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Dienstag, 23. Mai 2017 25° 3

Geschichte

Wegweiser in dunkle Vergangenheit

Informationstafeln zwischen dem Saaler Bahnhof, dem Ringberg und dem Friedhof erzählen vom Geschehen im KZ-Außenlager Saal.
Von Evi Schmidl

  • Saals Bürgermeister Christian Nerb zeigt die neuen Tafeln des Gedenkweges. „Sich zu erinnern ist wichtig“, sagt er. Fotos: Schmidl
  • Die Informationstafeln aus dem Jahre 2000 sind, wie diese am Bahnhof, vom Zahn der Zeit schon recht angegriffen

Saal.Obwohl viele von uns die grausame Zeit als die Nationalsozialisten regierten am liebsten vergessen würden, sollte doch immer wieder daran erinnert werden. Es gelte nicht nur den Opfern diese Ehre zu erweisen, sondern auch nach Kräften zu verhindern, dass ähnliches noch Mal geschehen kann. Dieser Meinung ist auch Saals Bürgermeister Christian Nerb. Er hat seien Beitrag dazu geleistet, dass kürzlich sechs Gedenktafeln an den Orten des schrecklichen Geschehens aufgestellt werden konnten.

Im Jahre 1944 wurde das Außenlager Flossenbürg unter dem Decknamen „Geheimprojekt Ring-Me“ errichtet. Am 30. November 1944 verließen die ersten 200 Inhaftierten den Zug im Bahnhof Saal und wurden zum Ringberg getrieben. Sie sollten unterirdische Produktionsstätten für die Messerschmitt-Werke Regensburg bauen und dort die angepriesene „Wunderwaffe“ fertigen. Ein Düsenflugzeug sei geplant oder sogar gebaut worden sein. Genauere Unterlagen dafür sollen nicht mehr vorhanden sein.

„Todesmarsch“ nach Dachau

Die Annahme des Flugzeugbaues bestätige aber, dass am gegenüberliegenden Donauufer in Herrnsaal eine Start- und Landebahn hergerichtet wurde. Auch Zwangsarbeiter, also Zivilisten aus anderen Ländern, sollen im KZ-Außenlager in Zwölf-Stunden-Schichten bei unmenschlichen Bedingungen die Stollen im Berg ausgebaut haben. Ebenso mussten die Inhaftierten das Lager selber errichten. Insgesamt 70 SS-Angehörige drangsalierten unter dem Kommando des Hauptscharführers Konrad Maier die Insassen. Jeder Dritte der etwa 750 Menschen dort starb. Das Drama erreichte im April 1945 einen neuen Höhepunkt. Mehrere 100 Menschen aus dem KZ Außenlager Hersbruck trafen ein und wurden in einem Zelt zusammen gepfercht.

Sind zum Anfang der Lagerzeit die Toten noch in einem Massengrab bestattet worden, errichteten die Peiniger später eine provisorische Verbrennungsstätte am Waldrand. Als die Amerikaner 1945 in Sicht waren, räumte die SS das Lager. Weil die Menschen aus dem Krankenrevier nicht gehen konnten, steckte die SS kurzerhand den Bau in Brand. Die Befreier fanden alleine dort 16 Tote.

Viele der geschwächten Häftlinge starben beim sogenannten „Todesmarsch“ in Richtung Dachau.

Nach Kriegsende zwangen die Alliieren die einstigen örtlichen „Machthaber“ das Lager am Ringberg zu räumen. Die Toten sollte, zum immerwährenden Gedenken, ihre letzte Ruhestätte in der Ortsmitte haben. 1950 wird der „Ehrenfriedhof“ an der Bahnhofstraße eingeweiht.

Weil die evangelische Kirche dort ein Gotteshaus errichten wollte und auch errichtete, wurden die sterblichen Überreste 1957 in den Ehrenfriedhof der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg überführt. Im Saaler Waldfriedhof fand eine Gedenkstätte ihren Platz. Die ersten Informationstafeln zum damaligen Geschehen wurden im Jahr 2000 auf initiative der Katholischen Jungen Gemeinde errichtet. Diese Tafeln sind aber in die Jahre gekommen und kaum mehr leserlich. Zudem hätten Forscher in der Zwischenzeit einige neue Erkenntnisse gewonnen.

Der „Arbeitskreis Heimatgeschichte“ allen voran Birgit Eisenmann und Vorsitzende Sylvia Kühnl nahmen sich 2012 erneut des Gedenkweges an. Eisenmann hat regelmäßig Kontakt zu Jakob Haiblum, einem der ehemaligen Insassen, der heute in Israel lebt. Er hat die Gemeinde und den Ort seiner ehemaligen Qual schon öfter besucht. Dabei bestätigte er immer wieder, dass in Saal eines der schlimmsten Lager war.

Zeitzeugen berichten

In Zusammenarbeit mit Jörg Skriebeleit von der den Gedenkstätten Flossenbürg und Ulrich Fritz, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, wurden neue Texte in Deutsch mit englischer Übersetzung erarbeitet. 2013 und ein Jahr später, so erfuhr Christian Nerb aus den Unterlagen seines Vorgängers Peter Buberger, habe die Landtagsabgeordnete Johanna Werner-Muggendorfer (SPD) Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle schriftlich kontaktiert und um Unterstützung gebeten. Die Erlaubnis zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn wurde 2014 erteilt. Im Mai des selben Jahres fand noch ein Mal ein runder Tisch mit allen Beteiligten statt. Der Auftrag zum Bau der Tafeln wurde erteilt. Privatpersonen wie Peter Schmoll stellten ihre Archive für die Gestaltung zur Verfügung. Der AK-Heimatgeschichte hat Zitate von Zeitzeugen gesammelt, die auch nicht unerwähnt blieben. So berichtete beispielsweise Ottilie Brandt: „Im Winter mussten wir nicht mehr auf unsere Felder, aber das man Leichen vom Lager verbrannte, darüber wusste ich Bescheid. Ich habe auch den Rauch aufsteigen sehen, es lag ein süßlicher Geruch in der Luft.“

Nerb sagte, dieser Weg sei durchaus ein Bereicherung für Saal. Er eigne sich zur Information für alle Interessierten. Auch Schulklassen könnten dorthin Exkursionen unternehmen, um das Geschehene nicht „einschlafen“ zu lassen.

Weitere Berichte aus Saal finden Sie hier.

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