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Montag, 11. Dezember 2017 7

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„Opa hat hier Wein eingemauert“

Bei der Sanierung des Gasthofes Schwan in Riedenburg wurden abenteuerliche Dinge gefunden: zum Beispiel 2200 Weckgläser.
Von Thomas Dietz, MZ

  • Edel, schick und bayerisch: „Schwan“-Chefin Sandra Schmid in der neuen Gaststube. Immer mehr Besucher schätzen das vielseitige Altmühltal und die „Drei-Burgen-Stadt“ Riedenburg. Foto: Gabi Schönberger
  • Die Fassade mit dem Kronprinzenbalkon für den späteren Ludwig III. Foto: Gabi Schönberger
  • Auf den Fenstersimsen: Holzfiguren eines Südtiroler Schnitzers Foto: Gabi Schönberger
  • In Holzkästen mit dem Schwan-Logo wird die Rechnung serviert. Foto: Gabi Schönberger

Riedenburg.An der gepflegten Front des Brauereigasthofes Schwan am Riedenburger Marktplatz erinnert eine Gedenktafel an hohen Besuch. Im Gästebuch steht: „Dem Hause Riemhofer wurde die Gnade und die Ehre zuteil, vom 16. auf 17. Mai 1906 Seine Königliche Hoheit, Prinz Ludwig von Bayern, beherbergen zu dürfen.“

Die Menüfolge des damals 61-jährigen Kronprinzen und späteren König Ludwig III. (1918 abgesetzt) ist überliefert. Es gab Königinsuppe, Hecht mit Butter und Maltakartoffeln, junges Lamm gebraten und zum Dessert Diplomatenpudding und Käse. Seine Königliche Hoheit hatten sich zum 60. Jubiläum des 1846 eröffneten Ludwig-Main-Donau-Kanales nach Riedenburg begeben. Ob er seine Zeche im heutigen Gasthof Schwan auch bezahlt hat, ist nicht überliefert.

Es ist aber unwahrscheinlich. Ludwig galt als knauserig. Königstreue Riedenburger hatten zwar eigens für ihn einen Prachtbalkon anbauen lassen, damit er sich dem Volke zeigen konnte. Gleichwohl war Ludwig herzlich unbeliebt, seine landwirtschaftliche Ambitionen wurden verspottet (der „Millibauer“, Milchbauer) und er galt – trotz seines imposanten weißen Bartes – nicht als der hellste Wittelsbacher Kopf. Noch unbeliebter war nur noch seine Frau Marie Therese, im Volke „das kropferte Reserl“ genannt.

Wer heute, fast 110 Jahre später, den Gasthof Schwan betritt, der macht erst einmal „Whow“. Das Erdgeschoss wurde von Januar bis April komplett umgebaut und zeigt nun sein neues, edles Designer-Kleid, das aber bayerisch-solide und authentisch ist. Es gibt perfektes Licht: aus keiner Lampe wird man geblendet und trotzdem ist es überall angenehm hell.

Deutschlands schönster Wanderweg

Im vorigen Jahr hatte die Familie Sollinger vom benachbarten Gasthaus Zur Post den einstigen ewigen Konkurrenten gekauft (MZ vom 30. Mai 2015). Beide Häuser sollen sich ergänzen, in der Post gibt es 25, im Schwan 10 Zimmer, weitere sind im Bau.

Die touristischen Aussichten sind nämlich vorzüglich: immer mehr Feriengäste entdecken den Naturpark Altmühltal mit seinen mächtigen Jurakalkfelsen und anmutigen Flusswindungen. Der Altmühltal-Panoramaweg führt das Prädikat „Deutschlands Schönster Wanderweg 2012“. „Und in Riedenburg ist dieser Wanderweg dann noch mal besonders schön“, sagt Schwan-Chefin Sandra Schmid.

Sollinger-Tochter Sandra Schmid, Mutter zweier Kinder mit den schönen Namen Philian und Emilia, wurde für die Bürgerliste in den Stadtrat gewählt und ist 1. Vorsitzende des Touristikvereins. „Der viermonatige Umbau war ein gewaltiges Abenteuer“, sagt sie. Die ältesten Teile des Hauses stammen wohl aus dem 17. Jahrhundert. Ständig wurde umgebaut und jedes Mal, wenn man etwas einreißt, kommen Überraschungen zutage.

Auf dem Speicher fanden sie 22 versilberte Kaffeekrügerl mit Schwan-Logo, die jetzt, mühsam geputzt, als Blumenvasen auf den Tischen stehen. Mitten im Haus war eine würzig duftende Räucherkammer (heute undenkbar). Dann kamen 2200 verstaubte Weckgläser zum Vorschein, meist Zwetschgen, alle verdorben. Auf einem Etikett stand: „1962“. Die fachgerechte Entsorgung mittels eines Gabelstaplers zog sich vier Wochen hin.

Hinter der nächsten eingerissenen Wand sagte Sandras Mutter Brigitte Sollinger: „Hier stimmt etwas nicht. Hier muss noch ein Hohlraum sein.“ So war es. Zum Vorschein kamen erneut Weckgläser, „nur“ 60 Stück und diesmal mit Blaubeeren – aus den 20er Jahren. „Die waren schon ausgetrocknet“, berichtet Sandra Schmid, „wohin die Flüssigkeit wohl entwichen ist?“

Hier gibt’s „altbayerische Küche“

Als sie ihre Funde auf Facebook postete, kam eine Antwort aus Australien: „Opa hat im Keller noch Wein eingemauert. Die Stelle dürfte nicht schwer zu finden sein.“ Gelegentlich wollen die Sollingers hier einen 40-Millimeter-Bohrer ansetzen und dann mit der Taschenlampe hineinleuchten, so wie vor einem Pharaonengrab.

Im Schwan wird „altbayerische Küche“ gepflegt, also Tiroler Leber, gebackene Milzwurst oder Ochsenbackerl geschmort. Donnerstags gibt’s das bayerisch-mediterrane Buffet „Bella Bavaria“. Freitags findet der Abend „360 Grad Bier“ mit Bierverkostung statt (Sandra Schmid ist Bier-Sommelière).

Auch die Tradition des „Hoagartens“ lebt im Schwan – dann spielt die Stadtkapelle Riedenburg, „Josef Schön rockt das Gasthaus Schwan“ (er kommt mit „Voigas“ aus Töging) oder es gastiert der Musikkabarettist Dr. Michael Mathis aus Beilngries, der eigentlich Hautarzt ist.

Neben dem Freisitz stehen zwei bunt bemalte Lochbretter – für das „Sacklwerfen“, die Säckchen sind mit Mais gefüllt: „Das ist meist eine Riesengaudi“, sagt Sandra Schmid. Zuweilen sieht man hier auch den berühmten Riedenburger Komponisten Franz Hummel. Er komponierte das Musical „Ludwig II.“, für das eigens das Festspielhaus Füssen mit Blick auf Neuschwanstein gebaut wurde.

Alle Teile unserer Serie „Historische Wirtshäuser“ hier!

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