mz_logo

Kelheim
Samstag, 29. April 2017 13° 3

Verkehr

Umlandbahn: Gleise liegen schon

Politik nimmt Reaktivierung der Schiene ernst: Auf der Linie von Burglengenfeld nach Langquaid liegen aber viele Hemmschuhe.
Von Michael Jaumann und Benjamin Neumaier

Die Labertalbahn verkehrt noch ab und an zu Nostalgiefahrten zwischen Eggmühl und Langquaid. Archivfoto: LSL

Langquaid. Stadtumlandbahn – den attraktiven Namen für eine Schienenverbindung von Burglengenfeld nach Langquaid hätte Jan Mascheck schon gefunden. Und noch ein Plus nennt der Aktivist von der Bürgerinitiative „Pro Städtedreiecksbahn“: Die Gleise zwischen den beiden Endpunkten liegen schon.

Damit müsste eine Linie durch drei Landkreise lediglich ertüchtigt werden, während die in Regensburg als Vision angedachte Stadtbahn in weiten Teilen komplett neu gebaut werden müsste.

Die Stadtumlandbahn ist eines der Themen, die am 18. März beim vierten Treffen der Eisenbahnreaktivierungsinitiativen in Schierling zur Sprache kommen sollen. Für die Tagung, die auf Initiative des Verkehrsclubs Deutschland zustande kommt, übernimmt der Markt Schierling die Kosten der Veranstaltung.

Ein „Entscheider“ ist mit dabei

Bürgermeister Christian Kiendl wird zudem neben anderen Politikern ganztägig an dieser Veranstaltung teilnehmen. Das zeigt, dass die Ideen von Eisenbahnfreunden, die einst gerne als Phantastereien belächelt wurden, angesichts zunehmender Verkehrsprobleme stärker Gehör finden. Mit Dr. Johann Niggl, Sprecher der Geschäftsführung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) sei sogar ein „Entscheider“ dabei, sagt Kiendl.

Als „Netzwerker“ versteht sich der Bürgermeister, der auskundschaften möchte, wie ein Personennahverkehr unter Einbeziehung der alten Linie Eggmühl – Langquaid funktionieren könnte. Er sei sich nicht schlüssig, wie ein Schienennahverkehr auf dieser Linie aussehen könnte und welche Auswirkungen dieser wieder auf das Bussystem haben könnte, sagt er. Wichtig ist für Kiendl vor allem, dass ein Vertreter der BEG das ihr gehörende Gleis sieht, auf dem neben sporadischem Güterverkehr mehrmals jährlich die Laabertalbahn zu Sonderfahrten unterwegs ist.

Eingestellt wurde der offizielle Personenverkehr durch die Deutsche Bahn Ende der 1960er Jahre, sagt Langquaids Bürgermeister Herbert Blaschek. „Seit 1999 ist auch der offizielle Güterverkehr eingestellt. Die Strecke wurde aber durch die Rhein-Sieg-Eisenbahn weiterbetrieben – eben für gelegentlichen Güterverkehr, Ausflugs- und Sonderfahrten. Hintergedanke war, dass man die Infrastruktur aufrechterhält. Die Schienen sind für mich wie eine Straße – wenn die Strecke rückgebaut worden wäre, wären nie wieder Schienen verlegt worden. Es war ja nicht absehbar, wie sich die Mobilität entwickelt, wie wichtig die Schiene für Betriebe wird. Ich denke, wir lagen da richtig.“

Blaschek verspricht sich vom „Mammutprojekt, das in den Kinderschuhen steckt und dessen Umsetzung nicht absehbar ist, eine Aufwertung von Langquaid. Es ist eine direkte Anbindung an Regensburg. Die haben wir zwar auch mit der Autobahn, aber in Regensburg erwarten einen dann doch Verkehrsprobleme die würden umgangen.“ Man müsse aber gleichzeitig Busverbindungen schaffen und ertüchtigen, „um das Langquaider Umland an die Bahnverbindung anzubinden. Nur in diesem Gesamtzusammenhang macht es auch Sinn. Ich höre mir das gerne auf der Tagung an, bin schon gespannt – auch was an Investitionen auf die Gemeinden zukommen wird.“

Die Tagung in Schierling

  • Themen:

    Stadtumlandbahn Regensburg – die Gleise sind schon vorhanden; Die Reaktivierung der Laabertalbahn; Die Klage gegen die Stilllegung der Wasserburger Altstadtbahn; Der Probebetrieb Gotteszell-Viechtach, Erfahrungen eines Fördervereins auf dem Weg zur Reaktivierung; Aktuelle Entwicklungen im Schienenpersonennahverkehr, Reaktivieren in Bayern – wie weiter?

  • Veranstalter:

    Verkehrsclub Deutschland (VCD), Landesverband Bayern

  • Moderation:

    Kurt Bayer, stellvertretender Vorsitzender des VCD Bayern

  • Ort und Zeit:

    Samstag, 18. März, 11.15 Uhr bis 16,50 Uhr, Feuerwehrhaus Eggmühl (direkt am Bahnhof)

  • Kosten:

    Die Teilnahme ist kostenlos – inklusive Sonderfahrt mit der Labertalbahn und Mittagessen

  • Anmeldung:

    Per E-Mail an landesbuero@vcd-bayern.de

Wolfgang Lahoda und Wolfgang Treppesch von der Interessengemeinschaft Lokalbahn Schierling-Langquaid kennen die Strecke. Sie sind als Lokführer und Signalmeister mit dem Bockerl zu Sonderfahrten unterwegs. „Es muss an den Gleisen etwas getan werden“, sagt Lahoda, auch ohne eine eventuelle Ertüchtigung der Strecke für einen Personennahverkehr. Als 1995 die Gemeinden Langquaid und Schierling die Strecke pachteten, sei bereits der Hintergedanke gewesen, die Strecke zu erhalten, um sie wieder aufleben zu lassen. Dafür sieht Lahoda angesichts bayernweit aktueller Reaktivierungstendenzen eine Chance.

Eine bessere Schienenverbindung sei aber mit Kosten verbunden. Bahnsteige und Parkplätze müssten gebaut werden. Auf fünf bis zehn Millionen Euro schätzt Lahoda den Aufwand, um die Linie zwischen Eggmühl und Langquaid zu ertüchtigen. Lahoda und Treppesch haben sich Gedanken gemacht, wie eine „bodenständige“, Schienenverbindung aussehen könnte: Waggons, die in Eggmühl an die Nord-Süd-Hauptstrecke angekoppelt bzw. dort von ihr abgekoppelt werden könnten.

Ähnlich könnte diese „Flügellösung“, wie sie Jan Mascheck nennt, auch in Maxhütte funktionieren. Dort tritt seine Initiative „Pro Städtedreiecksbahn“ für ein Wiederaufleben der Verbindung nach Burglengenfeld ein. Auf dieser Verbindung, die dem Zementwerk gehört, werden nur mehr gelegentlich Güter transportiert. Eine umsteigefreie Verbindung wäre zukunftsfähig, ist Jan Mascheck von der Initiative überzeugt. Mit dieser „Flügellösung“ würde die Hauptstrecke zwischen Hof und München, die künftig auch noch den Flughafenzubringerverkehr bewältigen muss, nicht zusätzlich belastet, so Mascheck.

„Der Kreistag Schwandorf hat sein Ja zu einem Schienennahverkehr erklärt, wenn dieser wirtschaftlich betrieben werden kann“, erklärt Franz Pfeffer vom Landratsamt Schwandorf zu den Überlegungen im nördlichen Nachbarlandkreis. Dort sei auch bereits eine Fahrgastbefragung auf den Linien zwischen Schwandorf und Regensburg durchgeführt worden. Die Ergebnisse lägen bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft zur Begutachtung. Zahlen nennt Pfeffer nicht. Die BEG habe auch Daten zur Baulandentwicklung und zu den Pendlerzahlen erhalten und werde daraus eine Prognose ableiten, mit welchen Fahrgastzahlen eine Städtedreieiecksbahn rechnen könnte.

1000 Fahrgäste pro Tag nötig

Das Fahrgastpotenzial, die Kosten für eine Ertüchtigung der Strecken und einen Betreiber nennt Josef Weigl, Geschäftsführer beim Regensburger Verkehrsverbund und der landkreiseigenen Nahverkehrsgesellschaft GFN als Knackpunkte für eine Stadtumlandbahn. Das Potenzial müsse mindestens 1000 Fahrgäste pro Tag betragen. An den Investitionskosten in die Strecke beteilige sich die BEG nicht. Ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen müsse die Strecke ertüchtigen und die Maßnahme finanzieren, die BEG bestelle dann die Zugleistung und zahle dafür Trassengebühren

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Kelheim lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht