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Mittwoch, 22. Februar 2017 5

Überraschend

Workshop: Hoch zu Ross – aber richtig

Pferdewirtin Skara Günther vom Reiterhof „Keltika“ hat ihren Schülern „Nachhilfe“ in Sachen Haltung auf dem Pferd gegeben.
Von Edith Vetter

Die Pferdewirtin Skara Günther korrigiert noch einmal die Körperhaltung einer Reiterin. Foto: Vetter

Rohr.Sie schleichen sich immer wieder ein, treiben Reiter und ihre Lehrer zur Verzweiflung und vermitteln das Gefühl, ein Reitlegastheniker zu sein. Die Rede ist von Sitzfehlern. Hängender Kopf, Verspannungen, Hohlkreuz – fast jeder Reiter hat seinen persönlichen Sitzfehler, der ihn schon über längere Zeit begleitet. Eingefleischte Fehler wird man einfach nicht los. Der Körper hat sich im Laufe der Zeit derart an die fehlerhafte Haltung gewöhnt, dass er sie als „richtig“ abgespeichert hat. Und anders als beim PC verfügt der menschliche Körper nicht über eine Löschtaste. Hochgezogene Fersen und eingeknickte Hüften verschwinden nicht auf Knopfdruck.

Diesem Übel rückte nun ein zweitägiger Sitzkurs unter dem Motto: „Pferd und Reiter in Balance“ mit der Pferdewirtin Skara Günther am Reiterhof „Keltika“ zu Leibe. Der Aha-Effekt blieb nach vielen Übungen und Tipps nicht aus. Resümee der Teilnehmer: „Hätten wir das alles schon von Anfang an gewusst, hätten wir vieles anders gemacht“. Neben der Sitzkorrektur arbeitete die 22-jährige Pferdewirtin auch mit dem Körperband und legte jedem Teilnehmer eine passende Körperbandage an.

Bandagen zur besseren Haltung

Diese elastischen Bandagen sollen helfen, die Ängste abzubauen und ein besseres Körpergefühl vermitteln, erklärte Skara Günther. „Die Ausbildung nach der ’Tellington Touch Methode‘ hat mein Bewusstsein für die Balance, die der menschliche Körper und der Pferdekörper braucht, um sich stressfrei bewegen zu können, geschult und mich in dieser Richtung stark beeinflusst.“ Denn für die junge Pferdeamazone ist es wichtig, eine stressfreie Lernatmosphäre zu schaffen, in der jeder in seinem individuellen Tempo lernen darf. Eine wichtige Rolle spielen hier die Körperwahrnehmung, die Atmung und der Spaß am Zusammensein mit dem Pferd, so Skara Günther. Sozusagen „gut gewickelt“ ging es dann aufs Holzpferd, und es wurde der perfekte Sitz geübt. Hängender Kopf, falsche Schulterhaltung, eingeknickte Hüfte oder hochgezogene Knie wurden korrigiert. „Tief Luft holen! Genauso tief ausatmen!“, ermahnte Skara die Teilnehmer. Oft sei falsche Atmung auch die Ursache vieler Sitzfehlern. „Wer falsch atmet, verspannt.“ Mit ins Boot hatte die Kursleiterin den Physiotherapeuten Alex Bassüner aus Rohr geholt, der sich zuerst die Haltung der Teilnehmer auf dem Pferd ansah und den Muskelapparat des Reiters. Dabei deckte er manche Blockaden auf, gab Therapievorschläge und gute „Tipps“. Die viel gelobte Methode „Knie zusammen“ auf dem Pferd könne anatomisch gar nicht funktionieren, betonte der Physiotherapeut.

Pferdewirtin Skara Günther

  • 2013 Abschluss als staatlich anerkannte „Pferdewirtin Spezialreitweisen Westernreiten“.

  • Ausbildung auf der Chrome-Ranch in Memmingen:

    Fünfmal PHCG baden-württembergische Meisterin. Gewinnerin von drei Bronzemedaillen auf der Europameisterschaft.

  • Weiterbildung:

    2014 bis 2016 zum „Tellington TTouch Practitioner“ nach Linda Tellington Jones. 2015: Zehnwöchiger Aufenthalt in Österreich bei Matthias Einzinger mit intensivem Unterricht in klassischer Dressur. In den Zeiten dazwischen arbeitete sie am elterlichen KELTIKA-Hof, Rohr.

  • Infos:

    E-Mail: www. keltika.eu (eav)

Mit den Reitponys wurde dann das Gelernte am Übungsplatz umgesetzt und mit Videoaufnahmen dokumentiert. Im Film sahen die Teilnehmer dann selber, wie sie tatsächlich auf dem Pferd sitzen, und es folgte am Abend eine lebhafte Diskussion.

Unterricht mit „Wow“-Effekt

Für die 51-jährige Teilnehmerin Karin Heindl aus Lengfeld brachte der Kurs einen „Wow“-Effekt. Sie reitet seit ihrem 15. Lebensjahr, aber erst nach dem Kurs hatte sie das Gefühl, richtig entspannt auf dem Pferd zu sitzen. Mit Hilfe der Bandagen am Körper wurden das Gleichgewichtsgefühl, die Bewegungen und die Veränderungen noch intensiver wahrgenommen. Sie wird versuchen, das Gelernte schrittweise auch am eigenen Pferd umzusetzen. Bei ihrem mehrwöchigen Aufenthalt bei Matthias Einzinger in Österreich sammelte Skara Günther viele Erfahrungen, die wesentlich ihren Unterrichtsstil beeinflussen, sagte sie unserer Zeitung. „Er hat mir ein wirkliches Verständnis dafür vermittelt, wie die Pferdebewegung mit der Reiterbewegung im Zusammenhang steht“.

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