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Kreispolitik Kelheim
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Gesundheit

Diagnose: Klinischer Handlungsbedarf

Was kann und was will sich der Kreis Kelheim in Sachen Krankenhäuser leisten? Die Debatte darüber startet heute erneut.
Von Martina Hutzler

Intensiv-Patienten sind in gewisser Weise auch die beiden Krankenhäuser im Kreis Kelheim: Kaum ein Thema wird von der Kreispolitik so intensiv diskutiert. Foto: Patrick Seeger/dpa

Kelheim.Millionenschwere Investitionen stehen in den beiden kreiseigenen Krankenhäusern Kelheim und Mainburg in den nächsten Jahren an – eigentlich. Erst einmal aber steigt die Kreispolitik jetzt in eine Grundsatzdebatte ein über die Krankenhaus-Landschaft im Kreis Kelheim. Hintergrund sind die finanziellen Riesen-Herausforderungen aus Baumaßnahmen und aus dem immer stärker defizitären Betrieb beider kommunalen Häuser.

„Entscheidung über die künftige Krankenhausstruktur im Landkreis Kelheim“ steht zwar am heutigen Montag (4. Dezember) auf der Tagesordnung, wenn Kreis- und Gesundheitsausschuss um 13 Uhr im Landratsamt gemeinsam tagen. Eine verbindliche Entscheidung fällt heute freilich noch nicht – die ist dem Kreistag vorbehalten. Und der soll sich Ende Januar nochmals intensiv mit dem Thema befassen, erst intern, dann in öffentlicher Sitzung, kündigt Landrat Martin Neumeyer an.

Bohn: Mit Vergaben noch warten

Bis dahin aber sollen speziell an der Kelheimer Goldberg-Klinik (GBK) keine baulichen Fakten – in Form von Auftragsvergaben – geschaffen werden, fordert nun Dr. Bastian Bohn, Fraktionsvorsitzender der Jungen Liste (JL) mit Blick auf das Groß-Projekt „B-Bau“-Neubau. Bohns Antrag ist einer von dreien, die zur heutigen Sitzung vorliegen. Seiner und der von CSU-Kreisrat Dr. Uwe Brandl haben eine ähnliche Stoßrichtung: Sie fordern eine langjährige Prognose, welche Investitionen in die Krankenhäuser Kelheim und Mainburg der Landkreis zu schultern hätte. Brandl versteht diese Prognose laut Antrag auch als Entscheidungshilfe, ob man an den bestehenden Klinik-Strukturen festhalten soll: Es sei für ihn fraglich, ob sich damit eine „ausreichend dimensionierte Grundversorgung für den gesamten Landkreis Kelheim“ sicherstellen lässt, die obendrein kostengünstig oder gar kostendeckend ist. Ähnliche Zweifel hatte er schon in der Kreisausschuss-Sitzung im Oktober geäußert.

Auch Kreisrat Bohn plädiert für Grundsatzentscheidungen statt „Salami-Taktik“. Beispiel Goldberg-Klinik: Wenn dort aktuell jetzt Abriss und Neubau des „B-Baus“ anstehen, müsse man sich auch fragen, „wie es mit den übrigen Gebäudeteilen weitergeht“, begründet der Abensberger Politiker seinen Antrag, wonach die GBK bis zur Kreistagsberatung im Januar zwei Vergabeverfahren für den B-Bau noch nicht abschließen soll. In Mainburg, wo der Brandschutz ertüchtigt werden muss, sei unverzügliches Handeln nötig, stellt Bohn klar. Doch auch für das zur Ilmtalklinik GmbH (ITK) gehörende Haus fordert er eine Langzeit-Prognose, in Bezug auf die „Generalsanierung für ca. 30 bis 40 Millionen Euro“, die dort nach jetzigem Sachstand „in absehbarer Zeit“ vonnöten sei.

Intensiv-Patienten sind in gewisser Weise auch die beiden Krankenhäuser im Kreis Kelheim: Kaum ein Thema wird von der Kreispolitik so intensiv diskutiert. Foto: Patrick Seeger/dpa

Gegen Zahlen dazu hat auch die SPD nichts einzuwenden – macht aber in ihrem Antrag unmissverständlich klar, dass sie beide Krankenhäuser wie bisher weiterführen will. Dafür müsse der Landkreis die nötigen Finanzmittel aufbringen, fordert Fraktionssprecher Willi Dürr einen Grundsatzbeschluss in diese Richtung, „damit wir nicht alle zwei Jahre neu diskutieren“. Ihm ist – wie auch dem Betriebsratsvorsitzenden der GBK, Hans Kleehaupt – klar, dass der Landkreis auch die Defizite der Kliniken „nicht unbegrenzt“ hoch und lang ausgleichen könne. Doch ändern können das nach Überzeugung beider nur die Gesundheitspolitiker in Berlin. Auf sie müsse der Kreistag Druck machen, fordert Willi Dürr.

Das freilich ist, zumal in Zeiten schwieriger Regierungsbildung, eine eher langfristige Option. Kurzfristig haben die Klinik-GmbHs schon zu tun, die Defizite nicht durch die Decke schießen zu lassen. Ob dieses Bemühen, bei dem auch Unternehmensberater mit involviert sind (GBK) beziehungsweise waren (ITK), Erfolgsaussichten hat, erfahren die Ausschussmitglieder heute, in den Berichten der Geschäftsführer beider Kliniken.

„Für alle Gespräche offen“

Weiteres Zahlenmaterial, wie in den Anträgen von CSU und JL gefordert, lege er bis zur Sondersitzung im Januar gerne vor, kündigt Landrat Neumeyer an: „Mir ist Transparenz wichtig“. Bis dahin will er einer Krankenhaus-Standortdebatte nicht das Wort reden. Er sei „für alle Gespräche offen“, aber „ich halte an den zwei Standorten fest“, bekundet er. In der derzeitigen Situation seien beide Häuser nötig, um den Landkreis-Auftrag, die Akut-Versorgung der Bevölkerung, zu erfüllen. Bei Gedankenspielen, die zwei bestehenden durch eine neue Klinik zu ersetzen, sieht er unzählige Fragezeichen bezüglich Kosten, Dauer, Standort- und Genehmigungsfragen. Von derlei Sorgen kann aktuell auch der Nachbar-Kreis Pfaffenhofen am dortigen Ilmtalklinik-Standort ein Lied singen:

Genaues Hinsehen lohnt sich

  • Teurer Rechenfehler:

    Auch das Krankenhaus Pfaffenhofen – der „große Bruder“ von Mainburg innerhalb der Ilmtalklinik GmbH – ist in die Jahre gekommen. Dort war die Generalsanierung eigentlich schon beschlossen. Bis zum Herbst. Dann fiel dem jetzigen Geschäftsführer Goldammer auf, dass in der Sanierungsplanung (noch von Goldammers Vorgänger eingeleitet) ein erklecklicher Teil der Gebäude nicht berücksichtigt war, wie der BR berichtete.

  • Teure Alternativen:

    Der Aufsichtsrat hat die Generalsanierung in Pfaffenhofen auf Eis gelegt: Ein Ausbügeln der Planungspanne würde ihre Kosten von geschätzten 80 Mio. weit in den dreistelligen Millionenbereich katapultieren. Vor diesem Hintergrund überlegen die Pfaffenhofener Kreispolitiker nun auch in Richtung (Teil-) Neubau. Kelheim ist nicht tangiert: Investitionskosten tragen die beiden Landkreise jeweils alleine. (hu)

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