem Gespräch mit der Zeitung!“

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