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Aus dem Gerichtssaal
Montag, 11. Dezember 2017 3

Justiz

Unfall: Porsche-Fahrer rastete aus

Der Mann war im März 2016 in eine Karambolage bei Nittendorf verwickelt. Er beleidigt einen Feuerwehrmann und attackiert ihn.
Von Sebastian Schmid und Christof Seidl, MZ

Der Fahrer eines Porsche beleidigte bei einem Unfall auf der A3 bei Nittendorf einen Feuerwehrmann, schüttelte und schubste ihn. Am Montag hatte der Vorfall vor Gericht ein Nachspiel. Foto: Ratisbona Media

Regensburg.Wegen Behinderung der Feuerwehr, Beleidigung und körperlicher Misshandlung musste sich ein Mann am Montag vor dem Amtsgericht Regensburg verantworten. Er war am 20. März 2016 mit seinem Porsche auf das Ende eines Staus aufgefahren, der sich gegen 3.30 Uhr morgens nach einem Serienunfall kurz vor der Anschlussstelle Nittendorf auf der Autobahn A3 in Richtung Passau gebildet hatte. Die Feuerwehr sicherte den Bereich mit einem Sicherungsanhänger. Etwa eine halbe Stunde später fuhr ein VW Polo fast ungebremst auf das Stauende auf. Er kollidierte mit fünf Fahrzeugen, darunter der Porsche des Angeklagten. Bei dem Unfall wurden sieben Menschen teils schwerer verletzt.

Ein Feuerwehrmann, der kurz zuvor noch von einer abgerissenen Schiebetür getroffen und dabei leicht verletzt worden war, lief zu den Fahrzeugen, um nach Verletzten zu suchen. Als er das zweite verunglückte Fahrzeug kontrollierte, kam der Angeklagte auf den Feuerwehrmann zu und beschimpfte ihn und seine Kollegen als „Volldeppen“, die unfähig seien, eine Unfallstelle abzusichern. Jetzt sei sein neuer Porsche im Wert von 175000 Euro kaputt.

Geschubst und geschüttelt

Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Foto: Ratisbona Media

Der Bitte des Feuerwehrmanns, zu seinem Fahrzeug zurückzugehen, kam der Mann nicht nach. Auch seine Begleiterin konnte in nicht beruhigen. Er schubste den Feuerwehrmann, beleidigte ihn erneut, schüttelte ihn und schob ihn nach hinten. Erst als ein Passant und ein Feuerwehrkommandant dazwischen gingen, ließ der Angeklagte von seinem Opfer ab. Der Feuerwehrmann und der Markt Nittendorf erstatteten wegen des Vorfalls Strafanzeige.

Die Anklage warf dem Mann vor, mindestens zwei Feuerwehrkräfte behindert und deren Einsatz für andere von dem Unfall betroffene Menschen erschwert zu haben. Dem Feuerwehrmann habe er zusätzliche Schmerzen zugefügt. Im Prozess räumte der Angeklagte die Vorwürfe schnell ein, relativierte sie aber. „Im Prinzip stimmt die Anklageschrift, aber sie ist sehr dramatisiert dargestellt.“ Er habe den Feuerwehrmann zur Rede gestellt, da er die Absicherung der Unfallstelle für unzureichend hielt. „Dass ein Unfall passiert ist, zeigt doch, dass ich Recht hatte.“ Auf den Vorwurf, den Feuerwehrmann an der Jacke gepackt und in ein Wortgefecht verwickelt zu haben, sagte der Angeklagte: „In diesem Moment habe ich nicht daran gedacht, ob ich ihn von der Arbeit abhalte. Ich war wütend und aufgebracht.“ In einem Brief an den Markt Nittendorf hatte er sich zwei Wochen nach der Tat entschuldigt.

Bilder von der Unfallstelle im März 2016 sehen Sie hier:

Unfallserie auf der Autobahn A3

Einer der Polizisten, die zur Unfallstelle gerufen wurden, bezeichnete die Sperrung als ungewöhnlich, da sie ohne Absprache mit der Polizei erfolgt war. „Ich hätte Bedenken angemeldet“, sagte er. Die Richterin wollte wissen, ob schon vor dem Stauende eine Vorabsicherung angebracht war, die auf die Gefahrensituation hingewiesen hätte. Diese Absicherung habe es gegeben, sagte der Polizist.

„Habe schon Schlimmeres erlebt“

Für einen Paukenschlag im Gerichtssaal sorgte der Feuerwehrmann, der zum Opfer des Angriffs wurde: Er zog seine Anzeige zurück. „Das Verfahren gegen den Fahrer des VW Polo, den Unfallverursacher, ist eingestellt worden“, sagte er. „Ich könnte es mit meinem Gerechtigkeitsempfinden nicht vereinbaren, wenn der Angeklagte heute bestraft wird.“ Dieser habe schon mit ihm gestritten und ihn an der Jacke gepackt. Dennoch zeigte der Feuerwehrmann Verständnis: „Vielleicht hätte ich in der Situation das Gleiche getan.“ „Leider kommt es immer wieder zu diesen Vorfällen, aber ich habe schon Schlimmeres erlebt.“ Schmerzen habe er durch den Angriff nicht erlitten. Seine eigentliche Aufgabe, den Verunglückten zu helfen, habe er ein oder zwei Minuten später wieder aufgenommen.

Letztlich ging die Verhandlung für den Angeklagten glimpflich aus. Das Verfahren wurde gegen eine Geldbuße von 500 Euro zugunsten von KreBeKi Neutraubling eingestellt.

„Das ist leider Tagesgeschäft“

Im Gespräch mit unseren Medienhaus geht Kreisbrandrat Ludwig Scheuerer auf die Probleme ein, die Feuerwehrkräfte bei Absperrungsmaßnahmen und Unfällen haben.

Wie oft kommt es vor, dass Feuerwehrleute bei solchen Unfällen beschimpft werden?

Leider Gottes ist das unser Tagesgeschäft. Das kann bei allen Absperrungsmaßnahmen passieren, bei denen wir im Einsatz sind, z.B. auch beim Challenge. Wir werden mit allen erdenklichen Schimpfworten diffamiert. Dabei machen die Feuerwehrleute doch nur ihren Dienst.

Kommt es auch öfters zu körperlichen Attacken?

Direkte körperliche Gewalt gegen Feuerwehrkräfte ist selten. Aber dass jemand bei Absperrungen genötigt wird, zur Seite zu gehen, weil ein Verkehrsteilnehmer einfach weiterfährt, das kommt immer wieder vor.

Gibt es eine Ausbildung, die Feuerwehrleute auf derartige Situationen vorbereitet?

Ja, das ist Bestandteil in mehreren Ausbildungen. Es geht darum, ruhig und sachlich zu bleiben, wenn jemand aggressiv wird. Schlimmstenfalls ist es besser, nachzugeben, die Fahrzeugnummer zu notieren und die Person zur Anzeige zu bringen.

Kommen solche Anzeigen häufig vor?

Nein, das ist selten der Fall. Es kommt ja meistens wenig dabei heraus. Das Problem ist, dass solche Vergehen in der deutschen Rechtssprechung kaum geahndet werden. Wer beispielsweise die Rettungsgasse verweigert, kann in Österreich mit bis zu 10000 Euro belangt werden. In Deutschland sind es 40.

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