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Kelheim
Sonntag, 21. Januar 2018 10

Fasching

Mehr Sicherheit für die Narren

Der Spaß steht bei Faschingsumzügen im Vordergrund – doch ohne Sicherheitskonzepte kann es damit schnell vorbei sein.
von Benjamin Neumaier

Für die Teilnehmer von Faschingsumzügen gibt es strenge Sicherheitsauflagen - bei Nichteinhaltung droht sogar der Ausschluss. Foto: Archiv-Reichmann

Kelheim.Noch ist ein bisschen Zeit bis zu den großen Faschingsumzügen im Landkreis Kelheim – doch die Planungen sind in vollem Gange. Ging es früher vor allem um die Logistik, steht seit einigen Jahren das Thema Sicherheit ganz oben auf der Liste der Verantwortlichen. Nicht zuletzt befeuert durch den Trubel um den Rohrer Faschingszug.

Dort wurden im vergangenen Jahr einzelne Aspekte des Sicherheitskonzepts – allen voran die Begrenzung der Teilnehmerzahl – nicht eingehalten, deshalb griff das Landratsamt ein: Zusammen mit Vertretern der Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst wurde – wie auch bei anderen Umzügen üblich – ein Rahmen festgelegt, „mit dem wir beruhigt in die nächste Auflage der Veranstaltung gehen können“, sagte Bürgermeister Andreas Rumpel. Auch Jakob Sixt sen., Vorsitzender des veranstaltenden Gewerbevereins, war mit dem neuen Rahmen zufrieden.

Eine neue Höchstgrenze

Der Rohrer Faschingszug startet also auch 2018. Und zwar mit einer Höchstmenge von 40 Wagen und 25 Fußgruppen. Zudem wurde ein einheitliches Sicherheitskonzept erarbeitet und „die Einsatzplanung der Feuerwehr fortgeschrieben und unter Federführung des Landratsamtes Kelheim ergänzt“, erklärt Rita Festl, Leiterin des Sachgebiets „Öffentliche Sicherheit und Ordnung“ am Landratsamt.

Ein Überblick über die Faschingsumzüge im Landkreis Kelheim:

Durch derlei verbindliche Sicherheitskonzepte sichern sich die Veranstalter ab und stellen zudem strenge Auflagen an die Teilnehmer. Das geht von Maßen und Beschaffenheit der Faschingswägen über Alkoholverbote für Fahrer und „Wagenengel“ bis hin zu Vorschriften für Musikanlagen. Ausführliche Auflagen hat auch die Narrhalla Mainburg, wie Vorsitzender Martin Meyer erläutert: „Es gab in der Vergangenheit immer wieder Missachtungen der Vorgaben. Meistens ging es um die zu lauten und falsch ausgerichteten Musikanlagen, betrunkene Aufpasser, aber vor allem um die Ausmaße der Faschingswägen.“ In den meisten Fällen sei zwar die maximale Breite von 2,55 Metern eingehalten worden, „aber manche Wägen waren mehr als fünf Meter hoch – bei erlaubten vier Metern“, sagt Mayer. „Da braucht es nicht viel Fantasie, dass so ein Aufbau schnell kippen kann. Und dann wird‘s richtig gefährlich.“

Deshalb führt die Narrhalla heuer eine Höhen- und Breitenkontrolle ein. „Alle Faschingswägen müssen unter einer Traverse durchfahren – wer nicht durchpasst, wird vom Umzug ausgeschlossen.“ Aktuell habe man „die Lage im Griff. Gibt es aber weiterhin zu viele Übertretungen und Missachtungen, dann droht im schlimmsten Fall die Einstellung des Faschingsumzugs“, sagt Mayer.

Schon im vergangenen Jahr reagiert haben die Faschingsfreunde Riedenburg e. V. „Die Sicherheitsauflagen für den Umzug und die Haftungsrisiken für die Vorstandsmitglieder sind mittlerweile zu hoch. Und wenn man ehrlich ist: Die vergangenen Jahre war der Faschingszug eher eine Landmaschinenschau“, sagte der Vorsitzende der Faschingsfreunde, Hans Dürschinger, damals. Man habe sich vereinsintern geeinigt, den „Weg zurück zu den eigenen Wurzeln“ einzuschlagen, sprich zu Handkarren und Fußgruppen – und komplett ohne motorisierte Wägen.

Vermehrte Kontrollen

Eine derartige Einschränkung wäre beim größten Umzug im Landkreis, in Neustadt, nicht denkbar. Sicher ist aber, dass den Veranstaltern der Stadt die Sicherheit der Teilnehmer und Zuschauer wichtig ist. Drängelgitter entlang der Strecke gehören hier quasi zum Inventar. „Außerdem müssen wir im Landratsamt unser Sicherheitskonzept vorlegen“, erklärt Susanne Wagner. „Dabei werden Fluchtwege, aber auch Standorte für das BRK und die Polizei festgelegt.“ Bezüglich der Sicherheitsbestimmungen, „insbesondere wegen der Ausrüstung und des Betriebs der beteiligten Fahrzeuge“, werde es vermehrt Kontrollen geben.

Das sagen Polizei und Landratsamt

  • Polizei:

    Für die Polizei bedeutet der Fasching „ein erhöhtes Einsatzaufkommen“, sagt Kelheims PI-Leiter Erich Banczyk. Wir müssen Schwerpunkte für unsere Einsatzkräfte setzen, ziehen dazu auch die Statistiken aus den Vorjahren zurate.“ Unterstützt wird die Polizei von privaten Sicherheitsdiensten, „die bei solchen Veranstaltungen Standard sind.“

  • Anschläge:

    Eine akute Gefahrenlage herrsche im Landkreis wie auch in den vergangenen Jahren nicht. Aber Anschläge spielen bei Großveranstaltungen in den Sicherheitskonzepten eine Rolle. Dabei stehen Absicherungen wie Betonpoller auf der Agenda. „Abschlussveranstaltungen der Umzüge könnte man durch Zufahrtssperren absichern“, sagt Banczyk.

  • Diskussion:

    Betonpoller sind auch bei der Abschlussbesprechung in Mainburg Thema. Narrhalla-Chef Martin Mayer sieht aber ein Problem: „Die Poller vor dem Umzug aufzustellen, geht nicht. Sie nach dem Umzug zwischen all den Leuten aufzubauen, das wäre mehr als schwierig.“

  • Sicherheitskonzepte:

    Die Vorlage von Sicherheitskonzepten beim Landratsamt durch die Veranstalter wird schon seit 5 Jahren – je nach Größe und Umfang der Veranstaltung – empfohlen. Genehmigungsvoraussetzung ist die Vollständigkeit der Unterlagen bei Antragstellung. Dies beinhaltet auch entsprechende Angaben zur sicherheitsrechtlichen Bewertung (Sanitätsdienst, Erreichbarkeiten, Sicherheitsdienst, usw.). Diese Angaben müssen nicht zwingend in einem Konzept vorgelegt werden.

  • Merkblatt:

    Um den Veranstaltern und Vereinen das ganze Prozedere zu vereinfachen, aktualisiert das Landratsamt das bestehende Merkblatt über die Ausrüstung und den Betrieb von Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen, die bei Brauchtumsveranstaltungen – insbesondere Faschingsumzügen – eingesetzt werden. Hierin finden sich die wesentlichen Anforderungen und Hinweise für Veranstalter, z. B. Beschaffenheit der Fahrzeuge und Aufbauten, Maße und Gewichte, Versicherungsschutz, usw.. (Quelle: Landratsamt/Polizei)

  • Straßenverkehrsrechtlich:

    Grundlage hierfür sind die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung (StVO) sowie die dazu geltenden Verwaltungsvorschriften (VwV-StVO). Dort finden sich unter § 29 die wichtigsten Vorschriften bezüglich der sog. „übermäßigen Straßenbenutzung“. Dies beinhaltet auch Vorgaben hinsichtlich der Höhe des Versicherungsschutzes, der Notwendigkeit zum Vorliegen einer Genehmigung, Aussagen zur Zuverlässigkeit des Veranstalters, Haftungsfreisprechung des Straßenbaulastträgers bei Schäden wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht im Rahmen der Sondernutzung, usw..

  • Aufbauten auf Wägen:

    Grundlage hierfür sind die Vorgaben der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO). Hier sind die wesentlichen Ausführungen hinsichtlich der Beschaffenheit von Zugfahrzeugen und Anhänger – auch für diese Art der Veranstaltungen - zu finden.

  • So gilt:

    (A): Aufbauten, die die Sicht des Fahrers behindern oder die Lenkung beeinträchtigen, sind nicht zulässig. (B): Fahrzeuge und Anhänger, auf denen Personen befördert werden, müssen mit rutschfesten und sicheren Stehflächen, Haltevorrichtungen, Geländern bzw. Brüstungen und Ein- bzw. Ausstiegen im Sinne der Unfallverhütungsvorschriften ausgerüstet sein. (C): Sitzbänke, Tische und sonstige Auf- und Einbauten müssen mit dem Fahrzeug/ Anhänger fest verbunden sein. Die Verbindungen müssen so ausgelegt sein, dass sie den üblicherweise im Betrieb auftretenden Belastungen standhalten. (D): Beim Mitführen stehender Personen ist eine Mindesthöhe der Brüstung von 1000 mm einzuhalten. Beim Mitführen von ausschließlich sitzenden Personen ist eine Mindesthöhe von 800 mm ausreichend. (E): Ein- und Ausstieg sollten möglichst hinten bezogen auf die Fahrtrichtung angeordnet sein. Auf keinen Fall dürfen sich Ein- und Ausstiege zwischen zwei miteinander verbundenen Fahrzeugen/Anhängern befinden. (F): An Zugmaschinen und Anhängern sollten entsprechende Schutzvorkehrungen (Rundumverkleidung bis 20 cm über Boden) getroffen werden, damit niemand unter die Räder kommen kann.

  • Jugendschutz und Alkohol:

    Es gelten hier die einschlägigen Jugendschutzvorschriften (v. a. § 9 des Jugendschutzgesetzes).

Kontrollen gibt es bei allen Veranstaltungen auch hinsichtlich eines weiteren Sicherheits-Problems: Alkohol. In den Polizeiberichten nach dem Fasching finden sich Jahr für Jahr Meldungen über bewusstlose Personen oder Alkoholvergiftungen – auch bei Jugendlichen. Alkoholverbote, wie etwa in Gemeinden in Schwaben oder Oberbayern, kann sich dennoch kein Veranstalter vorstellen – Einschränkungen jedoch schon. „Spirituosen während des Zuges für Teilnehmer zu verbieten, das wäre nicht schlecht“, sagt Martin Mayer. „Bisher gibt es das aber soweit ich weiß nirgends. Ich appelliere aber an alle Maschkerer. Ein bisschen was zu trinken, das gehört im Fasching schon dazu. Man muss aber nicht schon sternhagelvoll ankommen.“

Alles zum Fasching 2018 in Kelheim finden Sie hier

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