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Dienstag, 23. Mai 2017 25° 3

Operette

Zigeuner, Adel und ein Hauch Ungarn

Yang Sook Jeon und seine Truppe von Darstellern wagen mit der Operette „Gräfin Mariza“ viel – sie punkten beim Publikum voll.
Von Edith Vetter

Eine Zigeunerin liest der Gräfin Mariza aus der Hand und sagt ihr voraus, dass sie sich bald in einen Edelmann verlieben wird. Fotos: Vetter

Rohr.Sehr ungarisch ging es im Amphitheater zu, feurig wie Paprika trumpften die Sänger und Musiker auf, und die Inszenierung von Yang Sook Jeon gab sich so, als befänden sich die Besucher nicht in Rohr, sondern in Budapest. Wegen der farbenprächtigen Partitur und ihrer märchenhaften Geschichte hatten sich Yang Sook Jeon, der Mädchenchor des Gymnasiums und die Liedertafel die Operette „Gräfin Mariza“ von Emmerich Kalman ausgesucht. Die Operette in drei Akten eignet sich perfekt für ein ausgefeiltes Bühnenbild, welches das Amphitheater beim Kloster anbietet, ebenso in ihrer Leichtigkeit für das Füllen der vielen hundert Sitzplätze pro Vorstellung. Das Ambiente war perfekt und erzeugte ein klassisches Open-Air-Feeling, untermalt durch eine laue Sommernacht. Die Operette sprach nicht nur klassische Operettenfans an, sondern auch Einsteiger, die noch von den obersten Reihen mitgerissen werden wollen.

Personen und Darsteller

  • Darsteller:

    Gräfin Mariza – Diana Waldmannstetter; Fürst Moritz Dragomir Populescu – Johann Lankes; Baron Koloman Zsupan – Seung Jeon; Graf Tassilo Endrödy-Wittenburg – Manfred Gaupp; Comtessa Lisa – Sabrina Kellerer; Baron Karl Stephan Liebenberg – Franz Huber; Fürstin Bozena Gudenstein zu Clumetz – Stefanie Amann; Penizek – Korbinian Zellner; Tschekko – Anton Malinowski und Zigeunerin – Carolin Hutterer

  • Gesamtleitung:

    Yank Sook Jeaon

  • Musik:

    Christoph Weickert (Geige), Michael Wackerbauer (Cello), Eva Hermann (Flügel)

  • Weiter Mitwirkende der Operette

    waren der Kinderchor, der Mädchenchor und die Liedertafel

Kurzum: Die Premiere der „Gräfin Mariza“ war ein riesiger Erfolg, die Interpreten brillierten mit Gesang, Tanz und Schauspielkunst und das Publikum war begeistert, was die Laiensänger Großartiges auf die Beine gestellt hatten. Die Rohrer Interpretation der „Gräfin Mariza“ war beeindruckend sowohl in der Regie als auch im Bühnenbild, und die ausgesucht schönen Kostüme ergänzten die Wirkung perfekt. Yang Sook Jeon inszenierte das Stück als Operettenwelt mit Augenzwinkern und etwas Koketterie. Der Balanceakt gelang hervorragend, denn die Musik Emmerich Kalmans funktioniert in diesem Rahmen ausgezeichnet. Kalmann verstand sich nicht nur als Ungar, er war auch verwurzelt mit der Wiener Tradition, seine Musik brachte schon vor Franz Lehar eine große Wehmut mit, zeigte Brüche im heilen Operetten-Gefüge. Musikalisch von einem ungarisch-zigeunerischen Klangmilieu umrahmt, bereichert Kalman die Szenerie in realistischer Manier durch Wiener-Walzer-Klänge sowie Tanzrhythmen aus Übersee. Mit dem Lied: „Grüß mir die süßen, die reizenden Frauen im schönen Wien“, gesungen von Manfred Gaupp (Tassilo), legte sich dann auch schnell das Lampenfieber und steigerte die Spielfreude der Protagonisten. Die Virtuosität der drei Musiker überraschte ebenso wie die Stimmkraft der Sänger, die ohne Mikrofone auskamen.

Wenn plötzlich der Bräutigam auf dem ungarischen Gut der Gräfin Mariza aufkreuzt, den man nur erdichtet hat, um sich lästige Verehrer vom Leib zu halten, dann wird sogar die Gräfin Mariza verlegen. Zum Glück hat der bald ein Auge auf Lisa geworfen, so dass sich die Gräfin ihrem charmanten Verwalter zuwenden kann, der niemand anderes ist als der verarmte Graf Tassilo. Dieser tragisch gefärbte biografische Hintergrund, der maßgeblich zur Vertracktheit der amourösen Verstrickungen beiträgt, gibt dem Werk eine unerwartete Tiefgründigkeit. Dass im allerletzten Moment eine reiche Erbtante als „Dea-ex-Machina“ für eine erquickende Wendung und die pekuniäre Gleichstellung der Brautleute sorgt, ist ein herrliches Operetten-Happy-End, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Bei ihrer imaginären Verlobungsfeier lässt Gräfin Mariza die Puppen tanzen.

Weitere Aufführungstermine: Samstag, 15. Juli, 20 Uhr; Freitag, 31. Juli, 20 Uhr; Samstag, 1. August, 20 Uhr; Sonntag, 2. August, 20 Uhr; Donnerstag, 6. August, 20 Uhr; Freitag, 7. August, 20 Uhr; Samstag, 8. August, 20 Uhr und

Sonntag, 9. August, 20 Uhr jeweils im Amphitheater. Der Eintritt kostet 20 Euro – ermäßigt 10 Euro. Reservierung per mail: operette2015.rohr@gmx.de oder telefonisch von 17 bis 19 Uhr unter (0176) 87 94 11 86.

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