mz_logo

Kreispolitik Kelheim
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Jagd

Landkreis Kelheim unterstützt Jäger

Landkreis übernimmt Kosten für Trichinenuntersuchung und hilft Jägern bei der Prophylaxe gegen die nahende Schweinepest.
von Benjamin Neumaier

Der Landkreis Kelheim unterstützt die Jäger finanziell – wegen der Gefahr der Afrikanischen Schweinepest. Foto: Felix Kästle/dpa

Kelheim.Panik ist nicht angebracht, aber Vorsicht. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt immer näher an den Landkreis Kelheim heran. Die Tierseuche wurde nach Angaben des Instituts für Virusdiagnostik am Friedrich-Löffler-Institut (FLI) zuletzt in der Nähe von Warschau und bei Wildschweinen in der Nähe der tschechischen Stadt Zlin bei nachgewiesen. Der Arbeitskreis Schwarzwild im Landkreis hat deshalb schon Anfang August reagiert, das weitere Vorgehen eng mit Bauernverband, AELF, Unterer Jagdbehörde, den Hegeringen den Staatsforsten oder dem Kreisjagdverband (KJV) abgestimmt. Nun greift auch der Landkreis ein, unterstützt die Jäger finanziell. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Andreas Wasner, Vorsitzender des KJV, „auch wenn es ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Ich sehe vielmehr den Freistaat oder Bund in der Pflicht.“

Für Tiere meist tödlich

Alle Staaten, die das Virus getroffen habe, seien den Erreger bisher nicht losgeworden, sagte der Leiter des FLI, Martin Beer. Ein Impfstoff sei nicht in Sicht. Die Viruserkrankung verläuft für Tiere in der Regel tödlich. Für Menschen ist der Erreger allerdings ungefährlich.

Dennoch schlägt die ASP medial hohe Wellen. Zum Leidwesen der Jägerschaft im Landkreis Kelheim. Denn die spüren die nahende Tierseuche mittlerweile auch am Geldbeutel, sagt Wasner: „Um das Infektionsrisiko zu mindern, müssen die Jäger mehr Wildschweine schießen und damit möglichst im Frischlingsalter beginnen. Jedes erlegte Wildschwein ist aber vor dem Verzehr auf Trichinen zu untersuchen. Das kostet neun Euro pro Tier. Bei Frischlingen bis 30 Kilogramm übersteigen die Kosten bei weitem den Erlös aus dem Verkauf des Wildfleisches“. Die Jäger zahlen also drauf.

Eine einfache (Minus-)Rechnung

Wasners Rechnung ist einfach. Für ein Kilo Frischlingsfleisch bekomme man aktuell nur 60 Cent, weil durch die ASP-Hysterie die Preise am Wildbretmarkt total eingebrochen sind. Vor einem Dreivierteljahr lag der Kilopreis noch bei 3,50 Euro. „Der Erlös für einen Frischling von zwölf Kilogramm beträgt also nur noch 7,20 Euro. Die Kosten für die Bequerell-Untersuchung beträgt fünf Euro, die Trichinenuntersuchung kostet neun Euro. Das macht ein Minus von 6,80 Euro.“ Dazu kämen weitere 14 Euro für die Entsorgung des Konfiskats. Das sind Schlachtabfälle, die für den verzehr ungeeignet sind. „Diese 14 Euro kommen obendrauf, weil wir wegen der ASP freiwillig beschlossen haben, Schwarzwild nicht mehr im Wald aufzubrechen, sondern nur noch zu Hause in der Wildkammer des jeweiligen Jägers“, sagt Wasner. Die Entsorgung des Konfiskats, das sonst im Wald vergraben würde, läuft nun über den Zweckverband für Tierkörper- und Schlachtabfallbeseitigung Plattling, der 14 Euro Anfahrtskosten berechnet. „Summa summarum zahlt ein Jäger bei einem Zwölf-Kilo-Frischling also knapp 21 Euro drauf“, sagt Wasner.

Man sei als Gegenmaßnahme zur ASP aber darauf angewiesen, verstärkt Schwarzwild und insbesondere Frischlinge zu erlegen, sagt Wasner und erhält Unterstützung von Sabine Bichlmaier von den Staatsforsten Kelheim: „Wir schießen waidmanns- und tierschutzgerecht von klein nach groß, um zumindest die Reproduktionsrate der Wildschweine abzuschöpfen. Die Jagdstrecken werden dabei immer größer, die Population bleibt aber relativ gleich.“

Nun griff der Kreissausschuss auf Antrag des KJV ein und gewährt ab 1. Januar 2018 „ für im Landkreis Kelheim erlegte und auf Trichinen untersuchte Wildschweine einen Zuschuss von neun Euro pro Tier“. Der freiwillige Zuschuss werde wegen der Seuchenvorbeugung für die ASP als freiwillige Leistung gewährt. 5000 Euro sind 2018 im Haushalt eingeplant.

Andreas Wasner, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Kelheim Foto: Archiv-Bachmeier-Fausten

Wasner und Bichlmaier schätzen „das positive Signal für die Jägerschaft“, sehen aber noch andere in der Pflicht. „Niemand sollte sich verrückt machen, die ASP ist nicht hier. Aber leider wird jetzt nochmal mit dem Hammer auf das eh schon schlechte Image des Wildfleisches geklopft. Völlig zu Unrecht“, sagt Bichlmaier, die Aufklärung fordert. Wie auch Wasner: „Bund und Freistaat sind in der Pflicht, Aufklärung zu betreiben. Wildfleisch ist weiterhin völlig bedenkenlos zu konsumieren. Es muss ein Programm der Landesregierung geben, das die Jäger unterstützt und das Bürger und Landwirte schützt.“ Die Jägerschaft könne mit den erhöhten hygienischen Maßnahmen sowie gesteigerten Abschüssen lediglich vorbereitende Maßnahmen treffen, betont Wasner und fügt an: „Wir Jäger werden die ASP überstehen. Ist die Krankheit aber in Deutschland angekommen, sind die Landwirte massiv betroffen. Dann stehen Existenzen auf dem Spiel.“

Das bestätigt Kreisveterinär Dr. Stephan Schranner: „Die Auswirkungen eines Ausbruchs in Deutschland wären weitreichend. Würde ein erkranktes Wildschwein entdeckt, würde um den Fundort ein gefährdeter Bezirk eingerichtet.“ Für Landwirte in einem solchen wäre es verboten, Tiere einzustallen oder zu schlachten. Die wirtschaftlichen Folgen wären gravierend.“

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Kelheim finden Sie hier

Ausbruch in Zlin

  • Die Krankheit:

    Die afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine Virusinfektion. Erkrankte Schweine bekommen nach zwei bis vier Tagen Inkubationszeit hohes Fieber, Probleme mit dem Laufen und Blutungen unter der Haut, aus Mund und Nase. Nach zehn Tagen sterben 90 Prozent der infizierten Tiere. Ein Impfstoff existiert nicht. Für Menschen ist die ASP ungefährlich.

  • Ausbreitung:

    In den afrikanischen Ursprungsländern übertragen Zecken das Virus. Die spielen in Mitteleuropa keine Rolle. Hier erfolgt eine Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren (Sekrete, Blut, Sperma), die Aufnahme von Speiseabfällen sowie andere indirekte Übertragungswege: Fahrzeuge, kontaminierte Jagdausrüstung, landwirtschaftlich genutzte Maschinen oder Kleidung. Das ASP-Virus zeichnet hat großes Durchhaltevermögen. In blutgetränkten Waldböden war es über sechs Monate nachweisbar. In gepökelten Rohsalamis 400 Tage.

  • Ausbruch:

    Mitte 2017 wurde der Ausbruch der ASP bei Wildschweinen in Tschechien beim internationalen Tierseuchenamt gemeldet. Es handelte sich um zwei in der Nähe der Stadt Zlin tot aufgefundene Wildschweine. Zlin liegt im Osten des Landes, unweit der Grenze zur Slowakei. Die Ursache des Ausbruchs ist bisher nicht bekannt. Die ASP hat sich damit 400 km nach Westen ausgebreitet und ist noch 300 km von Deutschland entfernt. (Quelle: Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht