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Kelheim
Montag, 24. Juli 2017 20° 6

Premiere

In Tracht läuft sich’s saugut

Sport und Gaudi passen gut zusammen. Das hat Kelheims 1. Volksfestlauf bewiesen. Am Ende wollten Läufer wie Organisatoren nur eines: etwas zu trinken.
Von Beate Weigert, MZ

  • Auf die Plätze, fertig, los! Mit Lederhosen und Dirndl ging ein Großteil der Starter auf die Fünf-Kilometer-Strecke. Foto: Weigert
  • Sportlicher Papa vor der Kulisse mit Befreiungshalle: Im Wagen döste der Nachwuchs eine Runde. Foto: Weigert
  • Der Nachwuchs legten einen begeisterten ersten Start hin. Foto: Weigert
  • Chef und Mitarbeiter: Tom Stark und Dieter Scholz Foto: Weigert
  • Fesch: Sabine Schweiger im Lauf-Dirndl Foto: Weigert
  • Peter Koslowski war am schnellsten im Ziel. Für ihn wie für alle anderen gab‘s dort eine Breze am weiß-blauen Band. Foto: Weigert
  • Strahlende Gesichter im Ziel: Steffi und Christina Rappl (li.) mit Michaela Kaltenegger und Irmi Guttenberger vom Landratsamt. Foto: Weigert
  • Auch die drei Undorferinnen haben sich für den Lauf schick gemacht. Foto: Weigert
  • Gleich sind wir dran: Lilly mit ihren Freundinnen Yasmin (li.) und Luisa (re.) Fotos: Weigert
  • Wo geht‘s hier zum Bierzelt? Foto: Weigert
  • Die Stimmung am Volksfestplatz war riesig. Die Zuschauer pushten die Läufer mit Applaus und frechen Sprüchen. Foto: Weigert

Kelheim.Er sitzt nur wenige Meter vom Bierzelt entfernt und will nur eines – irgendwas zu trinken. Tom Stark ist aber kein unschlüssiger „Kunde“ einer Kelheimer Volksfestbedienung. Er ist vom Team Sparkasse. Mit der Lederhose ist er gerade mit seinen Kollegen und dem Chef Dieter Scholz beim 1. Kelheimer Volksfestlauf von run & bike angetreten. Nun sitzt der Ihrlersteiner Banker im Ziel. Er will nur sitzen, schnaufen – und einen Spezi. Der Lauf am Samstagnachmittag rund um den Pflegerspitz hat ihm gut gefallen, keine Frage. Nur am Abend zuvor hätte er nicht ganz so lange auf dem Volksfest bleiben sollen. Das ist alles.

Der Mann vom Kasstand will ein Bier

Wenige Meter weiter hat Steffi Rappl Schweißperlen auf der Stirn. So ein Dirndl hat einfach mehr Widerstand. „Das merkst schon bei dem Wind.“ Der blies nach der Wende allen ordentlich ins Gesicht. Den Lauf-Profis wie Barbara Ferstl und Peter Koslowski, die am Ende beim Zehn-Kilometer-Lauf, der zudem im Landkreis-Cup gewertet wird, als Schnellste im Ziel waren, genauso, wie den Freizeitläufern.

Steffi Rappl und ihrer Nichte Christina (16) hat’s dennoch gut gefallen. „Im Dirndl laufen, das ist voll schee und motivierend“, findet die 16-jährige Kelheimerin.

Kritik hat ein anderer im Ziel anzumelden. Karl Breunig vom Kasstand. Mit seiner Frau Uschi hat er sich eine Auszeit vom Emmentaler genommen und ist mit dem weiß-blau gerauteten Kasstand-Schürzl und der Lederhose kurzerhand beim Trachtenlauf angetreten. Und dann das – kein Bier an der Versorgungsstation. Der Kelheimer schmunzelt. Er macht nur Spaß. Das Volksfestbier konnte er sich hinterher munden lassen. Denn jeder, der in Tracht an den Start gegangen war, durfte hinterher von Ingo Ulmer ein Freimarkerl für eine Maß in Empfang nehmen. Das passte. Denn: „Kasschneiden macht durstig.“

Ein paar Tröpfchen und Sturzbäche

Weil viele dem Wetter nicht so recht trauten, schoss die Teilnehmerzahl kurz vor dem Wettbewerb noch einmal nach oben. So einige hielten es wie Steffi Rappl. Erst zehn Minuten vor dem Start meldete sie sich an. Bei Regen hätte sie nicht in ihrem schwarz-roten Dirndl starten wollen.

Glück hatten die Kleinsten. Nach einer gemeinsamen Inspektionsrunde im Schritt-Tempo mit Moderator Armin Wolf meisterten die Bambini erfolgreich ihre 400 Meter über den trockenen Festplatz. Einige waren auch hier im Dirndl unterwegs. Die vierjährige Lilly Ulmer zum Beispiel. Entschlossen war sie mit ihren Freundinnen Yasmin und Luisa zur Startlinie gestapft. Die fand sich zwischen Losbude und Schießstand. Noch schnell im Publikum die Oma entdeckt und kurz geherzt. Dann blieb keine Zeit mehr für Ablenkung. Die Kleinsten spurteten los und wurden 400 Meter später von den Festköniginnen mit funkelnden Medaillen empfangen.

Zur Sicherheit gab’s für den ein oder anderen Läufer eine Erinnerung, dass „zwei Runden“ fällig waren. Stolz trugen am Ende alle ihre Trophäen mit Glitzerseite und Haselnussschnitte vondannen.

Wenig später gingen die Schüler an den Start. Der Himmel verdunkelte sich, es begann zu regnen und manch erwachsener Trachtenträger hielt die Luft an. Andere waren optimistischer: „Das ist nur die Wolke und dann ist es wieder vorbei“, sagte ein Trio aus Undorf, das wegen des Dirndllaufs eigens hergefahren war. Run & bike-Chefin Monika Heidler gehörte ebenfalls zur optimistischen Fraktion: „Die paar Tröpfel Regen machen uns nix aus.“ Sie war vom Vormittag ganz anderes gewohnt. Beim Aufbau waren zweimal Sturzbäche und einmal Hagel auf die 35-köpfige Crew hernieder geprasselt.

Während die Erwachsenen ein letztes Mal einen Blick auf die Schürsenkel ihrer Turnschuhe warfen, hatte der achtjährige Max nach dem Schülerlauf denselben Wunsch wie Sparkassenmitarbeiter Tom Stark. Er wollte seine trockene Kehle befeuchten.

Er hatte es besser. Er hatte die Mama dabei und die musste die Trinkflasche nur aus ihrer Tasche ziehen. Max gehört zur Grundschulklasse von Nina Rauscher aus Hohenpfahl. Sie hatte selbst mit dem Laufen angefangen und die Kinder mit dem Lauffieber angesteckt.

Für Familie Bayer aus Langquaid ist Laufen Familiensache. Im weinroten, langen Dirndl steht Mama Sonja im Ziel. Sie hat gerade die fünf Kilometer hinter sich und eine Breze mit weiß-blauem Band um den Hals. Ihr Atem geht noch ein wenig schnell, aber das Laufen im Dirndl hat ihr Spaß gemacht, sagt sie. Und für die etwas andere Laufbekleidung „war’s keine schwere Strecke“, findet sie. Unten zieht Sohn Felix (3) an ihrer „Trophäe“. Er hat Lust auf ein Stück Breze. Kein Wunder, nach der Anstrengung vom Bambinilauf und dem Warten auf die Mama.

Wohin man blickt, die Läufer im Ziel strahlen. Egal, ob das Duo Irmi Guttenberger und Michaela Kaltenegger vom Landratsamt oder ein Trio von Freundinnen aus Undorf. Es ist als hätten die Läufer aus der Region nur darauf gewartet, dass sie endlich mal mit Dirndl oder Lederhose starten dürfen.

Da konnten auch Organisationsleiter Thomas Petz und Vorsitzende Monika Heidler nicht anders, als mit einem Lächeln den Zieleinlauf zu beobachten. Am Ende waren 269 große und kleine Läufer bei der Premiere angetreten. 29 Bambini, 41 Schüler, 62 Läufer beim Fünf-Kilometer-Trachten-Lauf und 137 auf der Zehn-Kilometer-Distanz. Und auch einige Walker waren beim Trachtenlauf dabei. Der Gaudi wegen.

Wenn die Siegerehrung vorbei ist, wird er sich ein anderer „ganz unspektakulär“ vors Bierzelt setzen und sich einen Kaffee gönnen und später vielleicht eine Radler. Orgaleiter Thomas Petz. Es ist als hätten er und seine Kollegen eine zündende Idee gehabt. Die lockte sogar zwei Läuferinnen aus Aberdeen und Glasgow, die über die Feuerwehr Ihrlerstein angemeldet waren. Einer Fortsetzung des Volksfestlaufs dürfte nichts im Wege stehen!

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