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Aus dem Gerichtssaal
Montag, 18. Dezember 2017 1

Gericht

Nerb-Villa kommt unter den Hammer

Die 1,3-Millionen-Euro-Immobilie bei Painten fand noch keinen Käufer. Das Gebot eines Ehepaars war den Gläubigern zu niedrig.
Von Marion von Boeselager

Die zur Versteigerung stehende Villa liegt im Paintner Ortsteil Netzstall. Das Grundstück umfasst 10498 Quadratmeter, die Villa selbst 572 Quadratmeter. Foto: Weigert

Painten.Der ehemalige Präsident des SSV Jahn Regensburg und Ex-Südfinanz-Chef Franz Nerb sorgte in früheren Jahren immer wieder für Schlagzeilen. Die Politiker priesen ihn als Sanierer der alten Schnupftabaksfabrik in der Regensburger Altstadt. In der Öffentlichkeit sah man die schillernde Figur, die privat in einer noblen Villa im Paintner Ortsteil Netzstall (Landkreis Kelheim) wohnte, oft in Begleitung von attraktiven blonden Frauen in Highheels und Männern in dunklen Anzügen. Als der SSV-Jahn in großen Problemen steckte, trat Nerb als dessen Retter auf die Bühne.

Knapp am Gefängnis vorbei

Doch im Hintergrund ging es rapide bergab: 2013 schrammte das Multitalent nur haarscharf an einer Gefängnisstrafe vorbei: Zwei Jahre mit Bewährung und 20000 Euro Geldstrafe lautete das Urteil des Regensburger Schöffengerichts für Wirtschaftsstrafsachen – wegen Vorenthaltens von Arbeitsentgelten, vorsätzlicher Insolvenzverschleppung, vorsätzlichen Bankrotts und Steuerhinterziehung. Nerb hatte die Vorwürfe gestanden.

Am Donnerstag folgte der möglicherweise letzte Akt seines Wirkens an der Donau: Seine bei Painten gelegene Villa sollte im Regensburger Justizgebäude unter den Hammer kommen. Auf dem 10498 Quadratmeter großen Grundstück befinden sich neben der Villa mit 572 Quadratmetern Wohnfläche und sechs Tiefgaragen-Stellplätzen eine Scheune, eine Grillstation und ein Pavillon sowie ein weiteres, vermietetes Einfamilienhaus mit Doppelgarage.

Mitversteigert werden soll eine angrenzende 8391 Quadratmeter große Fläche, die derzeit „zur Arrondierung des Gartens und als landwirtschaftliche Fläche“ dient, heißt es in den Unterlagen. Als Alleineigentümerin der Immobilie und Schuldnerin wird eine „AHP Vermögensverwaltung GmbH“ angegeben. Geschäftssitz der Firma war bis vor Kurzem eine Adresse in der Regensburger Altstadt.

Blick ins Handelsregister

Ein Blick ins Handelsregister verrät zudem, dass auch hinter der „AHP“ der Name Franz Nerb steht. Bis 2014 wird er in den öffentlich zugänglichen Quellen als Geschäftsführer der AHP Vermögensverwaltung GmbH genannt. Inhaberin ist zu 94 Prozent ein Schweizer Unternehmen namens WKL, als dessen Vorstand und Geschäftsführer wiederum Franz Nerb fungiert. Allerdings ist weiter vermerkt, die WKP befinde sich „in Liquidation“.

Nerb geriet bereits lange zuvor finanziell in die Bredouille. 2013 stand er unter anderem wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht. Im Fokus der Öffentlichkeit stand der Fall vor allem auch, weil Nerb beim Jahn Regensburg 2006 und 2007 drei Fußballer nicht bei der Sozialversicherungsbehörde angemeldet hat. Sie arbeiteten schwarz für den SSV, ebenso wie Trainer Mario Basler.

Zur Pleite trug auch die I.V.I. Beteiligungs KG und Co Bauträger KG bei, mit der Nerb im Regensburger Stadtwesten ein Verwaltungsgebäude für einen Konzern baute. Doch das Projekt floppte.

Zur Zwangsversteigerung der Paintener Immobile erschienen am Donnerstag nur ein Dutzend Interessenten und einer der Gläubiger mit seinem Anwalt. Die AHP oder Franz Nerb waren nicht vertreten. Letzterer war auch telefonisch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Zuschlag erst ab 50 Prozent

Rechtspfleger Buckley erläuterte, ein Zuschlag könne „von Amts wegen“ erst bei einem Gebot ab 50 Prozent des Verkehrswerts von 1,3 Millionen Euro erfolgen. Bei einem Gebot zwischen 50 und 70 Prozent liege es „an den betreibenden Gläubigern“, ob es zum Zuschlag komme.

Nur ein Ehepaar bot für die Villa eine Summe knapp darüber: 911000 Euro. Doch das war dem anwesenden Gläubiger zu wenig. Das Verfahren wurde daher einstweilig eingestellt, bis die Gläubiger eine Fortsetzung beantragen. Ein weiterer Interessent, der aber kein Gebot vorlegte, gab als Grund dafür an, er habe doch „Bauchweh“ bekommen: „Man weiß ja nicht, ob die Villa nicht ein Sanierungsfall ist“, meinte er. Außerdem verwies er auf den in Painten geplanten Windpark, dessen Realisierbarkeit allerdings noch nicht feststeht. In einigen Wochen oder Monaten könnte die Versteigerung fortgesetzt werden.

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