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Tierschutzaktion

Fuchs-Jäger fangen sich Strafanzeige ein

„Peta“ erstattet Anzeige gegen Teilnehmer der „Fuchswoche“ bei Rohr. Die Organisation wirft den Jägern „sinnlose Tötung“ vor.
Von Martina Hutzler

Füchse zu bejagen ist aus Jägersicht unabdingbar. Für die Tierrechtsorganisation Peta ist es nur die „Befriedigung eines blutigen Hobbys“ Foto: Paul Klaver/dpa

Rohr.Eine „Fuchswoche“ hat für die Jäger der Hegegemeinschaft Rohr ein juristisches Nachspiel: Die Tierrechts-Organisation „Peta“ hat nach eigenen Angaben Strafanzeige „gegen alle Teilnehmer der Jagd“ erstattet – sie wertet die einwöchige konzertierte Jagd auf Füchse als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Der Kreis-Jagdverband will die Anzeige derzeit nicht kommentieren.

In der Pressemitteilung „Peta wirft Jägern sinnlose Tötung vor“ gab der in Stuttgart ansässige Tierrechts-Verein den juristischen Warnschuss gegen die Jäger bekannt. Peta vermag in der Jagd auf Rotfüchse nicht den „vernünftigen Grund“ erkennen, den das Gesetz für das Töten eines Tieres fordert: „Weder aus wildbiologischer noch aus gesundheitlicher Sicht besteht ein Grund für die massenhafte Bejagung der Beutegreifer“. Vielmehr sei die Fuchsjagd nur „die Befriedigung eines blutigen Hobbys.“

Peta widerspricht damit der Darstellung der Jäger, wie sie in deren Pressebericht über die Fuchsjagd im Bereich Niederleierndorf-Wildenberg zum Ausdruck kam (MZ vom 12. Februar). Der Abschuss von 32 Füchsen wird darin u.a. begründet mit starken Bestandsrückgängen beim Niederwild, das zur Beute von Füchsen gehöre. Zudem sei fast jeder zweite Fuchs in Bayern vom Fuchsbandwurm befallen; mit diesem Parasiten könne sich der Mensch anstecken. Daher seien die Fuchsbestände zwar „keinesfalls auszurotten“ – weil sie eine wichtige Funktion im Ökosystem hätten –, aber sie seien zu bejagen, so die Jäger.

Mit dieser Auffassung leben kann das bayerische Landwirtschaftsministerium. Zwar erteile das Jagdrecht keinen konkreten Auftrag zur Fuchsjagd. „Allerdings ist die Hege ein wichtiger Grundsatz des Jagdrechts“, antwortet Pressesprecher Hubertus Wörner auf Anfrage unserer Zeitung. Ziel der Hege sei ein „den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepasster artenreicher und gesunder Wildbestand sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen“. Dazu „können beispielsweise Maßnahmen zur Abwehr von Tierseuchengefahren erforderlich sein. Hierüber entscheiden die zuständigen Veterinärbehörden.“

Das Seuchen-Argument beruhe „auf längst widerlegten Annahmen“, kontert Peta. So sei „die Gefahr einer Krankheitsübertragung durch Füchse nahezu auszuschließen.“; der Fuchsbandwurm „zählt zu den seltensten Parasitosen Europas“. Auch sei die Jagd kein Beitrag, um die Fuchsbestände zu regulieren, „weil Verluste rasch durch Zuwanderung und steigende Geburtenraten ausgeglichen werden“, heißt es im Text.

Zum Schutz der Niederwildbestände taugt die Fuchsjagd aus Sicht von Peta ebenso wenig: „Füchse ernähren sich vornehmlich von Mäusen.“ Dass Hase & Co. immer weniger werden, sei „überwiegend auf den Lebensraumverlust und das schwindende Nahrungsangebot zurückzuführen. Hinzu kommt, dass die Jäger in Deutschland selbst jedes Jahr mehr als 200 000 Feldhasen töten“.

Die Argumente von Peta mag Andreas Wasner, Vorsitzender des Kreisjagdverbands Kelheim, vorerst nicht kommentieren: „Wir warten ab, was von der Staatsanwaltschaft kommt“.

Die Regensburger Strafverfolgungsbehörde bestätigt den Eingang der Strafanzeige, am 18. Februar. Sie sei Anlass zu ermitteln, „ob eine Strafbarkeit im Sinne des Tierschutzgesetzes vorliegt“, erläuterte Oberstaatsanwalt Theo Ziegler. Zu prüfen seien die konkreten Gründe für die Jagd. Grundsätzlich sei die Jagd auf den Fuchs ganzjährig, also ohne Schonzeit, zulässig.

Die Fuchswoche der Hegegemeinschaft Rohr ist nicht die einzige Aktion, mit der jetzt die Regensburger Staatsanwaltschaft befasst ist. Ende Januar erstattete Peta auch Anzeige gegen die Teilnehmer einer Hasen-Treibjagd im Raum Furth im Wald. Auch hier läuft die Prüfung noch.

Blick in die Gesetzestexte

  • Jagdrecht

    Unter dem Jagdrecht versteht das Bundes-Jagdgesetz die „ausschließliche Befugnis, auf einem bestimmten Gebiet wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen, (Wild) zu hegen, auf sie die Jagd auszuüben und sie sich anzueignen. Mit dem Jagdrecht ist die Pflicht zur Hege verbunden.“ Das Gesetz listet auch die jagdbaren Tiere auf. Per Verordnung ist definiert Art, ob und welche Schonzeit für eine Art gilt.

  • Tierschutzgesetz

    Im Bundes-Tierschutzgesetz heißt es: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ In Sachen Jagd gilt: „Ist die Tötung eines Wirbeltieres ohne Betäubung im Rahmen weidgerechter Ausübung der Jagd (… )zulässig (…),so darf die Tötung nur vorgenommen werden, wenn hierbei nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen.“

Ginge es nach Vanessa Reitinger, Wildtier-Referentin bei Peta, wäre die Abwägung klar: „Der Tierschutz ist seit 2002 im Grundgesetz verankert. Somit ist das Jagdrecht dem Tierschutz unterzuordnen“, findet sie. Konkrete juristische Erfolge habe Peta noch nicht; es laufe aber eine weitere Anzeige wegen einer Fuchsjagd. Reitinger macht klar, dass es ihrer Organisation um mehr geht: „Wir setzen uns für ein grundsätzliches Verbot der Jagd ein, weil sie unnötig, kontraproduktiv und grausam ist“.

Damit dürfte Peta in Bayern auf entschiedenen Widerstand stoßen. Ihren Ruf nach einem Verbot der Fuchsjagd etwa lehnt das Landwirtschaftsministerium ab, wie Pressesprecher Wörner erklärt: „Die Jagd dient ja dem Erhalt artenreicher und gesunder Wildbestände, auch beim Fuchs. Wir sehen keinen Anlass, die bewährten jagdrechtlichen Regelungen zu verändern.“ Damit wisse man sich im Einklang mit den „im Jagdwesen maßgeblich relevanten Verbänden wie Bayerischer Bauernverband, Bayerischer Waldbesitzerverband und Bayerischer Jagdverband“.

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