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Leserfrage

Das Bombodrom bleibt weiter Flugrevier

Über dem Landkreis Kelheim ist weiterhin ein Flugkorridor der Luftwaffe offen. Der kann jederzeit genutzt werden.
von Benjamin Neumaier

Eurofighter dürfen weiterhin über dem Landkreis Kelheim ihre Übungsrunden drehen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Siegenburg. Fluglärm über dem Bombodrom in Siegenburg sollte eigentlich der Vergangenheit angehören. Der ehemalige Luft-Boden-Schießplatz wird nicht mehr genutzt und hat aktuell den Status eines Naturschutzgebietes. Nun wandte sich aber MZ-Leser Christian Obermeier aus Train in der vergangenen Woche an unsere Zeitung: „Fluglärm im Bereich Train, Siegenburg. Seit Tagen führen Eurofighter diverse Flugmanöver durch. Diese verursachen leider eine sehr hohe Lärmbelästigung. Können Sie in Erfahrung bringen, warum und wie lange diese Flugmanöver durchgeführt werden?“

Üben für den Tag der Bundeswehr

Der Fluglärm in Siegenburg und Train wurde tatsächlich durch tieffliegende Eurofighter verursacht – die üben für den Tag der Bundeswehr am 11. Juni in Neuburg a. d. Donau. Der dafür zuständige Oberstabsfeldwebel Martin Müller aus Neuburg klärt auf: „Der Eurofighter ist das modernste Kampfflugzeug der Luftwaffe. Um dessen beeindruckende Leistungsfähigkeit einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, wurde das Taktische Luftwaffengeschwader 74 beauftragt, unter anderem am Tag der Bundeswehr am 11. Juni in Neuburg, eine Leistungsdemonstration durchzuführen. Hierfür ist ein umfangreiches Vorbereitungsprogramm notwendig. Dies umfasst mehrere Flüge im Simulator, Realflüge in einem militärischen Sperrgebiet, Vorübungen in Neuburg sowie an dem jeweiligen Veranstaltungsort. Derzeit wird im Luftraum über Neuburg abhängig von der Wetterlage an verschiedenen Tagen geübt. In der 20. Kalenderwoche (16. - 22. Mai) finden vereinzelte Übungsflüge auch im Luftraum zwischen Ingolstadt und Regensburg, beziehungsweise dem Großraum Kelheim statt. Es ist in diesem Bereich mit erhöhtem Lärmaufkommen zu rechnen. Wir bitten um Verständnis.“

Das ehemalige Bombodrom aus der Luft betrachtet. Foto: Satzl-Archiv

Die Übungsflüge seien eine Ausnahme, hieß es auch aus Manching. Die sind für den sogenannten zeitlich reservierten Luftraum mit Flugbeschränkungen ED-R 138 zuständig. Vom Luftfahrtamt der Bundeswehr gab es folgende Auskunft: „Der Bereich des ehemaligen Schießplatzes Siegenburg liegt teilweise innerhalb der Kontrollzone des Flugplatzes Manching. Die Kontrollzone eines Flugplatzes dient der Entflechtung des Flugbetriebes und der sicheren Durchführung von An- und Abflugverfahren und Platzrunden, wodurch ein erhöhtes Flugaufkommen in diesem Bereich normal ist.“ Der Bereich rund um das Bombodrom werde aber nur in Ausnahmefällen angeflogen, die Flugrouten seien „lokal stark begrenzt“.

Flugdienstleiter Oberstleutnant Armin Geisse wurde konkreter: „Der Luftraum ist nicht ständig geöffnet, kann aber für Übungsflüge zeitlich begrenzt reserviert werden. In der Regel passiert das dann für 30 bis 45 Minuten. Die Anmeldung läuft über das Luftfahrtamt in München, der Korridor wird dann für die zivile Luftfahrt gesperrt.“ Dieser Flugkorridor erstrecke sich in Richtung Osten von Neuburg über Manching, Siegenburg und Kelheim, vorbei an Regensburg bis nach in den Norden Schwandorf. Von dort führt er Richtung Westen über Grafenwöhr, bis etwa nach Forchheim, dann Richtung Süden vorbei an Neumarkt wieder bis nach Neuburg.

Das sagt der Landrat

  • Unfreundlicher Akt:

    „Wir sind nicht informiert über die durchgeführten Flüge. Ich finde es als unfreundlichen Akt, wenn nach der Auflösung der militärischen Nutzung weiter mit Militärflugzeugen rumgeflogen wird und die eh schon geschundenen Nerven der Bevölkerung weiter strapaziert werden. Im Übrigen handelt es sich um ein festgesetztes Naturschutzgebiet, das diese Belastung nicht verträgt.“

  • Einsatz:

    „Ich werde mich entschieden gegen die weitere Nutzung durch militärische Flüge und auch Kunstflüge einsetzen.“

Grundsätzlich ist laut dem Luftfahrtamt der Bundeswehr „über dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland überall militärischer Flugbetrieb zulässig. Die dabei einzuhaltende Mindesthöhe für Kampf- und Transportflugzeuge über Grund beträgt 1000 Fuß, circa 300 Meter. Diese für den militärischen Tiefflug geltende Mindesthöhe darf hierbei nach vorheriger Anmeldung in wenigen aber unverzichtbaren, festgelegten Ausnahmen auf 500 Fuß, circa 150 Meter über Grund, unterschritten werden.“ Außer den Übungsflügen zum Tag der Bundeswehr, sind „in naher Zukunft keine Übungen in der Region um Kelheim oder Niederbayern bekannt“.

Auch Drohnen dürfen fliegen

Der Flugkorridor könne aber prinzipiell jederzeit genutzt werden, unter anderem auch für unbemannte Übungsflüge mit Drohnen. Geisse dazu: „Kleine Drohnen bleiben innerhalb eines sehr begrenzten Radius um Manching, verursachen indes wenig Lärm und bei Übungsflügen von großen Drohnen, wie dem Eurohawk, dient Manching nur als An- und Abflugplatz.“ Der Eurohawk, dessen Tests in Manching im Jahr an einer Hand abzählbar seien, bleibe nicht im angesprochenen Korridor, sondern bewege sich frei. „Außerdem ist die Lärmbelästigung mit dem eines zivilen Personenfliegers vergleichbar – also deutlich niedriger als bei einem Kampfflugzeug und außerdem fliegt der Eurohawk in einer Höhe von 3000 bis 4000 Metern.“

Sollte es dennoch zu Lärmbelästigungen kommen, bitte die Bundeswehr um Verständnis. Martin Müller: „Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg ist stets um ein gutes Verhältnis mit der Bevölkerung in der Region bemüht. Es ist uns ein großes Anliegen, wo immer möglich, im offenen Dialog tragfähige Kompromisse zwischen Auftragserfüllung und Belastung zu finden. Bei Anfragen oder Beschwerden bitten wir auf das allgemeine Bürgertelefon beim Luftfahrtamt der Bundeswehr zu verweisen. Die Rufnummer hierfür lautet: (08 00) 8 62 07 30.

Für die Bearbeitung von Schadensersatzforderungen aufgrund militärischen Flugbetriebs ist das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) zuständig. Sollte ein Schaden entstanden sein, der auf militärischen Flugbetrieb zurückzuführen ist, können sich Betroffene unter Angabe von Datum und Uhrzeit des Geschehens an diese Behörde wenden: Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr; Dezernat DL II 1; Fontainengraben 200; 53123 Bonn .

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