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Kreispolitik Kelheim
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Pilotprojekt

Ein Stadtbus für die Kreisstadt Kelheim

Ab Mitte 2019 könnte ein Bus die Kelheimer von A nach B bringen. Den „großen Push“ gäbe aber ein ganz anderes Angebot.
Von Beate Weigert

Zuletzt hatte es wohl in den 1980er-Jahren eine privat geführte Buslinie durch die Kreisstadt Kelheim gegeben. Ob es gleich ein Elektrobus wird, muss erst noch in den zuständigen Landkreisgremien diskutiert werden. Unser Bild zeigt den Elektrobus Emil aus Regensburg. Foto: Gruber/Archiv

Kelheim.Der öffentliche Nahverkehr im Landkreis Kelheim ist ein vielgescholtenes Angebot. Um etwas zu verbessern, hat der Landkreis 2016 den Nahverkehrsplan fortgeschrieben. Darin enthalten ist auch das Pilotprojekt „Stadtbus“ für Kelheim. Im jüngsten ÖPNV-Kreisausschuss informierte Sachgebietsleiter Mike Süß über den aktuellen Sachstand.

Was ist bislang hinter den Kulissen an Vorarbeit gelaufen?

Seit April laufen Gespräche – auch zwischen Stadt und Landkreis – wie eine eigenständige Stadtbuslinie in Kelheim aussehen könnte. Der Landkreis fungiert laut Landrat Martin Neumeyer als für den ÖPNV-zuständige Instanz als „Anschieber“ für das Pilotprojekt. Deshalb soll es zunächst auch einen Probezeitraum von zwei Jahren geben. Werde der Stadtbus gut angenommen, könnten weitere in anderen Städten im Landkreis angedacht werden. Aktuell sei seine Abteilung dabei eine Leistungsbeschreibung zu erstellen, so Süß.

Wird es ein Elektrobus oder ein „fossil“ betriebener?

Ob der Stadtbus herkömmlich angetrieben sein wird oder vielleicht ein Elektrobus eingesetzt wird, ist noch offen. Ein E-Bus wäre ein Vorzeigeprojekt, doch auch die Kosten spielen eine Rolle. Problem bislang: „Es sind bislang keine adäquaten E-Modelle verfügbar. Beim Umbau eines herkömmlichen Busses entstünden gegebenenfalls hohe Kosten“, so Süß. Die Reaktionen im ÖPNV-Ausschuss waren geteilt. Ein E-Bus hatte für viele Mitglieder nicht oberste Priorität.

Mike Süß ist der zuständige Sachgebietsleiter im Landratsamt. Foto: Weigert/Archiv

Was ist aktuell noch zu klären?

Das Landratsamt hat alle VLK-Verkehrsbetriebe angeschrieben und um ihre Meinung gebeten. Auch zur Routenplanung. Ziel sei es, ein Unternehmen zu finden, dass bereits im VLK tätig ist. Einzig Busunternehmer Hierl aus Kelheim meldete sich zurück. Acht Punkte merkte der Betrieb an, die nun überprüft werden. So sei wohl ein Rundkurs realistischer als eine Strecke von A nach B und zurück. Letztere ließe sich nur mit zwei Bussen betreiben. Für eine Schleife am Herzberg sei ein E-Bus bei 22-prozentiger Steigung wohl nicht leistungsfähig genug, so eine weitere Anmerkung Hierls. Zudem wäre das Unternehmen auch für einen Betrieb an Samstagen. Laut Mike Süß seien viele Details der Ausgestaltung letztlich eine Frage „was man sich leisten will“. Darüber müssten die zuständigen Kreisgremien entscheiden.

Das wünschen sich die Facebook-User

  • Was fehlt den Menschen

    im Landkreis Kelheim in Sachen ÖPNV? Bei unserer Facebook-Umfrage haben es uns die User verraten. „Bessere und mehr Busverbindungen“, schreibt Kathi Krüger. Auch Userin Petra Ebn träumt von einer „guten Busverbindung“. Leider verrät sie nicht, zwischen welchen Orten.

  • Zu wenig Sitzplätze

    in Bussen, in denen Schüler mitfahren, zwischen Ingolstadt und Abensberg, kritisiert Verena Lechner. Christina Stehr schreibt: Busverbindungen an Schultagen, bei denen der Bus nicht 10 Minuten stehen muss, bis sich alle Kinder irgendwie reingequetscht haben, damit eine Weiterfahrt möglich ist.

  • Eine bessere öffentliche Anbindung

    , wünscht sich unsere Userin Si Na Na. Insbesondere mehr Busse zum Saaler Bahnhof. Damit man besser nach Regensburg und Ingolstadt kommt. Denn Parkplätze seien dort oft rar. „Und da hab’ ich mein Auto ehrlich gesagt auch eher ungern lange stehen lassen.“
    , die einen nach 24 Uhr noch heimbringen, fehlen Fabian Winzinger. Busse bei denen Rollstuhlfahrer mitfahren können, mit oder ohne Begleitung, vermisst Ingrid Gassner. Wer selbst Wünsche formulieren oder lesen will, was sich andere noch wünschen: www.facebook.com/kelheim.mz

Auf welcher Route und in welchem Takt soll der Bus fahren?

Damit der Stadtbus ein „Gewinn“ wird, brauche er einen hohen Takt. Denn der sei ein Pfund, mit dem man bei den Nutzern wuchern könne, so der Landrat. Aktuell geplant sei ein Rundkurs mit etwa 20 Haltestellen. Die wichtigsten Punkte im Stadtbereich sollen angefahren werden. Neben Einkaufsmöglichkeiten auch Arztpraxen, das Krankenhaus oder der Waldfriedhof. Einmal stündlich könnte der Bus jeweils abfahren.

Bis wann könnte der Stadtbus existieren?

Bis Mitte 2019 soll der Stadtbus den Betrieb aufnehmen, so Süß. Der ursprünglich angedachte Termin Mitte 2018 sei nicht zu halten. Nicht zuletzt, weil das Projekt EU-weit vorab bekannt gemacht werden muss – mit einer Bekanntmachungsfrist von mindestens zwölf Monaten.

So sehen es Kelheims Bürgermeister und die Werbegemeinschaft?

Bürgermeister Horst Hartmann steht „100-prozentig“ hinter der Idee. Ein Neun- bis 15-Sitzer könnte zum Einstieg Goldbergklinik, Altstadt, Einkaufszentrum und Donaupark verbinden. „Es gibt Bedarf, der bislang nicht gedeckt ist.“ Insbesondere für Ältere wäre ein Stadtbus eine Option, so Hartmann.

Einen viel größeren „Push“ würde Kelheim eine Express-Busanbindung an den Bahnhof Saal geben, sagt Wolfgang Bauer, einer der beiden Sprecher der Werbegemeinschaft. Foto: Weigert/Archiv

Wolfgang Bauer, einem der Sprecher der Werbegemeinschaft, ist „jede Verkehrsverbesserung willkommen“ – vorausgesetzt er und seine Kollegen müssten sie nicht finanzieren. Ob ein Stadtbus „wirtschaftlich darstellbar“ sei, bezweifelt er. Dafür müsste bei vielen ein Umdenken stattfinden. Bislang seien die meisten Kunden im Auto unterwegs. Eine Expressverbindung zum Saaler Bahnhof, damit man schnell nach Regensburg und zurück käme, würde in Bauers Augen Kelheim einen viel größeren „Push“ geben. Bislang sei der Weg dorthin „lästig“ – über Busse, die zu selten oder zu lange bis Saal fahren oder auf der chronisch verstopften B16. Wäre die Express-Anbindung vorhanden, würde Kelheim zum interessanten Wohnort für Regensburger, wo Mieten inzwischen kaum noch bezahlbar sind.

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