mz_logo

Gillamoos
Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

Brauchtum

Kuchlbauer steht zur Tradition

Die Brauerei Kuchlbauer in Abensberg präsentiert ihren 28. Gillamoosbierkrug. Das Motiv stammt von einem alten Bekannten.
Von Hannah Prantl

Bräu Leonhard Salleck präsentiert seinen neuen Gillamooskrug, den natürlich ein Motiv vom Gillamoos ziert.Foto: Hannah Prantl

Abensberg.Wie jedes Jahr gibt es zum Gillamoos nicht nur den offiziellen Bierkrug des Stadtverbandes Abensberg, sondern auch den der Brauerei Kuchlbauer. Diese Tradition besteht seit 1989, doch ihren Ursprung nahm sie schon früher. Bräu Leonhard Salleck erinnert sich: Im Jahre 1980, als in Abensberg noch die bayerischen Schafkopfmeisterschaften ausgetragen wurden, nahm man dies zum Anlass einen Krug zu bedrucken, was von da an Jahr für Jahr gemacht wurde, bis die Idee eines eigenen „Gillamooskrugs“ ins Leben gerufen wurde.

Jedes Jahr aufs Neue

Seitdem wird der Krug jedes Jahr von einem individuellen Motiv geschmückt. Dieses soll laut Brauereiinhaber Salleck verschiedene Aufgaben erfüllen: Besondere Ereignisse wie der Bau des Hundertwasserturms oder des Kunsthauses, aber auch das 500-jährige Bestehen des Reinheitsgebotes sollen dargestellt werden, genauso wie persönliche Erfahrungen, die Salleck gemacht hat. In den Jahren von 2004 bis 2006, als er eigenen Angaben nach mit dem Widerstand gegen seinen Turmbau zu kämpfen hatte, schmückten die Gillamooskrüge Motive aus der Sammlung „Zirkus-Sensationen“ von Ferdinand Kieslinger, welche der Brauereibesitzer mit diesem Konflikt persönlich in Verbindung bringt.

Kieslinger war ein vor allem regional bekannter Künstler, der von 1920 bis 1982 in Abensberg wirkte. Seine Werke sind rund um Abensberg an vielen Orten und in vielen Formen zu finden egal ob als Ölgemälde, Holzschnitte, Grafiken, Zeichnungen oder Buchillustrationen. Doch sein berühmtestes Motiv dürfte wirklich jeder aus Abensberg und Umgebung kennen: Das Bild von dem Mädchen und ihrem Teddybären, welches jedes Jahr die Gillamoosplakate schmückt. Angeblich soll es sich bei der Abbildung sogar um Kieslingers Tochter und ihr Lieblingskuscheltier handeln, ist auf der Internetseite www.gillamoos.de nachzulesen.

Auch das Motiv des diesjährigen Kuchlbauer-Bierkrugs ist ein Abdruck eines Werkes Kieslingers. Es zeigt ein Kettenkarussell. Der ursprüngliche Holzschnitt aus dem Jahre 1959 ist die vereinfachte Abbildung eines Originalfotos eines Kettenkarussells. Dieses gehörte Josef Schwendner, der 1896 in Aunkofen geboren wurde und nach dem Ersten Weltkrieg als „Schwerbeschädigter“ mit seinem Karussell, zeitweise auch mit einem Wanderkino und einer Orgel herumzog und auch auf dem Gillamoos vertreten war. Weitere Jahrmarktmotive wie ein Marktschreier und Luftballons sind auf dem Maßkrug abgebildet. Der Kirchturm im Hintergrund und die kleine schwarz-weiße Fahne, lassen darauf schließen, dass es sich tatsächlich um den Gillamoos handelt, sagt Salleck.

„Ich habe schon oft Werke von Ferdinand Kieslinger als Vorlage für die Motive der Krüge genommen, weil seine Bilder eine besondere Ausdruckskraft und Perfektion aufweisen“, erzählt der Bräu. „Als ich sechs Jahre alt war, sah ich zu, wie er einen Lieferwagen der Brauerei beschriftete und war damals schon fasziniert, wie gekonnt er die einzelnen Buchstaben nebeneinandersetzte.“ Außerdem spiegele Kieslinger die Bodenständigkeit, das Heimatgefühl und die Traditionsverbundenheit wieder, die Salleck mit seinen Gillamooskrügen vermitteln möchte.

Erinnerung an Wallfahrrt

Darum ging es auch Salleck mit dem Krug von 2007, seinem Lieblingskrug. In diesem Jahr ließ der Brauereiinhaber ein Marterl zur Erinnerung an den Ursprung des Gillamoos aufstellen: die Tradition der jährlichen Wallfahrt zu der Kirche „Sankt Gilg am Moos“. Der Patron dieser Kirche und der Gillamoos-Kapelle ist der heilige Ägidius, der auch auf dem Kupferrelief abgebildet ist, das zu Sallecks Gillamoosmarterl gehört.

Denn für den Brauereibesitzer verkörpert der Heilige den Ursinn des Gillamoos: Friede. Der Legende nach wurde Ägidius vom König mit einem Pfeil getroffen, als dieser bei der Jagd versuchte die Hirschkuh des Heiligen zu erlegen. Ägidius ging daraufhin zum König, bot ihm die Hand zum Frieden und sagte laut Sallecks Worten: „Samma wieder guad“. Dieser Satz ist auch auf dem Kuchlbauer Masskrug von 2007 zu finden.

Auf die Frage, ob bei den Krügen eine Art Konkurrenzkampf zwischen Stadtverband und Brauerei herrscht, sagte Salleck: „Nein, das macht einfach jeder für sich. Der Stadtverband verwendet halt meist Standardmotive von Designern. Ich habe etwas andere Krüge mit Motiven, die eine Bedeutung haben.“

Weitere Nachrichten aus dem Kreis Kelheim lesen Sie hier.

Um die Sammlung kümmern

  • Gillamooskrug-Sammlung:

    Egal welcher MZ-Redakteur in Abensberg eingesetzt ist, sein Vorgänger gibt ihm immer eines mit auf den Weg: „Kümmere Dich um die Gillamoos-Krüge“. Das beinhaltet nicht nur deren Pflege und gelegentlichen Abstauben, sondern vor allen Dingen das Beschaffen der jeweiligen neuen Krüge. Mittlerweile könnte die Sammlung in der MZ-Redaktion die größte dieser Art sein.

  • Bierglas-Sammlung:

    Im Keller des Hundertwasserturms findet sich die Bierglassammlung von Leonhard Salleck, die 4500 Biergläser aus Deutschland umfasst und vorher in der Brauerei ausgestellt wurde. Darunter sind auch einige Gillamooskrüge zu finden. Laut Salleck sei die Sammlung aber nicht komplett, ein Gillamooskrug fehle. Ebenjener stehe aber in der MZ-Redaktion, sagt Salleck. (nb)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht