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Kreispolitik Kelheim
Dienstag, 16. Januar 2018 7

Goldberg-Klinik

Baupläne haben Denkpause bis Januar

Anfang 2018 soll der Kreistag die Krankenhauslandschaft im Landkreis neu skizzieren. Bis dahin ruht der Kelheimer B-Bau.
Von Martina Hutzler

Der abbruchreife B-Bau (Pfeil) fehlt dem Kelheimer Krankenhaus derzeit. Wie es damit und mit den Krankenhäusern insgesamt weitergehen soll, entscheidet sich im Januar 2018. Foto: Dr. Satzl

Kelheim.Am 22. Januar 2018 soll der Kreistag festlegen, ob und wie es mit den beiden kreiseigenen Krankenhäusern in Kelheim und Mainburg weitergeht; ob sie womöglich durch einen zentralen Neubau ersetzt werden – falls der Landkreis damit seinem Versorgungsauftrag gerecht würde. Bis zu dieser weitreichenden Grundsatzentscheidung im Januar werden an der Goldberg-Klinik Kelheim (GBK) keine Aufträge für Abbruch und Neubau des „B-Baus“ erteilt. Und im Vorfeld dieser Entscheidung soll die Verwaltung ermitteln, welche Investitionen in Kelheim und Mainburg in den nächsten 25 Jahren fällig würden.

Der abbruchreife B-Bau (Pfeil) fehlt dem Kelheimer Krankenhaus derzeit. Wie es damit und mit den Krankenhäusern insgesamt weitergehen soll, entscheidet sich im Januar 2018. Foto: Dr. Satzl

All das haben am Montag der Gesundheits- und der Kreisausschuss beschlossen, auf Vorschlag von Landrat Martin Neumeyer und auf Anträge von CSU, SPD und Junger Liste hin. Zuvor hatten die Ausschussmitglieder gehört, dass der Landkreis seinen beiden Krankenhäusern nächstes Jahr zwar nicht ganz so viele Millionen wie heuer überweisen muss, aber immer noch etliche.

Zuschussbedarf soll sinken

Die GBK hat heuer auch nach neuester Prognose einen Zuschussbedarf von knapp drei Millionen Euro, sprich: 1,3 Mio. mehr, als vorab Ende 2016 prognostiziert war. Diese Hiobsbotschaft war bereits im Sommer verkündet worden. Nächstes Jahr soll der Zuschussbedarf von drei auf 2,7 Mio. Euro sinken – was laut Geschäftsführerin Dagmar Reich aber ein sehr ambitioniertes Ziel ist: Das Krankenhaus will seine Leistungen und Erlöse steigern, unter anderem durch höhere Fallzahlen in Neurochirurgie, Chirurgie und Orthopädie. All das freilich in weiterhin beengter Raumsituation: Der abbruchreife B-Bau ist nicht nutzbar und wird nur zum Teil durch den Interims-Bettenbau ersetzt. Der B-Neubau würde frühestens Ende 2020 bezugsfertig.

Das freilich hängt von besagtem 22. Januar 2018 ab, wenn der Kreistag vormittags in Klausur geht und nachmittags in öffentlicher Sitzung die zukünftige Krankenhaus-Landschaft im Landkreis festlegt. Dass bis zu diesem Tag die ersten Auftragsvergaben für den B-Bau gestoppt sind, bereitet nach Angaben von Geschäftsführerin Reich noch keine Probleme – in den drei laufenden Ausschreibungen endet die Vergabefrist erst Ende Januar. Sollten indes Grundsatzdebatte und Vergabe-Moratorium noch länger dauern, käme der Zeitplan in Gefahr. Er sieht 2018 vor, dass der alte B-Bau abgerissen und der Ersatzneubau bereits begonnen wird.

Neben dieser „echten“ Baustelle gibt es an der GBK derzeit zwei Dutzend ökonomisch-strategische Baustellen. Fünf Aufgabenfelder hatten Klinik und Aufsichtsrat bei einer Klausurtagung Ende Januar festgelegt: nämlich dass die Klinik weiterhin „hochwertige medizinische Qualität“ anbietet, wirtschaftlich die „schwarze Null“ erreicht, ferner ihre Prozess-, Struktur- und Organisationskompetenz verbessert, sich nach innen wie außen positiv darstellt und ein attraktiver Arbeitgeber und Ausbilder bleibt.

Teure Grundversorgung: Gut die Hälfte der Kliniken hierzulande schreibt rote Zahlen. Aber man müsse eben alles unternehmen, um zu den anderen 50 Prozent zu gehören, forderte der Landrat. Foto: Stephan Jansen/dpa

19 weitere Ansatzpunkte, wie die GBK ihr Defizit senken könnte, erarbeiten derzeit Experten des Wirtschaftsberaterunternehmens Ernst & Young. Seit Oktober bis Dezember haben sie den Auftrag, Situation und Abläufe am Kelheimer Goldberg zu analysieren und Verbesserungsmöglichkeiten vorzuschlagen, bestätigte Landrat Martin Neumeyer in der Sitzung. „Explizit ausgenommen“ seien Einsparungen im Personalbereich, betonte er. Und warnte, dass es mindestens ein Jahr dauern werde, bis sich eine Umsetzung der Vorschläge in der Bilanz niederschlägt.

Kreis- und Aufsichtsrat Karl Zettl (FW) lobte Neumeyers Vorgehensweise. Kreisrat Ferdinand Hackelsperger (ÖDP), ebenfalls im GBK-Aufsichtsrat, hofft, dass die Vorschläge „in drei bis vier Jahren die schwarze Null greifbar machen – vorausgesetzt, die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen verschlechtern sich nicht weiter“. Die seien derzeit sehr belastend, beklagten übereinstimmend GBK-Geschäftsführerin Reich und ihr Kollege von der Ilmtalklinik (ITK), Ingo Goldammer.

Am Krankenhaus Mainburg sind Investitionen in den Brandschutz vordringlich. Foto: Ilmtalklinik

Auch an der ITK lautet die wirtschaftliche Devise: von tiefrot zu nicht mehr ganz so tiefrot. Die zwei ITK-Krankenhäuser Pfaffenhofen und Mainburg erwirtschafteten im Jahr 2015 noch 5,1 Millionen Euro Defizit; voriges Jahr sank es auf 4,8 Mio. Heuer peilen Geschäftsführer Ingo Goldammer und Prokurist Christian Degen 4,7 Mio. Euro Minus an, und im Wirtschaftsplan 2018 soll „nur“ noch eine (Millionen-)Drei vor dem Komma stehen, kündigte Degen an. „Das wäre dann seit 2015 eine kontinuierliche Trendwende“, ergänzte er. Der Kreis Kelheim hält 15 Prozent der Anteile an der ITK, und denselben Anteil am Defizit muss er berappen.

Keine Pause für Brandschutz

Daneben besteht in Mainburg freilich akuter Handlungsbedarf beim Brandschutz – sonst könne man das Haus womöglich nicht mehr weiterbetreiben, machte Landrat Martin Neumeyer deutlich. Dass der Brandschutz ertüchtigt und bei der Gelegenheit auch in eine Lichtruf-Anlage sowie W-Lan-Anschlüsse für die Patientenzimmer investiert wird, hatte der Kreisausschuss bereits im Juni beschlossen. Die Vergaben für diese 4,6 Millionen Euro teure Investition sind – im Gegensatz zum Kelheimer B-Bau – auch nicht bis zum 22. Januar gestoppt.

Brandschutz- und Technik-Update werden weitgehend zu Lasten des Kelheimer Kreishaushalts gehen. Denn anders als das Defizit werden Investition vertragsgemäß vom jeweiligen Landkreis alleine finanziert. Ebenfalls weiterlaufen soll die Raum- und Funktionsplanung für das 100-Betten-Haus Mainburg (gesonderter Bericht folgt).

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