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Aus dem Gerichtssaal
Donnerstag, 14. Dezember 2017 4

Prozess

Bauherrin um 88 000 Euro geprellt

Der Ex-Chef einer Firma für Holzhäuser aus dem Landkreis Kelheim wurde wegen Betrugs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Von Marion von Boeselager

Der ehemalige Firmenbesitzer muss 250 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Foto: dpa

Regensburg. Der frühere Geschäftsführer eines Unternehmens für die Herstellung und den Vertrieb von Holzhäusern im südlichen Landkreis Kelheim stand am Mittwoch wegen Betrugs in 198 Fällen und Insolvenzverschleppung vor dem Regensburger Schöffengericht für Wirtschaftsstrafsachen. Der 66-jährige Schreinermeister, der die Pleitegegangene Firma von 2007 bis 2014 führte, soll die Augen verschlossen haben, als diese in finanzielle Schieflage geriet. Bereits zwei Jahre, bevor schließlich der Insolvenzantrag gestellt wurde, war sie schon zahlungsunfähig und wies Verbindlichkeiten im hohen sechsstelligen Bereich auf.

197 Rechnungen nicht bezahlt

Mangels Kontodeckung kam es zu insgesamt 19 Lastschriftretouren, hieß es in der Anklageschrift. Dennoch ließ sich der Firmenchef von zahlreichen Firmen weiter mit Material beliefern und von Handwerkern Dienstleistungen erbringen, so die Vorwürfe weiter. In 197 Fällen bezahlte er die angefallenen Rechnungen in Höhe von insgesamt 438000 Euro nicht.

Während die Firmen ihre Außenstände vielleicht noch eher verkraften konnten, traf es eine Frau aus dem südlichen Landkreis schwer: Sie hatte bei der Hausbaufirma auf ihrem Grundstück zwei Fertighäuser und einen Anbau für insgesamt fast eine halbe Million Euro in Auftrag gegeben. -Doch zur Ausführung des Projekts kam es nie. Obwohl dem Firmenchef finanziell längst das Wasser bis zum Hals stand, ließ er sich von der Bauherrin noch Ende 2014 eine Anzahlung von 88370 Euro überweisen. Das Geld wird die Auftraggeberin wohl nie wieder sehen.

Firmen hielten still

Nach einem Rechtsgespräch gestand der 66-Jährige Familienvater, der sich in Privatinsolvenz befindet und heute von seiner Rente lebt, den Betrug zu Lasten der Bauherrin und die Insolvenzverschleppung. Die Vorwürfe in Sachen Lieferanten wurden eingestellt: Offenbar konnte hier kein Betrugsvorsatz klar nachgewiesen werden. Es gab wohl Stundungsvereinbarungen und die Firmen hatten weiter geliefert, obwohl die Baufirma nicht mehr zahlte.

Da der bisher unbescholtene 66-Jährige sich nicht selbst bereicherte, sondern die Firma bis zuletzt retten wollte, kam er mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten davon. Zudem muss er 250 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

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