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Region Neumarkt
Sonntag, 21. Januar 2018 5

Reihe

„Abschlusskonzert“ der Architekten

Beim letzten Werkbericht ging es unter anderem um eine Holzlandschaft in Garmisch-Partenkirchen und um eine Villa in Selb.
Von Gerd Schlittenbauer

Nach dem gelungenen Vortrag interviewte Organisator Johannes Berschneider die Referentin Prof. Anne Beer. Foto: Schlittenbauer

Neumarkt.Ein volles Haus gab es in „Mittelerde“ beim „Abschlusskonzert des Jahres“. Organisator Johannes Berschneider rückte die Bedeutung des 98. Vortrags der Architektenreihe gewohnt humorvoll in Szene. Die Referentin, Prof. Anne Beer, entführte die Zuhörer in ihrem Werkbericht „Ort.Spezifisch“ alsbald von Tolkiens Phantasiewelt unter anderem in eine real existierende architektonische Holzlandschaft in Garmisch-Partenkirchen.

Dort hat das Münchner Büro „Beer Bembé Dellinger Architekten“ das sogenannte „GAP-Quartier“ geschaffen. 29 Parteien kauften dort ein Haus oder Anteile daran. Inspiriert zeigte sich das Architektenbüro von einem alten Foto, auf dem die Häuser in der Straßenzeile vor prächtiger Bergkulisse noch mit kunstvollen Holzbalkonen ausgestattet waren. Modern nachempfunden hat Anne Beer dies mit ihren Kollegen, indem sie eine Haustypologie mit durchgehender Holzverkleidung schuf. Zusätzlich wurde gleich noch ein kleines Aparthotel angebaut, in dem die Gäste eine Elegie in Holz vorfinden.

„Wir haben uns um eine ruhige, durchgehende Gestaltung bemüht“, sagte Anne Beer. „Die dreigeschossigen Häuser haben einen Ausdruck, der sich eher zurücknimmt.“ Dieses Garmischer Groß-Projekt habe das Büro in letzter Zeit am meisten gebunden. Bei der Hälfte der Häuser entwickelten „Beer Bembé Dellinger Architekten“ den Innenausbau mit. Ein Eigentümer toppte das natürliche Holzflair durch den Bau eines Tipis mitten im Wohngemach, in welchem die Kinder nächtigen. „Es gab auch einen Christo-Moment“, schilderte die Referentin, denn das Bauwerk war eine Zeitlang komplett verhüllt. Auf Städtebau plus Architektur hat sich das Büro mittlerweile spezialisiert. So war bei einem Projekt in Traunreut eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt gefragt. In einem innerstädtischen Bereich entwarf Anne Beer mit ihren Kollegen einerseits eine „Kulturachse“ und andererseits eine „Handels- und Gewerbeachse“. Das Bürogebäude von „Beer Bembé Dellinger“ liegt in Greifenberg am Ammersee. Dort wurde ein denkmalgeschützter Stadel für die Architekten umgebaut – ohne Fenster.

Kunststück, dass das Architekturbüro auch im naheliegenden Schondorf am Ammersee aktiv war. Hier kommt ein Promi ins Spiel: Peter Reisenthel. Für den berühmten Korbhersteller haben „Beer Bembé Dellinger“ nicht nur dessen Haus gebaut, sondern auch eine Liegenschaft mit acht zusammengefügten Häusern und Wohnungen auf einer abschüssigen Fläche konstruiert, die nur durch eine Stichstraße erreichbar ist.

Die Natur integriert haben die Architekten in Selb-Plößberg, wo sie ein modernes, langes Holzelement im Wald an die dortige alte „Zeitler-Villa“ anbauten: „Das Gebäude öffnet sich zur Landschaft, es ist ein stiller Ort, alles wirkt fast harmlos“, beschrieb die Referentin dieses Projekt, das ein wichtiges Kriterium erfüllt: „Wir lieben es, wenn unsere Werke gemocht werden.“

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