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Aus dem Gerichtssaal
Dienstag, 12. Dezember 2017 5

Gericht

Waffe ohne Schein kostet 15 000 Euro

Ein Unternehmer aus dem Kreis Kelheim erhält eine Geldstrafe. Sein Staranwalt will wohl mit dem Fall in die zweite Instanz.
Von Beate Weigert

Eine Einstellung gab’s vor dem Kelheimer Amtsgericht auch mit einem der bekanntesten Strafverteidiger Deutschlands nicht. Foto: Archiv/Weigert

Kelheim.Weder aus der Einstellung des Verfahrens noch aus einer symbolischen Höhe des Tagessatzes wurde etwas in einem Strafbefehlsverfahren vor dem Kelheimer Amtsgericht. Beides hatte der Verteidiger eines Unternehmers aus dem Kreis Kelheim am Mittwoch, 14. Dezember, gefordert.

Das Interessante an der Verhandlung war weniger der Sachverhalt an sich – es ging um den vorsätzlichen, unerlaubten Besitz einer Jagdwaffe samt Munition – sondern, dass der 54-jährige Angeklagte Steffen Ufer, einen der bekanntesten deutschen Strafverteidiger, als Rechtsbeistand hatte.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Regensburg hatte der Mann nachdem sein Jagdschein Ende März abgelaufen war, weiterhin ein Jagdgewehr und Munition besessen.

Mit Waffe beim Landratsamt

Der Angeklagte äußerte sich per Stellungnahme vorgetragen durch seinen Verteidiger. Darin hieß es, dass der Unternehmer mit Waffe und Munition bereits beim Kelheimer Landratsamt gewesen sei. Dort habe es jedoch geheißen, dass die Abgabe ohne Waffenbesitzkarte nicht möglich sei. Besagte Karte sei dann aber nicht auffindbar gewesen. Durch eine Schludrigkeit in seinem Büro sei die entsprechende Verlustanzeige nicht weitergeleitet worden. Und dann habe bereits die Hausdurchsuchung stattgefunden bei der die Waffe – auf Kooperation seines Mandanten – gefunden und sichergestellt worden sei.

Nach einem halbstündigen Rechtsgespräch zu Beginn der Verhandlung war klar: der Angeklagte zieht den Einspruch nicht zurück und für die Staatsanwältin kommt die Einstellung des Verfahrens nicht infrage. Den Sachverhalt an sich räumte der Angeklagte vollumfänglich ein.

„Dann können wir es kurz machen, wir wollen unser Glück probieren“, erklärte Anwalt Ufer. Gemeint war die nächste Instanz, die man zu bemühen gedenke. Der Jurist monierte er, dass die Justiz bei „kleinen Geschichten immer besonders hartnäckig ist“, während bei Millionenfällen „immer alles viel einfacher“ sei. Vielleicht sitze man in der nächst höheren Instanz einem Richter gegenüber, der auch Jäger sei und der auch schon mal schlampig gewesen sei, stellte der Verteidiger in den Raum. Da der Angeklagte geständig war, wurden dann die vier geladenen Zeugen nicht mehr gehört. Als diese entlassen wurden, stellte sich heraus, dass sich auch noch zwei weitere Mitarbeiter des Unternehmers als spontane Zeugen am Gericht eingefunden hatten.

Schlamperei änderte nichts

Am Ende wurde es für den Unternehmer teurer als ursprünglich im Strafbefehl festgelegt. Richterin Alexandra Landsmann verhängte 75 Tagessätze à 200 Euro, sprich eine Geldstrafe von 15 000 Euro. Begründung: „Selbst wenn es Schlamperei war, ändert das nichts an der Strafbarkeit. Es hätte andere Möglichkeiten gegeben, die Waffe los zu werden.“

Die Staatsanwältin hatte zuvor 90 Tagessätze gefordert, der Verteidiger „symbolische“ 30. Sein Mandant sei kein Krimineller und dessen zwei Vorstrafen wegen Beleidigung und übler Nachrede für den vorliegenden Fall nicht bedeutsam, so Ufer. Der Unternehmer sei einer, der manchmal impulsiv sei und „dem anderen sagt, was er von ihm hält“. Im vorliegenden Fall habe er sich nicht ausreichend gekümmert. Die Hausdurchsuchung hätte es seiner Ansicht nach nicht gebraucht, ein Anruf des Landratsamts hätte auch genügt, um die Sache zu klären.

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